Italien

Repubblica Italiana
Italienische Republik
Flagge Italiens
Wappen Italiens
Flagge Emblem
Amtssprache Italienisch
regional auch Deutsch, Französisch, Ladinisch und Slowenisch1
Hauptstadt Rom
Staats- und Regierungsform parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt Präsident
Sergio Mattarella
Regierungschef Ministerpräsident
Mario Draghi
Fläche 301.338 km²
Einwohnerzahl 60.026.546 (30. Juni 2020)[1]
Bevölkerungsdichte 199 (40.) Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung   −0,44 % (2019/2020)[1] pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nom.)
  • BIP/Einw. (KKP)
2018[2]
  • 2.075,9 Mrd. USD (8.)
  • 2.399,7 Mrd. USD (12.)
  • 34.321 USD (27.)
  • 39.675 USD (36.)
Index der menschlichen Entwicklung   0,892 (29.) (2019)[3]
Währung Euro (EUR)2
Gründung 18613
Nationalhymne Il Canto degli Italiani
Nationalfeiertag 25. April, 2. Juni
Zeitzone UTC+1 MEZ
UTC+2 MESZ (März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen I
ISO 3166 IT, ITA, 380
Internet-TLD .it
Telefonvorwahl +392
1 Mehr dazu siehe Sprachen und Dialekte
2 Ausnahme: Campione d’Italia benutzt den Schweizer Franken und die Vorwahl +41
3 1866 Venedig zu Italien, 1870 Rom, nach dem Ersten Weltkrieg Trient und Triest
ÄgyptenTunesienLibyenAlgerienMarokkoMauretanienSenegalGambiaGuinea-BissauGuineaSierra LeoneLiberiaElfenbeinküsteGhanaTogoBeninNigeriaÄquatorialguineaKamerunGabunRepublik KongoAngolaDemokratische Republik KongoNamibiaSüdafrikaEswatiniMosambikTansaniaKeniaSomaliaDschibutiEritreaSudanRuandaUgandaBurundiSambiaMalawiSimbabweBotswanaÄthiopienSüdsudanZentralafrikanische RepublikTschadNigerMaliBurkina FasoJemenOmanVereinigte Arabische EmirateSaudi-ArabienIrakIranKuwaitKatarBahrainIsraelSyrienLibanonJordanienZypernTürkeiAfghanistanTurkmenistanPakistanGriechenlandItalienMaltaFrankreichPortugalSpanienMauritiusRéunionMayotteKomorenSeychellenMadagaskarSão Tomé und PríncipeSri LankaIndienIndonesienBangladeschVolksrepublik ChinaNepalBhutanMyanmarKanadaDänemark (Grönland)IslandMongoleiNorwegenSchwedenFinnlandIrlandVereinigtes KönigreichNiederlandeBelgienDänemarkSchweizÖsterreichDeutschlandSlowenienKroatienTschechische RepublikSlowakeiUngarnPolenRusslandLitauenLettlandEstlandWeißrusslandRepublik MoldauUkraineNordmazedonienAlbanienMontenegroBosnien und HerzegowinaSerbienBulgarienRumänienGeorgienAserbaidschanArmenienKasachstanUsbekistanTadschikistanKirgisistanRusslandVereinigte StaatenMaledivenJapanNordkoreaSüdkoreaRepublik China (Taiwan)SingapurMalaysiaPhilippinenThailandVietnamLaosKambodschaIndienVenezuelaGuyanaSurinameFrankreich (Französisch-Guayana)BrasilienKap VerdeSpanien (Kanaren)Dominikanische RepublikPuerto RicoDominikanische RepublikBahamasJamaikaKubaMexikoMexikoVenezuelaGuyanaSurinameFrankreich (Französisch-Guayana)BrasilienKap VerdeSpanien (Kanaren)Dominikanische RepublikPuerto RicoDominikanische RepublikBahamasJamaikaKubaMexikoMexikoDänemark (Färöer) Italy in the European Union on the globe (Europe centered).svg
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Italienische Regionen

Italien (italienisch Italia [iˈtaːlja], amtlich Italienische Republik, italienisch Repubblica Italiana [ reˈpubblika itaˈljaːna]) ist ein Staat in Südeuropa; seine Hauptstadt ist Rom.

Das italienische Staatsgebiet liegt zum größten Teil auf der vom Mittelmeer umschlossenen Apennin­halbinsel und der Po-Ebene sowie im südlichen Gebirgsteil der Alpen. Der Staat grenzt an Frankreich, die Schweiz, Österreich und Slowenien. Die Kleinstaaten Vatikanstadt und San Marino sind vollständig vom italienischen Staatsgebiet umschlossen. Neben den großen Inseln Sizilien und Sardinien sind mehrere Inselgruppen vorgelagert.

Als Kreuzweg der Zivilisationen des Mittelmeerraumes ist der italienische Beitrag zum kulturellen und historischen Erbe Europas und der Welt beachtenswert, das Gebiet des heutigen Italien war in der Antike die Kernregion des Römischen Reiches, die oberitalienische Toskana war das Kernland der Renaissance, ihr folgte von Rom ausgehend die Epoche des Barock.

Mit dem Risorgimento entstand der moderne italienische Nationalstaat: Von 1861 bis 1946 bestand unter dem Haus Savoyen das Königreich Italien, das rapide industrialisiert wurde, zu einer europäischen Großmacht aufstieg und ab den 1880er Jahren ein Kolonialreich in Nord- und Ostafrika errichtete. Die kostspielige und verlustreiche Teilnahme am Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1918 führte zwar zur Vergrößerung des Staatsgebietes, aber auch zu schweren sozialen Unruhen und ebnete den italienischen Faschisten unter Benito Mussolini den Weg zur Macht. Das faschistische Regime herrschte von 1922 bis 1943/45 über Italien und führte das Land 1940 auf der Seite der Achsenmächte in den Zweiten Weltkrieg. Die Kriegsniederlage führte zum Verlust der Kolonien und zu vergleichsweise geringfügigen Gebietsabtretungen an den Nachbarstaat Jugoslawien. Im Juni 1946 beendete eine Volksabstimmung die Monarchie; die heutige Republik wurde ausgerufen.

Italien ist Mitinitiator der Europäischen Integration und Gründungsmitglied der Europäischen Union, des Europarates und der Lateinischen Union. Das Land ist Mitglied der G7, der G20, der NATO, der Vereinten Nationen (UNO), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Welthandelsorganisation (WTO).

