1934

Das Jahr 1934 wird von den Nationalsozialisten genutzt, um ihre Macht in Deutschland zu festigen und sich weiterer politischer Gegner zu entledigen, zum Beispiel während des von der NS-Propaganda so bezeichneten Röhm-Putsches. Die Veröffentlichung der Marburger Rede, der letzten öffentlichen regimekritischen Rede von Vizekanzler Franz von Papen, wird durch Propagandaminister Joseph Goebbels verhindert. Nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg vereint Adolf Hitler die Ämter von Reichspräsident und Reichskanzler auf sich und nennt sich fortan Führer und Reichskanzler.

In Österreich kommt es zum Bürgerkrieg. Der Februaraufstand des sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbundes gegen die austrofaschistische Diktatur wird mit Hilfe des Militärs und der christlichen Heimwehr rasch und blutig niedergeschlagen. Ende Juli versuchen Nationalsozialisten erfolglos, die Regierung Dollfuß zu stürzen („Juliputsch“). Dabei sterben etwa 200 Menschen, darunter Bundeskanzler Dollfuß. Sein Nachfolger wird der bisherige Unterrichtsminister Kurt Schuschnigg.

Der jugoslawische König Alexander I. fällt gemeinsam mit dem französischen Außenminister Louis Barthou einem Attentat rechtsradikaler Ustaschas zum Opfer. Nachfolger wird sein Sohn Peter II. In einem Staatsstreich übernehmen in Estland Staatsoberhaupt Konstantin Päts und Armeechef Johan Laidoner die Macht. Päts verbietet politische Parteien und suspendiert die Meinungs- und Pressefreiheit. Zwei Monate später folgt in Lettland ein Staatsstreich durch Ministerpräsident Kārlis Ulmanis und vier Tage später wird auch in Bulgarien die gewählte Regierung durch einen Militärputsch gestürzt und ein autoritäres Regime installiert. Belgiens König Albert I. stirbt bei einem Kletterunfall; ihm folgt sein Sohn Leopold III. auf den Thron.

In China beginnt unter der Führung Mao Zedongs der fast einjährige Lange Marsch der Roten Armee, den nicht einmal 10 % der ursprünglich fast 100.000 Marschierenden überleben werden.

Die Oper Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch feiert nach ihrer Uraufführung im Mariinski-Theater von Leningrad einen Erfolg nach dem anderen, Italien gewinnt die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land, Donald Duck hat in dem Kurzfilm The Wise Little Hen seinen ersten Auftritt und vor den Philippinen wird Die Perle Allahs gefunden, bis heute die größte Perle der Welt.

Politik und Weltgeschehen

Chronologie
1. Januar

Schweiz: Marcel Pilet-Golaz wird Bundespräsident.
Deutsches Reich: Das Land Mecklenburg wird gegründet.