Italien zählt laut Index der menschlichen Entwicklung als Industriestaat zu den höchstentwickelten Ländern der Erde[4] und ist gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt.[5] Das Land genießt einen hohen Lebensstandard sowie Bildungsgrad und besitzt eine der höchsten Lebenserwartungen.[6] Italien ist das Land mit den meisten Welterbestätten der UNESCO (55)[7] und mit rund 65 Millionen Touristen jährlich eines der meistbesuchten Länder der Welt.[8]

Für die Herkunft des Wortes Italia existieren zahlreiche Hypothesen. Eine davon ist, dass der Name über das Griechische aus dem oskischen Víteliú ("Land der Kälber" von vitulus "Kalb") entlehnt ist.[9] Der griechische Historiker Dionysius von Halikarnassos stellt diese Behauptung zusammen mit der Legende auf, dass Italien nach Italos benannt wurde[10], der auch von Aristoteles[11] und Thukydides erwähnt wird.[12]

Nach Antiochus von Syrakus bezeichneten die Griechen mit dem Begriff Italien zunächst nur den südlichen Teil der Halbinsel Bruttium, welcher der Region um die heutigen Gemeinden Reggio sowie zum Teil Catanzaro und Vibo Valentia entspricht. Zur Zeit Antiochus wurde die umfassendere Bezeichnung von Oinotria und "Italien" jedoch synonym verwendet und der Name galt auch für den größten Teil von Lucania. Strabons "Die Geographie" zufolge wurde der Name vor der Expansion der römischen Republik von den Griechen verwendet, um das Land zwischen der Straße von Messina und der Verbindungslinie zwischen dem Golf von Salerno und dem Golf von Tarent zu bezeichnen. Diese Abgrenzung entspricht in etwa der heutigen Region Kalabrien. Nach und nach kamen die Griechen dazu, den Namen "Italia" auf eine größere Region anzuwenden.[13] Zusätzlich zur Hypothese des "griechischen Italien" im Süden haben Historiker die Existenz eines "etruskischen Italiens" vorgeschlagen, das verschiedene Gebiete Mittelitaliens abdeckt.[14]

Dagegen sind die Grenzen des römischen Italiens, Italia, besser festgelegt. Catos Origines, das erste in Latein verfasste Geschichtswerk, beschrieb Italien als die gesamte Halbinsel südlich der Alpen.[15] Nach Cato und mehreren römischen Autoren bildeten die Alpen die "Mauern Italiens".[16] Im Jahr 264 v. Chr. erstreckte sich das römische Italien von den Flüssen Arno und Rubicon im nördlichen Zentrum der Halbinsel bis in den gesamten Süden. Das nördliche Gebiet des Gallia cisalpina, des Galliens diesseits der Alpen, wurde in den 220er Jahren v. Chr. von Rom besetzt und galt geographisch und de facto als Teil Italiens.[17] Es blieb jedoch zunächst politisch und de jure getrennt, bis es 42 v. Chr. durch den Triumvirat Octavian als Umsetzung der unveröffentlichten Akte Caesars (Acta Caesaris) rechtlich in die Verwaltungseinheit Italiens eingegliedert wurde.[18][19][20][21] Die Inseln Sardinien, Korsika, Sizilien und Malta wurden 292 n. Chr. durch Diokletian zu Italien hinzugefügt.[22]

Italien liegt auf einer von Nordwest nach Südost gerichteten Halbinsel, die in ihrer Form an einen Stiefel erinnert. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwas weniger als 1200 km[23], in Ost-West-Richtung beträgt die maximale Ausdehnung etwa 700 km.[24] Angrenzende Staaten sind Frankreich (Länge der gemeinsamen Staatsgrenze: 488 km), die Schweiz (734,2 km), Österreich (430 km), Slowenien (232 km) sowie die Enklaven San Marino (39 km) und die Vatikanstadt (3 km). Die Landesgrenzen haben eine Gesamtlänge von etwa 2000 km. Italien besitzt mit Campione d’Italia eine von der Schweiz umgebene Exklave. Eine weitere Grenze ist die zu Kroatien (Seegrenze). Die gesamte Küstenlänge beträgt 7.600 km.[25]

Morphologie

Die Marmolata in den Dolomiten
Das Val Gardena in den Dolomiten

Der Gebirgszug des Apennins durchzieht das Land entlang der Längsachse und erreicht mit 2.912 m seine größte Höhe im Gran Sasso. Im Norden gehört ein großer Teil der Alpen zu Italien: Höchster Gipfel ist der Mont Blanc (Monte Bianco) mit 4.810 m,[26] welcher an der Grenze zu Frankreich liegt. Das höchste Bergmassiv, das vollständig auf italienischem Boden steht, ist der Gran Paradiso mit 4.061 m in den Grajischen Alpen.

Entlang der Westküste ziehen sich von Norden in Richtung Süden unter anderem die Italienische Riviera in Ligurien und der Golf von Neapel in Kampanien. Die Ostküste wird von Triest bis zum Gargano im Norden Apuliens (nach anderen Darstellungen: bis zur Straße von Otranto) als die italienische Adriaküste bezeichnet.

Die Po-Ebene (ital. Pianura Padana) im Norden ist mit einer Fläche von 50.000 km² die größte Ebene Italiens.

Gewässer

Hydrografisch gehört Italien fast ausschließlich zum Mittelmeer. Einzig das Tal des Lago di Livigno und der oberste Teil des Val d’Uina entwässern über Inn und Donau ins Schwarze Meer. Dorthin entwässert ebenfalls die Drau, die im Pustertal in Südtirol entspringt, sowie die Gailitz, die das Gebiet um Tarvis durchfließt. Ferner entwässert das Tal des Lago di Lei über den Rhein in die Nordsee. Die längsten Flüsse sind der Po (652 km), die Etsch (410 km) und der Tiber (405 km), gefolgt von der Adda und dem Oglio. Zu den größten italienischen Seen zählen der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See in Oberitalien sowie der Bolsenasee und der Trasimenische See in Mittelitalien.

Inseln

Küstenabschnitt der Liparischen Inseln bei Sizilien

Zu Italien gehören die großen Mittelmeerinseln Sizilien und Sardinien sowie die Inselgruppen der Liparischen und Ägadischen Inseln nördlich sowie westlich von Sizilien. Rund um Sardinien liegen zahlreiche kleine Inseln, unter anderem Sant’Antioco, Asinara, San Pietro und die Inselgruppe La Maddalena. Die Pontinischen Inseln erstrecken sich vor der Küste Latiums. Im Tyrrhenischen Meer befinden sich zudem der Kampanische Archipel (darunter die Inseln Capri und Ischia), der Toskanische Archipel (auch Elba) und die Liparischen Inseln. In der Adria liegen die Tremiti-Inseln. Die Pelagischen Inseln, zu denen auch Lampedusa gehört, und die Insel Pantelleria gehören geologisch bereits zu Afrika.

Geologie

Aufgrund der geologischen Verhältnisse kommt es immer wieder zu Erdbeben in Italien. Das heftigste Beben des 20. Jahrhunderts mit einer Stärke von 7,2 auf der Richterskala ereignete sich im Jahr 1908 in Messina und Reggio Calabria. Es starben rund 120.000 Menschen. 1915 forderte ein Erdbeben bei Avezzano in den Abruzzen 30.000 Menschenleben. Die süditalienische Region Irpinia wurde 1980 von mehreren starken Beben getroffen, deren Ausläufer von Portici bei Neapel bis nach Potenza in der Basilikata reichten; dabei starben 3000 Menschen. Am 31. Oktober 2002 kam es zu einem starken Beben in San Giuliano di Puglia (Region Molise): 30 Menschen, davon 27 Kinder, wurden in den Trümmern eines eingestürzten Schulgebäudes verschüttet. Das Erdbeben von Friaul 1976 forderte 965 Menschenleben. Am 6. April 2009 ereignete sich in L’Aquila ein schweres Erdbeben mit einer Stärke von 5,9 auf der Richterskala, das 308 Opfer forderte,[27] im August 2016 folgte im Gebiet von Amatrice ein ähnlich folgenreiches Beben.

Vulkane

Eruption des Ätna im Jahre 2002, fotografiert aus der ISS

Neben dem 1281 Meter hohen Vesuv, der sich seit dem letzten Ausbruch 1944 in einer Ruhephase befindet und den Phlegräischen Feldern mit ihren unzählige Thermalquellen und Fumarolen, auf dem Festland stehen auf italienischen Inseln mehrere weitere Vulkane. Bekannt sind vor allem der 3323 Meter hohe Ätna, der zuletzt 2018 ausbrach, sowie der 926 Meter hohe ständig aktive Stromboli. Italien ist das Land mit den meisten aktiven Vulkanen auf dem europäischen Kontinent.[28]

Klima

Das Klima ist subtropisch mit teilweise sehr deutlichen Unterschieden in den verschiedenen Regionen.

Norditalien wird von den Alpen und dem toskanisch-emilianischen Apennin umsäumt, wodurch der Einfluss des Mittelmeeres auf das Klima eingeschränkt ist. Die Winter sind kühl, in den Städten der Po-Ebene kommt es mitunter zu leichtem Frost, gelegentlich kann auch Schnee fallen, der über Nacht oder einige wenige Tage liegen bleiben kann; in den Monaten November bis Januar gibt es in der Ebene häufig langanhaltende Perioden mit dichtem Nebel.[29] Die Sommer sind lang und heiß, die Luftfeuchtigkeit ist hoch.

Mittelitalien hat durch den Einfluss des Mittelmeeres mildere Winter und trockene, warme bis heiße Sommer. Etwa südlich des 45. Breitengrades sind verbreitet auch wilde Pinienbestände vorzufinden. Diese typische mediterrane Baumart verträgt kaum Temperaturen unter 0 °C und fängt sofort an, von unten her abzusterben, was davon zeugt, dass in diesen Gebieten so gut wie keine Fröste auftreten.

Mediterrane Landschaft auf Sizilien

Süditalien und die italienischen Inseln haben ein nahezu ganzjährig warmes, mediterranes Klima. Der Herbst kommt spät, die Winter sind feucht und mild mit Tagestemperaturen von 10 bis 15 °C und der Frühling setzt bereits zeitig ein (Mandelblüte ab Ende Januar). Im Sommer kann es sehr heiß werden, oftmals werden Temperaturen von über 40 °C erreicht. Aufgrund von geringen Niederschlagsmengen in den Sommermonaten sind Dürreperioden ein häufiges Problem in dieser Region.

In den Alpen und im Apennin herrscht aufgrund der Höhenlagen ein meist kaltes Gebirgsklima, die Sommer dort sind überwiegend mild.

Die mittlere jährliche Sonnenscheindauer beträgt im Norden rund 1250 Stunden, in der Mitte etwa 1700 Stunden (Rom≈1680 Std.) und steigt bis auf über 2000 Stunden ganz im Süden und auf Sizilien.[30]

Auf der Pala di San Martino im Trentino wurde im Dezember 2010 mit −48,3 °C ein neuer italienischer Kälterekord gemessen. Die Höchsttemperatur von 48,5 °C wurde am 10. August 1999 an der Wetterstation Catenanuova in der Provinz Enna auf Sizilien festgestellt. Dies ist zugleich die höchste bisher in Europa registrierte Temperatur.

Der in letzter Zeit beschleunigte Klimawandel hat die bestehenden Umweltprobleme im gesamten Mittelmeerraum verschärft, so auch in Italien.[31] Für fünf weit gefasste und miteinander verbundene Wirkungsbereiche (Wasser, Ökosysteme, Ernährung, Gesundheit und Sicherheit) weisen aktuelle Veränderungen und Zukunftsszenarien konsequent auf substanzielle und zunehmende Risiken in den kommenden Jahrzehnten hin.[31] In großen Teilen Italiens nehmen die Regenmengen ab, die Temperaturen steigen hingegen und Extremwetterereignisse häufen sich.[32] Besonders sichtbar sind die Folgen der Veränderungen in den Alpen. Teile des Planpincieux-Gletscher der Grandes Jorasses an der Grenze zu Frankreich drohen bspw. mittlerweile wegen der steigenden Temperaturen ins Tal zu stürzen.[33] Auch in der Landwirtschaft zeigen sich die Folgen. So wurde in der Saison 2018/19 in Italien die schlechteste Olivenernte seit 25 Jahren eingeholt und der italienische Bauernverband spricht bereits von einem „Olivenölkollaps“.[34] In Sizilien haben Bauern wegen der veränderten Bedingungen begonnen, statt den einheimischen Orangen oder Oliven nunmehr Tropenfrüchte wie Mangos oder Avocados anzubauen.[35] Die Klimakrise bedroht zudem das kulturelle Erbe des Landes. So sind 13 von 15 UNESCO-Welterbestätten in Italien von Küstenerosion bedroht, da sie sich in der niedrig gelegenen Küstenregion befinden.[36]

Naturschutz

2014 gab es in Italien 24 Nationalparks mit einer Gesamtfläche von rund 15.000 km². Der für seine Alpensteinbock-Population bekannte Nationalpark Gran Paradiso in den Regionen Aostatal und Piemont, wurde als erster im Jahr 1922 eingerichtet. Die größten Nationalparks sind der Nationalpark Pollino der sich mit über 1925 km² in den Regionen Kalabrien und Basilikata erstreckt und den Italienischen Wolf beheimatet, der Nationalpark Cilento und Vallo di Diano mit über 1810 km² in Kampanien und der Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga mit über 1413 km² in Abruzzen, auf dessen Gebiet mit dem Corno Grande der höchste Gipfel des Apennin liegt.

Darüber hinaus sind 134 Regionalparks eingerichtet worden, mit einer Fläche von 13.000 km². Zu den größten Regionalparks gehören der Parco dei Nebrodi auf Sizilien mit etwa 860 km², der Naturpark Adamello-Brenta mit etwa 621 km² in der Provinz Trento in den Südalpen, dessen Einrichtung auch dem Schutz des letzten italienischen Vorkommens von Alpen-Braunbären dient, sowie der Parco dell’Etna mit einer einzigartigen Flora und Fauna um den Vulkan Ätna mit über 580 km².

2009 listete das Umweltministerium 871 aree naturali protette auf.[37][38]

Bevölkerungsdichte in Italien im Jahr 2011
Bevölkerungspyramide 2016

Die Bevölkerung Italiens im Jahre 1861 wurde auf etwa 22 Millionen geschätzt. 1961 lag die Einwohnerzahl bei etwa 51 Millionen. Heute hat Italien etwa 60 Millionen Einwohner (Stand: Juni 2020)[1] und rangiert damit in der Weltrangliste auf Platz 23, innerhalb der Europäischen Union liegt das Land auf dem dritten Rang hinter Deutschland und Frankreich. Mit einer Bevölkerungsdichte von knapp 200 Einwohnern pro km² zählt Italien innerhalb der Europäischen Union zu den Ländern mit einer hohen Bevölkerungsdichte.[39] Die Bevölkerung Italiens hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts ungefähr verdoppelt. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts wächst die Bevölkerung Italiens nur sehr langsam.