26. Januar Deutsch-polnischer Nichtangriffspakt
9. Februar Die Balkanentente gegen Bulgarien wird geschlossen.
12.15. Februar Österreich: Der Februaraufstand wird blutig niedergeschlagen.
23. Februar Leopold III. wird König der Belgier.
12. März Estland: Staatsstreich durch Konstantin Päts und Johan Laidoner
17. März Römische Protokolle zwischen Italien, Österreich und Ungarn
1. Mai Österreich: Die Maiverfassung tritt in Kraft.
11. Mai Deutsches Reich: „Aktion gegen Miesmacher und Kritikaster
15. Mai Lettland: Staatsstreich durch Kārlis Ulmanis.
19. Mai: Militärputsch in Bulgarien
20. Mai Der Saudi-Jemenitische Krieg endet mit dem Abkommen von Taif.
14. Juni Adolf Hitler auf Staatsbesuch in Italien.
30. Juni Röhm-Putsch“ im Deutschen Reich
25. Juli Juliputsch in Österreich, Bundeskanzler Engelbert Dollfuß wird ermordet.
30. Juli Österreich: Kurt Schuschnigg wird Bundeskanzler.
2. August Deutsches Reich: Reichspräsident Paul von Hindenburg stirbt.
19. August Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs
18. September Die Sowjetunion wird in den Völkerbund aufgenommen.
9. Oktober Königreich Jugoslawien: König Alexander I. wird ermordet.
27. Oktober China: Der Lange Marsch von Mao Zedongs Kommunistischer Partei beginnt.
Andauernde Ereignisse
Polizei-Panzerwagen am Ballhausplatz, 25. Juli 1934
  • 25. Juli: Beim nationalsozialistischen Juliputsch dringen als Soldaten des Bundesheeres und Polizisten verkleidete SS-Männer in das Bundeskanzleramt in Wien ein und ermorden Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Die übrigen Regierungsmitglieder können entkommen. Gleichzeitig dringt eine andere Gruppe von Putschisten in die Wiener Senderäume der RAVAG ein und erzwingt die Sendung der Falschmeldung, dass Engelbert Dollfuß die Regierungsgeschäfte an den ehemaligen steirischen Landeshauptmann Anton Rintelen übergeben habe. Dies soll der Aufruf für die Nationalsozialisten in ganz Österreich sein, mit der Erhebung gegen die Staatsmacht zu beginnen. Es kommt zu mehrtägigen Kämpfen in Teilen Kärntens, der Steiermark und Oberösterreichs und zu kleineren Aufständen in Salzburg. In den anderen Bundesländern bleibt es aber ruhig und bis zum 30. Juli ist der Putschversuch niedergeschlagen. Bereits am 26. Juli ist ein aus Deutschland kommender Kurier in der Ortschaft Kollerschlag aufgegriffen worden. Das bei ihm gefundene sogenannte Kollerschlager Dokument enthält umfangreiche Anweisungen für die Vorgangsweise während des Putsches.
Kurt Schuschnigg 1934
Polizeieinsatz auf der Place de la Concorde, 7. Februar 1934
  • 6. Februar: Dritte Französische Republik: Im Anschluss an eine regierungsfeindliche Großdemonstration in Paris kommt es zu den Unruhen vom 6. Februar 1934. Bei Straßenschlachten gelingt es Mitgliedern der rechtsradikalen Ligen beinahe, das Palais Bourbon zu stürmen, wo gerade die Abgeordnetenkammer tagt. Die Polizei setzt Schusswaffen ein, 15 Demonstranten werden getötet, über 2000 verletzt. Auslöser der Unruhen waren eine Korruptionsaffäre und die damit im Zusammenhang stehende Entlassung des Pariser Polizeipräfekten.
  • 7. Februar: Das linke Kabinett Daladier II tritt als Folge der Unruhen vom 6. Februar 1934 zurück; ihm folgt das konservative Kabinett Doumergue II.
  • 7. Juli: Der exilierte russische Adelige Boris Michailowitsch Skossyrew lässt sich vom andorranischen Parlament zum König ausrufen. Er erhält 23 von 24 Stimmen. Boris I. lässt 10.000 Exemplare seiner Verfassung drucken und verschickt sie an spanische und französische Persönlichkeiten. Frankreich interveniert nicht, da es sich für andorranische Angelegenheiten nicht allzu sehr interessiert, überlässt die Sache dem Generalrat und erachtet die Monarchie als gültig. Auch der Ministerrat Spaniens sieht keinen Handlungsbedarf. Am 21. Juli sendet der Bischof von Urgell als Co-Fürst von Andorra jedoch vier spanische Polizisten ins Land und lässt den Thronprätendenten verhaften.
  • 8. November: Pierre-Étienne Flandin folgt dem zurückgetretenen Gaston Doumergue als Ministerpräsident von Frankreich.
Leopold III. von Belgien
Aufnahme des Attentats
Ulmanis im Jahr 1934
Der Lange Marsch
  • 27. Oktober: Vom Jiangxi-Sowjet in Yudu aus beginnt der „Lange Marsch“ der Roten Armee unter Führung Mao Zedongs nach Norden und Westen durch China, um sich aus der Einkreisung durch Chiang Kai-sheks Nationalrevolutionäre Armee zu befreien. Unter den mehr als 85.000 Personen sind vermutlich lediglich 35 Frauen. Über 15.000 Soldaten, über 30.000 Verwundete sowie die Frauen bleiben zurück. Unter den Zurückgelassenen sind auch mehrere hochgestellte Mitglieder des chinesischen Sowjets, wie zum Beispiel Qu Qiubai und der jüngste Bruder von Mao Zedong, Mao Zetan, die nach der Einnahme des Gebietes durch die Kuomintang im November gefangen genommen und später hingerichtet werden.

Wirtschaft

Wissenschaft und Technik

Die Sikorsky S-42
Das Zaschka Muskelkraft-Flugzeug
  • 3. März: Der deutsche Konstrukteur Erich Franke erfindet das Drahtkugellager (heute Drahtwälzlager genannt) und meldet seine Erfindung zum Patent an.
Mount Sidley

Kultur

Amrita Sher-Gil, Selbstporträt als Tahitianerin

Die indisch-ungarische Künstlerin Amrita Sher-Gil malt in Öl auf Leinwand das Gemälde Selbstporträt als Tahitianerin. Es zeigt die Künstlerin mit nacktem Oberkörper vor einem japanisch anmutenden Hintergrund und greift Motive aus den Werken Paul Gauguins und Vincent van Goghs auf.

Das Musée Marmottan Monet im 16. Arrondissement von Paris wird durch die Académie des beaux-arts eröffnet. Es beherbergt die größte Sammlung mit Werken des Malers Claude Monet, zu der auch das Gemälde Impression, soleil levant gehört.