Bevölkerungsentwicklung [40]
Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl
1861 22.182.377 1951 47.515.537
1871 27.303.509 1961 50.623.569
1881 28.953.480 1971 54.136.547
1901 32.965.504 1981 56.556.911
1911 35.845.048 1991 56.778.031
1921 39.943.528 2001 56.995.744
1931 41.651.000 2011 59.433.744
1936 42.943.602 2019 60.244.639

Stadt- und Landbevölkerung

Rund 67 Prozent der Bevölkerung, vornehmlich im Norden, leben in Städten. Vor allem von 1950 bis 1960 herrschte eine starke Landflucht. Seit den 1980er Jahren hat sich dieser Trend zu Gunsten der Vororte und Kleinstädte umgekehrt (Suburbanisierung). In der Zeit von 1951 bis 1974 kam es darüber hinaus zu einer starken Binnenwanderung nach Norditalien: etwa vier Millionen Süditaliener wanderten in die Industriezentren im Norden ab.[41]

Lebenserwartung und Gesundheit, ärztliche Versorgung

Universitätsklinikum Careggi in Florenz

Italien hat eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt. Sie betrug im Jahr 2016 84,9 Jahre für Frauen und 80,3 Jahre für Männer.[42] Ungefähr 19 Prozent der Italiener waren älter als 65 Jahre. Italien ist eine der ältesten Gesellschaften der Welt und wird aufgrund der niedrigen Fertilitätsrate von 1,4 Kindern pro Frau in Zukunft weiter altern.[43]

Die Sterblichkeit durch Herz- und Kreislauferkrankungen lag 2006 bei 33 pro 10.000 Einwohner; sie lag bei den Männern bei 40,5, bei den Frauen bei 27,7.[44] Dies ist eine der niedrigsten Raten in ganz Europa. Knapp hinter dieser Symptomatik folgen Krebserkrankungen. 2006 lagen diese Werte bei 26,6, wobei Männer (37,3) deutlich häufiger daran starben als Frauen (19,4).[45] Extremwerte wiesen Vibo Valentia (19,4) und Lodi (33,6) auf. Auch liegen die Metropolen über dem Durchschnitt, vor allem Neapel (29); dann folgen Mailand (28,9), Rom (27,9), Genua (27,9) und Turin (27,2). Bei den Männern lag die Rate besonders hoch im Aostatal und in der Region Friaul-Julisch Venetien, bei den Frauen in der Provinz Trento.

Die Kindersterblichkeit lag in Italien 2018 bei 3,0  (OECD: 6,8 ‰).[46] Bei der Kindersterblichkeit konnte die Rate seit Mitte der 1990er Jahre auf 3,4 Tote auf 1000 Geborene innerhalb des ersten Jahres halbiert werden. Der Durchschnitt in Europa lag in diesem Jahr 2006 bei 4,7. Finnland, die Schweiz, Slowenien und Luxemburg lagen zwischen 2,6 und 1,8, Rumänien hingegen bei 11. Innerhalb Italiens hatte die Provinz Enna (7,4) den höchsten Wert, das Aostatal (0,8) den niedrigsten.[47]

Auch in Italien lässt sich, wie in nahezu allen OECD-Staaten, ein Anstieg des Anteils adipöser (stark übergewichtiger) Menschen beobachten. So stieg dieser Wert von 7,0 Prozent im Jahr 1994 auf 9,9 Prozent im Jahr 2005 (in Deutschland lag diese Quote im selben Jahr bei 13,6 Prozent),[48] um seither bei etwa 10 Prozent zu stagnieren.

Der Anteil täglicher Raucher fiel im Vergleichszeitraum 1990 bis 2005 von 27,8 Prozent auf 22,3 Prozent (OECD: 24,3 Prozent).[48] Seit 10. Januar 2005 gilt außerdem ein generelles Rauchverbot in allen öffentlich zugänglichen Gebäuden. Auch der Alkoholkonsum ist rückläufig.

Italien verzeichnet seit dem Höhepunkt im Jahr 2002 einen Rückgang der Zahl der Ärzte pro 100.000 Einwohner. 2004 waren es noch 416,7 Ärzte, 2007 waren es nur noch 363,5. Nur in Ligurien stieg ihre Zahl von 514,7 auf 581,9, womit dort die Versorgung am dichtesten war. Mit 511,1 Ärzten folgte Latium. Im Süden lag nur Sizilien mit 425 über dem nationalen Durchschnitt.[49]

Schulwesen und Bildung

Hauptgebäude der Scuola Normale Superiore in Pisa
Universität Bologna, Europas älteste Universität, gegründet im 11. Jahrhundert
Universität La Sapienza in Rom, eine der größten Universitäten Europas

Das Schulwesen Italiens ist – was den Aufbau und die Gliederung betrifft – durch große Einheitlichkeit gekennzeichnet. Die wesentlichen Bestimmungen für Unterricht und Erziehung sind in Mailand nicht anders als in Palermo. Unterschiede gibt es lediglich im Bereich der beruflichen Bildung, die zum Kompetenzbereich der einzelnen Regionen gehört. Das Schulsystem gliedert sich in folgende Stufen: Vorschule (scuola dell’infanzia, vormals scuola materna, drei Jahre, 3–6), Grundschule (scuola primaria, vormals scuola elementare, fünf Jahre, 6–11), Mittelschule (scuola secondaria di primo grado, vormals scuola media inferiore, drei Jahre, 11–14) und Oberschulen (scuola secondaria di secondo grado, vormals scuola media superiore, fünf Jahre, 14–19). Die staatlichen Oberschulen gliedern sich in Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsfachschulen. Im Bereich der Gymnasien gibt es einen humanistischen, einen naturwissenschaftlichen und einen neusprachlichen Zweig (liceo classico, scientifico, linguistico) sowie das sogenannte Kunstgymnasium (liceo artistico). Die Fachoberschulen (istituto tecnico), die zur allgemeinen Hochschulreife und auch zu einem berufsqualifizierenden Abschluss führen, untergliedern sich in mehrere Ausbildungsrichtungen, in denen wiederum zahlreiche Spezialisierungen angeboten werden. Den Bereich der beruflichen Ausbildung decken einerseits die staatlichen Berufsfachschulen (istituto professionale) ab, an denen nach drei Jahren ein berufsqualifizierender Abschluss erlangt werden kann, nach zwei weiteren Jahren die Hochschulreife. Auf der anderen Seite stehen die von den italienischen Regionen unterhaltenen oder beaufsichtigten Berufsausbildungszentren (centro di formazione professionale).

Die Schulpflicht ist schrittweise angehoben worden. In der Vergangenheit betrug sie acht Jahre (6–14), womit die Grund- und Mittelschule zur Pflichtschule (scuola dell’obbligo) wurde. Ende der 1990er Jahre erfolgte eine Anhebung auf neun Jahre. 2004 wurde dann eine zwölfjährige Schul- und Berufsausbildungspflicht eingeführt. Diese kann nach Abschluss der Mittelschule entweder durch den Besuch der staatlichen Oberschulen oder der regionalen Berufsschulen erfüllt werden. Alternativ kann auch eine betriebliche Ausbildung durchgeführt werden, wobei auch Kurse an regionalen Berufsschulen zu absolvieren sind. Werden die Ausbildungsgänge an regionalen Berufsausbildungszentren mit einer Staatsprüfung abgeschlossen, steht der Weg zum beruflichen Abitur frei. Wer vor Vollendung des 18. Lebensjahres einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss erreicht, ist von der zwölfjährigen Schul- und Ausbildungspflicht freigestellt.

Italien hat in der Fremdsprachenausbildung bedeutende Fortschritte gemacht: Englisch wird bereits in der Grundschule unterrichtet, eine zweite lebende Fremdsprache kann ab der Mittelschule (ab dem 6. Schuljahr) zusätzlich erlernt werden. Die fünfjährigen Gymnasien sehen daneben i. d. R. Lateinunterricht vor, beim altsprachlichen Liceo Classico kommt noch Altgriechisch dazu.

Die PISA-Studien erteilten der italienischen Schule insgesamt ein relativ schlechtes Zeugnis. 2009 erreichte Italien in der Lesekompetenz 486 Punkte, in Mathematik 483 und in den Naturwissenschaften 489 Punkte. Allerdings besteht in Italien auch im Schulwesen ein scharfes Nord-Süd-Gefälle: So erreichte die Region Lombardei in den Naturwissenschaften 526 Punkte, Kalabrien hingegen nur 443. Im Jahr 2012 konnte sich Italien unwesentlich verbessern, die regionalen Unterschiede blieben jedoch weiterhin fast unverändert. Die PISA-Ergebnisse an deutschsprachigen Schulen in Südtirol in Lesekompetenz (503), Mathematik (513) und Naturwissenschaften (530) waren überdurchschnittlich.[50]

Im Hochschulbereich gibt es, anders als in den deutschsprachigen Ländern, keine eigenständigen Fachhochschulen. In der Folge ist die Quote der Menschen mit Hochschulabschluss geringer als anderswo in der Europäischen Union und liegt bei etwa 15 Prozent.[51] Mit dem Bologna-Prozess entstand auch an italienischen Universitäten die Unterteilung in ein dreijähriges Bachelorstudium (laurea triennale oder laurea breve) mit nachfolgendem zweijährigem Masterstudiengang (laurea magistrale, vormals laurea specialistica). Jura wird als fünfjährige laurea magistrale angeboten. Was die Hochschuleinrichtungen angeht, kann man folgende Unterscheidungen treffen:

  • Università: Universitäten im klassischen Sinn;
  • Politecnici: Technische Universitäten;
  • Scuole superiori: Spitzenuniversitäten, die begabte Studierende fördern. Die bekannteste ist die Scuola Normale Superiore in Pisa, meist nur Normale genannt, die von Napoleon gegründet wurde;
  • Istituti di alta formazione artistica e musicale: Kunst- und Musikhochschulen, die keine eigentlichen Universitäten sind, aber zur höheren Bildung gehören;
  • Istruzione e formazione tecnica superiore: das höhere Berufsbildungswesen.

67 der 95 Universitäten[52] in Italien sind staatlich.[53] Bekannteste Privat-Universitäten sind die Bocconi in Mailand und die LUISS in Rom. Die Universität Bologna ist die älteste Hochschule der Welt, sie wurde im Jahr 1088 gegründet. Insgesamt sind 1.809.186 Studenten an italienischen Hochschulen eingeschrieben.[54] 1960/61 waren es nur 217.000. Die Universität La Sapienza in Rom ist mit nahezu 114.000 Studierenden eine der größten Universitäten Europas.

Relativ neu ist auch der Ausbau der Alten- und Volkshochschulen (università per la terza età).

Religionen

Die Kathedrale von Florenz gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Renaissance und ist heute Sitz des Erzbistums Florenz
Die Lateranbasilika ist die Bischofskirche und eine der vier Papstbasiliken Roms

Italien ist ein römisch-katholisch geprägtes Land, das eine hohe Dichte an römisch-katholischen Institutionen aufweist. Im Jahr 2000 bestanden 227 Diözesen, es amtierten 252 Bischöfe, davon 224 Orts- und 26 Weihbischöfe. Artikel 7 der Verfassung Italiens regelt das Verhältnis zwischen Staat und römisch-katholischer Kirche.[55] Die römisch-katholische Kirche in Italien ist traditionell einflussreich, was früher mit einer hohen Zahl an Priestern korrelierte. Neben 34.300 Diözesan- zählte man um das Jahr 2005 21.450 Ordenspriester.[56] Seit langem sinkt die Zahl der Priester. Lag sie 1871 noch bei 109.688[57] so sank sie allein zwischen 1991 und 2004 von 57.200 auf 51.600, die der Ordensmänner von 5.000 auf 3.500, die der Ordensfrauen von 125.800 auf 102.300.[58]

51 Millionen (85 Prozent) der in Italien lebenden Menschen bekannten sich 2008 zum römisch-katholischen Glauben. Die zweitgrößte christliche Glaubensgemeinschaft war demnach die Orthodoxe Kirche mit 1.187.130 Anhängern. Deren Anteil ist durch die Einwanderung von Rumänen deutlich gestiegen. Die drittgrößte christliche Religionsgemeinschaft stellen Jehovas Zeugen mit über 251.000[59] aktiven Mitgliedern und knapp 2900 Versammlungen (Gemeinden) dar[60]. Sie ist zugleich die größte Gemeinde Europas dieser christlichen Sondergemeinschaft.[61] Zu protestantischen Religionsgemeinschaften (u. a. Waldenser und Baptisten) fühlten sich circa 550.000 Menschen zugehörig.

In Italiens Hauptstadt Rom befindet sich die Enklave des Staates Vatikanstadt, die das Zentrum der römisch-katholischen Kirche ist. Der Papst ist zugleich dessen Staatsoberhaupt, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und der Bischof von Rom. Der Heilige Stuhl als nichtstaatliches, eigenständiges, vom Staat Vatikanstadt zu unterscheidendes Völkerrechtssubjekt vertritt den Zwergstaat auf internationaler Ebene.

Unter den Nichtchristen waren Muslime, zum großen Teil Einwanderer aus muslimischen Ländern, mit 1.293.704 die größte Glaubensgemeinschaft (siehe auch Islam in Italien). Zudem lebten in Italien 197.931 Buddhisten und 108.950 Hindus. Die Jüdische Gemeinschaft[62] zählt etwa 45.000, als unmittelbare Angehörige einer Gemeinde galten 2009 allerdings nur 24.400 Mitglieder.[63]

Vier Millionen Menschen bekannten sich 2008 zu keiner Konfession.[64]

Laut einer repräsentativen Umfrage des Eurobarometers glaubten im Jahr 2005 74 % der Menschen in Italien an Gott, 16 % glaubten an eine spirituelle Kraft. 6 % Prozent der Befragten glaubten weder an einen Gott noch an eine andere spirituelle Kraft, 3 % waren unentschlossen.[65][66]

Sprachen und Dialekte

Die italienische Sprache weltweit
  • Muttersprache
  • Verwaltungssprache
  • Zweit- oder Verkehrssprache
  • Italophone Minderheit
  • Neben der staatlichen Amtssprache Italienisch gibt es die regionalen Amtssprachen Deutsch und Ladinisch in Trentino-Südtirol, Französisch im Aostatal sowie Slowenisch in Friaul-Julisch Venetien.

    Darüber hinaus sieht ein staatliches Gesetz aus dem Jahr 1999[67] den Schutz folgender Minderheitensprachen vor:

    Bisher ist dieses Gesetz bis auf einige Ausnahmen nicht umgesetzt worden. Die Einrichtung von mehrsprachigen Ämtern, der muttersprachliche Schulunterricht und die Förderung von Radio- und Fernsehprogrammen, wie sie das Gesetz vorsieht, sind nicht verwirklicht worden. Nur in der Ortsnamensgebung sind einige Fortschritte gemacht worden: So tragen zahlreiche Verkehrsschilder im Friaul auch die furlanische Bezeichnung, während auf Sardinien neben dem italienischen gegebenenfalls auch der sardische Ortsname steht. In den Schulen des Friauls ist es zudem möglich, Unterricht in furlanischer Sprache zu nehmen.