Programmzettel der Uraufführung
Governor's Palace in Williamsburg

Gesellschaft

Satellitenbild von Alcatraz
  • 1. Januar: Das ehemalige Fort auf der Insel Alcatraz vor San Francisco wird zu einem Bundesgefängnis umfunktioniert. Die ersten Häftlinge, 53 Männer aus dem Staatsgefängnis von Atlanta, treffen im Laufe des Jahres ein. Alcatraz fungiert bis 1963 als Hochsicherheitsgefängnis, in dem Gefangene untergebracht werden, die in anderen Gefängnissen als unverbesserlich und schwierig eingestuft worden sind.
  • 28. Mai: In der kanadischen Provinz Ontario kommen die Dionne-Fünflinge zur Welt. Sie sind die ersten Babys, die eine Überlebenschance von eins zu 57 Millionen bewältigen.
  • Gründung des Jugendbundes Grauer Orden

Religion

Katastrophen

  • 3. Januar: Bei einer Kohlenstaubexplosion auf der Zeche Nelson III bei Ossegg sterben 142 Bergleute.
  • 15. Januar: Ein Erdbeben der Stärke 8,1 in Nepal und Indien fordert ca. 10.700 Tote.
  • 13. Februar: Der in Packeis geratene sowjetische Frachtdampfer Cheliuskin geht in der Tschuktschensee bei einer wissenschaftlichen Expedition unter. Eine Person stirbt, die anderen 104 Seeleute und Passagiere flüchten auf eine große Eisscholle. Staatschef Stalin lehnt angebotene US-Hilfe ab. Die Schiffbrüchigen werden schließlich im März entdeckt und auf dem Luftweg gerettet. Die Rettung der Schiffbrüchigen führt am 16. April zur Stiftung der Auszeichnung Held der Sowjetunion.
  • 12. März: Das japanische Torpedoboot Tomozuru kentert während einer Übung im Sturm vor Sasebo. Von den 113 Besatzungsmitgliedern kommen ca. 100 Mann ums Leben.
  • 13. April: Beim Einsturz der in Bau befindlichen Saratower Eisenbahnbrücke über die Wolga sterben ungefähr 150 Menschen.
  • 11. Mai: Einer der heftigsten Staubstürme der US-amerikanischen Geschichte trägt 300 Millionen Tonnen Mutterboden Tausende Kilometer in den Atlantik. Er vernichtet damit die Existenz von 165.000 Farmern.
  • 8. September: Vor der Küste von New Jersey fängt mitten in der Nacht der amerikanische Luxusdampfer Morro Castle Feuer und brennt innerhalb kürzester Zeit ab, 137 Passagiere und Besatzungsmitglieder sterben.
  • 22. September: Im walisischen Ort Gresford ereignet sich ein Bergwerksunglück. Bei einer Explosion mit anschließendem Brand kommen 266 Bergleute sowie Rettungskräfte ums Leben.

Kleinere Unglücksfälle sind in den Unterartikeln von Katastrophe aufgeführt.

Natur und Umwelt

Sport

Nobelpreise

Preis Person Land Begründung für die Preisvergabe Bild
Nobelpreis für Physik nicht verliehen
Nobelpreis für Chemie Harold C. Urey
(1893–1981)
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten „für seine Entdeckung des schweren Wasserstoffes Harold C. Urey
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin George Hoyt Whipple
(1878–1976)
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten „für ihre Lebertherapie gegen Anämie
George Richards Minot
(1885–1950)
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
William Parry Murphy
(1892–1987)
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Nobelpreis für Literatur Luigi Pirandello
(1867–1936)
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Königreich Italien „für seine kühne und sinnreiche Neuschöpfung von Drama und Bühnenkunst“ Luigi Pirandello
Friedensnobelpreis Arthur Henderson
(1863–1935)
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Vorsitzender der Konferenz zur Entwaffnung des Völkerbundes (1932–1934) Arthur Henderson

Januar

Hellmuth Karasek, 2012
Rudolf Schuster, 2011

Februar

Murtasa Rachimow (2006)
Niklaus Wirth, 2005
Rue McClanahan 2007

März

Juri Gagarin
Richard Chamberlain

April

Jane Goodall (2010)
Roman Herzog (2006)
Shirley MacLaine (1987)

Mai

Harlan Ellison (1986)

Juni

Albert II. von Belgien, 2010
Mikel Laboa, 2007

Juli

Sydney Pollack, 2006
Alfred Biolek (2009)
Giorgio Armani, 2009

August

Waleri Bykowski (2008)
Armi Kuusela (1959)
Norman Schwarzkopf (1988)

September

Sophia Loren, 1986
Leonard Cohen, 1988
Manfred Wörner, 1982
Brigitte Bardot, 1968
Udo Jürgens, 2006

Oktober

Amiri Baraka (Mitte)
Nana Mouskouri, 2012

November

Klaus Richtzenhain
Carl Sagan, 1980

Dezember

Genaues Geburtsdatum unbekannt

Januar/Februar

Herbert Chapman
Fritz Haber, 1918

März/April

Mai/Juni

Alfred Bruneau

Juli/August

Marie Curie, 1920
Paul von Hindenburg
Tannatt William Edgeworth David

September/Oktober

Santiago Ramón y Cajal

November/Dezember

Walther Bensemann 1896
Joachim Ringelnatz, vor 1925

Genaues Todesdatum unbekannt

  1. (RGBl. I, S. 91, Volltext)

Other Languages

Copyright