    Fersentalerisch und Zimbrisch sind bairische Mundarten, die in einigen Sprachinseln in Nordostitalien verbreitet sind. Im Trentino werden sie als Minderheitensprachen geschützt. In einigen Alpentälern im Nordwesten wird der höchstalemannische Dialekt der Walser gesprochen, der in der autonomen Region Aostatal anerkannt ist und gefördert wird.

    Darüber hinaus werden in Italien zahlreiche Dialekte des Italienischen gesprochen. Diese können in drei große Dialektgruppen unterschieden werden:[68]

    Die Anerkennung der Dialekte als eigenständige Sprachen ist in der Sprachwissenschaft umstritten, ebenso in der Politik. Die Verkehrsbeschilderung einiger Gemeinden, besonders jener, die von der Lega Nord verwaltet sind, ist zum Beispiel um die mundartliche Bezeichnung des Ortes erweitert worden.

    Einwanderung

    Migrantengruppen ohne italienische Staatsangehörigkeit (2019) [69]
    Rang Staat Bevölkerung
    1. RumänienRumänien Rumänien 1.207.919
    2. AlbanienAlbanien Albanien 440.854
    3. MarokkoMarokko Marokko 432.458
    4. China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 305.089
    5. UkraineUkraine Ukraine 240.428
    6. PhilippinenPhilippinen Philippinen 169.137
    7. IndienIndien Indien 161.101
    8. BangladeschBangladesch Bangladesch 147.872
    9. AgyptenÄgypten Ägypten 136.113
    10. PakistanPakistan Pakistan 127.101

    Die Anzahl der in Italien wohnhaften Ausländer nimmt seit den 1990er Jahren konstant zu. Laut dem nationalen Statistikinstitut ISTAT waren zum 31. Dezember 2019 5.306.548 ausländische Staatsbürger in Italien wohnhaft, was 8,8 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht.

    Zudem leben in Italien rund 120.000 Roma, von denen 70.000 Staatsbürger sind.

    Die illegalen Einwanderer sind in der Statistik nicht berücksichtigt. Die OECD rechnet mit 500.000 bis 750.000, die Caritas geht davon aus, dass sich eine Million Ausländer ohne Aufenthaltsberechtigung im Land befinden.[70] Damit würden sich in Italien bis zu 6 Millionen Ausländer aufhalten.

    Die meisten Einwanderer sind im Norden und im Zentrum Italiens angesiedelt, dort machen sie einen Anteil von 10,1 Prozent bzw. 9,7 Prozent an der Bevölkerung aus. In den süditalienischen Regionen liegt der Ausländeranteil bei 2,9 Prozent.[71] Die Städte mit dem größten Anteil an Ausländern waren im Jahr 2009: Rom (242.725), Mailand (181.393), Turin (114.710), Genua (42.744), Florenz (40.898), Bologna (39.480), Verona (34.465), Brescia (31.512), Padua (25.596), Neapel (24.384), Reggio Emilia (24.401), Prato (24.153), Venedig (23.928) und Modena (22.857).[72] Die Zahl der Araber in Italien wird auf 692.201 beziffert.

    Italiener im Ausland

    Zwischen 1876 und 1915 war Italien von einer der größten Auswanderungswellen betroffen. Schätzungsweise 14 Millionen Bürger verließen das Land, um hauptsächlich in Amerika – in den Vereinigten Staaten als Arbeiter, in Argentinien und Brasilien als Landwirte – ihr Glück zu suchen. Bei einer Einwohnerzahl zur Jahrhundertwende von 33 Millionen entspricht dies fast einem Drittel der Bevölkerung. 1913 war das Jahr mit der höchsten aufgezeichneten Auswanderungszahl: Über 870.000 Italiener verließen ihre Heimat.[73]

    Die faschistische Diktatur versuchte der Auswanderung entgegenzuwirken, konnte aber nicht verhindern, dass weitere 2,6 Millionen Italiener das Land verließen. Vor allem Argentinien und Frankreich waren zwischen den Weltkriegen bevorzugte Auswanderungsländer, zumal die Vereinigten Staaten und Brasilien strengere Einwanderungsregeln eingeführt hatten.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete sich die Auswanderung zunehmend in Richtung europäischer Staaten. Viele, die vorübergehend als Gastarbeiter nach Belgien, Deutschland, Frankreich, in die Schweiz gegangen waren, ließen sich auf unbestimmte Zeit in ihren Gastländern nieder.

    Im konsularischen Personenregister sind nach wie vor 4.106.640 Auslandsitaliener registriert. Die folgende Tabelle weist jene Länder (außer Italien) aus, in denen die meisten italienischen Staatsbürger wohnhaft sind.

    Im Ausland wohnende italienische Staatsbürger dürfen bei den Parlamentswahlen in Italien wählen und sind durch zwölf Abgeordnete und sechs Senatoren vertreten. Zudem dürfen sie an den nationalen Volksabstimmungen teilnehmen.

    Staaten mit den meisten italienischen Staatsangehörigen
    Staat Einwohner­zahl
    ArgentinienArgentinien Argentinien 659.655
    DeutschlandDeutschland Deutschland 648.453
    SchweizSchweiz Schweiz 533.821
    FrankreichFrankreich Frankreich 343.197
    BrasilienBrasilien Brasilien 297.137
    BelgienBelgien Belgien 251.466
    Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 199.284
    Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 187.363
    VenezuelaVenezuela Venezuela 124.133
    AustralienAustralien Australien 122.863
    KanadaKanada Kanada 121.465
    SpanienSpanien Spanien 104.637
    UruguayUruguay Uruguay 90.231
    ChileChile Chile 48.966
    NiederlandeNiederlande Niederlande 32.730
    andere Staaten 341.239
    Staaten mit größter Anzahl an
    Italienischstämmigen
    Staat Italienisch­stämmig Anteil der Bevölkerung
    ArgentinienArgentinien Argentinien 25 Millionen ca. 60 Prozent[74][75]
    BrasilienBrasilien Brasilien 25 Millionen ca. 13–14 Prozent[76][77]
    Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 17,8 Millionen ca. 6 Prozent[78]
    FrankreichFrankreich Frankreich 3,5 Millionen ca. 5 Prozent[79]
    VenezuelaVenezuela Venezuela 1,7 Millionen ca. 6 Prozent[80]
    KanadaKanada Kanada 1,5 Millionen ca. 4,5 Prozent[81]
    UruguayUruguay Uruguay 1 Million ca. 29 Prozent[75]
    AustralienAustralien Australien 850.000 ca. 4 Prozent[82]
    ChileChile Chile 800.000 < 5 Prozent[75]
    DeutschlandDeutschland Deutschland 650.000 – 700.000 < 1 Prozent
    SchweizSchweiz Schweiz 550.000 – 700.000 ca. 8 Prozent
    PeruPeru Peru 500.000 ca. 3 Prozent[83]
    Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 300.000 – 500.000 < 1 Prozent
    BelgienBelgien Belgien 290.000 ca. 3 Prozent[84]
    Costa RicaCosta Rica Costa Rica 120.000 ca. 3 Prozent
    ParaguayParaguay Paraguay 100.000 ca. 1,5 Prozent
    Quelle: Italienisches Außenministerium[85]

    Ur- und Frühgeschichte

    Matera zählt mit den bereits in der Jungsteinzeit besiedelten Sassi zu den ältesten Städten der Welt [86]
    Chimäre von Arezzo, eines der bekanntesten Beispiele etruskischer Kunst (5. Jahrhundert v. Chr.)

    Die Geschichte Italiens im Sinne einer hominiden Besiedlung der Apennin-Halbinsel und der sie umgebenden Inseln lässt sich 1,3 bis 1,7 Millionen Jahre zurückverfolgen, wobei der moderne Mensch vor etwa 43.000 bis 45.000 Jahren in Italien auftrat und noch mehrere Jahrtausende neben dem Neandertaler lebte. Bis ins 6. Jahrtausend v. Chr. bildeten Jagd, Fischfang und Sammeln die Grundlagen der Existenz.

    Etwa 6100 v. Chr. brachten erste Gruppen von außerhalb der Halbinsel, wohl über See aus Südanatolien und dem Nahen Osten, die Landwirtschaft mit, die Jäger und Sammler verschwanden. Im 2. Jahrtausend setzte eine Entwicklung ein, die aus den Dörfern frühe stadtähnliche Siedlungen machte, und die Gesellschaften wiesen erstmals deutliche Spuren von Hierarchien auf.

    Die durch Schriftquellen belegte Geschichte Italiens beginnt erst nach der Besiedlung durch italische Völker. Neben ihnen erlebte die Kultur der Etrusker, deren Herkunft ungeklärt ist, um 600 v. Chr. ihre Blütezeit. Im 8. Jahrhundert v. Chr. hatte die griechische Kolonisation des süditalienischen Festlandes und Siziliens begonnen, an der Westküste der Insel siedelten Phönizier. Diese Kolonien gehörten später zu Karthago.

    Antike

    Kolosseum in Rom; erbaut 80 n. Chr.
    Das Römische Reich um 117 n. Chr.

    Schon in vorrömischer Zeit war Italien, vor allem Mittel- (Etrurien) und Süditalien (Magna Graecia), ein wichtiges europäisches Kulturzentrum. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. setzte die Expansion Roms ein, 146 v. Chr. wurden Korinth und Karthago zerstört, die Eroberung des Mittelmeerraums, später auch von Teilen Mittel- und Nordeuropas brachte kulturelle Einflüsse und Menschen aus dem gesamten Reich und den angrenzenden Gebieten nach Italien. Die Halbinsel bildete das Zentrum des Römischen Reiches und blieb es mit Einschränkungen bis zum Untergang Westroms um 476. Dabei verwandelte sich die agrarische Wirtschaftsbasis, die anfangs aus Bauern bestanden hatte, zu einem System weiträumiger Latifundien auf der Basis von Sklavenarbeit. Ein dichtes Straßennetz verband die expandierenden Städte, dank dessen der Warenaustausch, aber auch die Abhängigkeit von externen Gütern, wie Weizen und Olivenöl aus Nordafrika, anwuchsen.

    In der Spätantike erschienen neben der Sklaverei und den freien Bauern auf dem Land Formen der Bindung an den Boden, wie das Kolonat, wenngleich noch um 500 zwischen freien und unfreien Kolonen unterschieden wurde (Kolonenedikt des Anastasius). Im 4. Jahrhundert setzte sich das Christentum als Staatsreligion durch.

    Über Jahrhunderte war es schließlich der Mittelpunkt des Römischen Reiches. 41 v. Chr. wurde das italische Kernland, das zuvor bis zum Rubikon bei Rimini reichte, um die Provinz Gallia cisalpina erweitert. Sizilien und Sardinien (sowie Korsika) wurden erst im Zuge von Kaiser Diokletians Gebietsreform dem Mutterland Italien (Dioecesis Italiae) angegliedert.

    Mittelalter

    Eiserne Krone der Könige von Italien

    Nach dem Einfall der Goten und der Langobarden (410 bzw. 568) zersplitterte das Land in eine Reihe von Herrschaftsgebieten. Im 8. und 9. Jahrhundert, besonders unter Pippin und Karl dem Großen, dominierten die Franken, doch entwickelte sich unter den Nachfolgern Karls ein eigenes Königreich Italien. Seit Otto dem Großen gehörte Italien überwiegend zum Heiligen Römischen Reich (Reichsitalien), der Süden blieb dabei lange byzantinisch. Jedoch eroberten zunächst Araber ab dem Jahr 827 Sizilien und Teile Süditaliens.

    Im 11. Jahrhundert erfolgte über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten die normannische Eroberung Süditaliens. Durch den Aufschwung von Handel und Verkehr gewannen insbesondere die Städte Norditaliens im 11. Jahrhundert zunehmende Selbstständigkeit. Die Normannen und zahlreiche Städte Oberitaliens unterstützten während des Investiturstreits zwischen 1076 und 1122 den Papst.

    Mit dem Untergang der Dynastie der Staufer scheiterten 1268 deren Versuche, die schwindende Reichsgewalt in Italien zu erneuern, obwohl Heinrich VI. das unteritalienische Normannenreich durch Heirat gewonnen hatte. Den Süden beherrschte ab 1268 die französische Dynastie der Anjou. Der Norden zerfiel in eine Reihe von formal dem Heiligen Römischen Reich zugehörigen, im Übrigen jedoch selbstständigen Städten mit ihrem Umland.

    Renaissance

    Im Italien des späten 14. Jahrhunderts liegen die Anfänge der Renaissance; als Kernzeitraum gilt das 15. und 16. Jahrhundert. Das wesentliche Charakteristikum ist die Wiedergeburt antiken Geistes, der Humanismus war die prägende Geistesbewegung. Hinzu kam eine Neuorientierung in der Wissenschaft, wo das theozentrische Weltbild des Mittelalters durch eine stärker anthropozentrische Sicht der Dinge abgelöst wurde.

    Italien um 1494

    Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden Mächte mit enormem wirtschaftlichem und kulturellem Vorsprung. Dies galt vor allem für die selbstständigen Mächte Italiens, also das Herzogtum Mailand, die Republiken Venedig und Florenz, das Königreich Neapel und den Kirchenstaat, aber auch für die Höfe von Ferrara oder Mantua. Die Städte teilten sich in wechselnden Koalitionen politische Macht und Ressourcen der italienischen Halbinsel und boten relativ große politische Freiheit, die zu neuen wissenschaftlichen und künstlerischen Wegen anregten. Die großen Vermögen, die durch den Handel entstanden, machten es möglich, große öffentliche und private Kunstprojekte in Auftrag zu geben. Zudem erlebte die Entwicklung zur pragmatischen Schriftlichkeit bereits im frühen 13. Jahrhundert einen Aufschwung, der Schriftverkehr der Kaufleute vertiefte und verbreiterte die Literalität, so dass die Zahl der Alphabetisierten zunahm.

    Im 15. Jahrhundert gehörte Italien zu den am stärksten urbanisierten Regionen Europas.

    Neuzeit

    Der Niedergang Italiens begann unmittelbar nach der Entdeckung Amerikas, mit der Verlagerung des Handels in die Überseekolonien westeuropäischer Staaten, auch angesichts der osmanischen Kontrolle über das Mittelmeer. Politisch wurde Italien zum Spielball fremder Mächte. Im 16. Jahrhundert kämpften Frankreich und Spanien um die Vormachtstellung auf der Halbinsel. Die Schlacht bei Pavia (1525) besiegelte die Vorherrschaft Spaniens, das sich die unmittelbare Kontrolle Süditaliens und der Lombardei sichern konnte. 1797 wurde aus den Staaten der Cispadanischen Republik und der Transpadanischen Republik die Cisalpinische Republik gebildet, die bis 1805 bestand.

    1796 übernahmen französische Revolutionstruppen die Macht (Italienfeldzug). 1805 krönte sich Napoleon in Mailand zum König von Italien (Königreich Italien). Nach dem Ende seiner Herrschaft fiel Italien in den Einflussbereich des österreichischen Kaiserreiches. Vom 16. bis hinein ins 19. Jahrhundert stand der Großteil Italiens somit unter Fremdherrschaft.

    Giuseppe Garibaldi (links) trifft am 26. Oktober 1860 bei Teano auf König Vittorio Emanuele II.

    Die italienische Nationalbewegung im 19. Jahrhundert wird oft als Risorgimento bezeichnet. Unter Führung der Dynastie der Savoyer, Könige von Sardinien-Piemont, angetrieben durch die Freiwilligenverbände unter Giuseppe Garibaldi, gelang in drei Unabhängigkeitskriegen (1848 bis 1870) die Vereinigung Italiens. Am 17. März 1861 wurde Viktor Emanuel II. in Turin zum König Italiens ausgerufen (Königreich Italien). 1865 wechselte die Hauptstadt nach Florenz. 1866 kamen mit dem dritten Unabhängigkeitskrieg auch das bisher österreichische Venetien sowie das Friaul zum Königreich Italien.

    Bersaglieri erobern Rom und vollenden damit die Einigung Italiens im September 1870.

    Rom wurde im September 1870 eingenommen und 1871 zur Hauptstadt des Landes. Darüber hinaus versuchte Italien als Kolonialmacht Fuß zu fassen, am Horn von Afrika (Kolonie Eritrea ab 1890; Äthiopien) und in Libyen (siehe auch Italienische Kolonien). Viele andere europäische Mächte blickten damals auf eine lange Kolonialgeschichte zurück; Italien dagegen hatte (wie auch das Kaiserreich Deutschland) 1871 noch keine Kolonien.

    Alpini während des Guerra Bianca im Ersten Weltkrieg, 1915
    Das faschistische Italien mit seinen Kolonien in Europa und Afrika (1939)

    Italien trat – obwohl Mitglied des Dreibunds (mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn) – 1915 der Triple Entente bei. Nachdem die Entente im Londoner Geheimvertrag territoriale Zugewinne zusagte (siehe Italiens Kriegsziele), konnte das Königreich auf der Seite der Siegermächte Julisch Venetien, Istrien, das Trentino sowie das deutschsprachige Südtirol annektieren.

    Im Oktober 1922 übernahmen Benito Mussolini und seine Gefolgsleute (Fascisti) nach dem Marsch auf Rom die Macht. Schritt für Schritt wandelte Mussolini das Königreich in einen totalitären Staat um und setzte sich selbst als Duce (Führer) an die Spitze des Staates. Am 3. Oktober 1935 überfiel Italien das Kaiserreich Abessinien (heute Äthiopien) und annektierte das Land. Diese völkerrechtswidrige Besetzung war Teil von Mussolinis erklärtem Ziel, das antike Römische Reich wieder aufleben zu lassen. Durch verschiedene Abkommen verbündete Mussolini sich mit dem Deutschen Reich und Adolf Hitler, (z. B. im sogen. Stahlpakt, Mai 1939). Schließlich trat Italien im Juni 1940 auf der Seite Deutschlands und Japans (Achse Berlin-Rom-Tokio) in den Zweiten Weltkrieg ein.

    Britische Soldaten bei Calvi Risorta während des Italienfeldzuges, 1943

    Am 10. Juli 1943 begann der Italienfeldzug der Westalliierten; unter dem Eindruck schwerer Niederlagen wurde Mussolini vom Faschistischen Großrat am 25. Juli 1943 mit einfacher Mehrheit abgesetzt und gefangen genommen. König Viktor Emanuel III. übernahm den Oberbefehl über die Streitkräfte und beauftragte Marschall Pietro Badoglio, eine Militärregierung zu bilden. Badoglio erklärte die faschistische Partei und ihre Gliederungen per Gesetz für aufgelöst. Am 8. September schloss die Regierung Badoglio mit den Alliierten den Waffenstillstand von Cassibile. Italien trat aus dem Dreimächtepakt aus. Der Krieg hatte Italien seit 1940 etwa 198.500 Menschenleben gekostet.[87]

    Der folgende Einmarsch der deutschen Wehrmacht („Fall Achse“) stieß auf den Widerstand der Resistenza. Das Deutsche Reich versuchte, die Schwarzhemden wieder an die Macht zu bringen, und ließ dazu Mussolini am 12. September 1943 im Unternehmen Eiche befreien. Norditalien wurde bis nach Rom von deutschen Truppen besetzt und in diesem Gebiet eine Regierung unter Mussolini eingesetzt, die die Italienische Sozialrepublik (Republik von Salò) proklamierte. Diese Parallelregierung blieb mit Deutschland verbündet, erklärte ihrerseits dem von den Alliierten besetzten Teil Italiens den Krieg und führte in Norditalien Krieg gegen italienische Partisanen.

    In der Folge wurde vor allem Mittelitalien durch schwere Kämpfe entlang der vorrückenden Front verwüstet. Die Zivilbevölkerung wurde Ziel deutscher Repressalien (→ Deutsche Kriegsverbrechen in Italien). Daraufhin erklärte die Regierung Badoglio Deutschland am 13. Oktober 1943 den Krieg, der sich die letzten 18 Monate bis zum Ende des Krieges hinzog. Als sich die deutschen Verbände im Juni 1944 bis zur Gotenlinie im Apennin zurückzogen und italienische Partisanen ihre Überfälle auf deutsche Soldaten verstärkten, kam es zu weiteren Massakern an der Zivilbevölkerung (z. B. dem Massaker von Sant'Anna di Stazzema, dem Massaker von Marzabotto) und weiteren schweren Kriegsverbrechen durch die deutschen Besatzer und Truppen der faschistischen Sozialrepublik. Am 29. April bzw. 2. Mai 1945 kapitulierte die Heeresgruppe C vor den Westalliierten.

    Gedenkfeier am 29. Mai 1967 zum 10. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge

    Nach Kriegsende verlor Italien die eigenen Kolonien – eine Ausnahme bildete Italienisch-Somaliland insofern, als die Verwaltungskontrolle dieser ehemaligen Kolonie 1950 von der UNO noch einmal für zehn Jahre an Italien gegeben wurde. Das italienische Mutterland blieb von größeren Gebietsabtretungen verschont (abgetreten wurden der Großteil von Julisch Venetien an Jugoslawien bzw. das heutige Slowenien und Kroatien, der italienische Dodekanes an Griechenland, die Gemeinden Tende und La Brigue an Frankreich).

    Eine verfassunggebende Versammlung beschloss die neue Costituzione della Repubblica Italiana am 22. Dezember 1947. Diese Verfassung trat zum 1. Januar 1948 in Kraft.

    Die Nachkriegsgeschichte Italiens zeichnet sich innenpolitisch durch häufige Regierungswechsel, allerdings bis 1990 vier Jahrzehnte unter Führung oder Hauptbeteiligung der Democrazia Cristiana (Christdemokraten), außenpolitisch durch die Gründungsmitgliedschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und wirtschaftlich durch das Wirtschaftswunder (miracolo economico) aus. Nach Jahrzehnten hoher Inflation (die Lira, Italiens frühere Währung, verlor einen Großteil ihres Wertes) wurde in den 1990er Jahren die Neuverschuldung deutlich gebremst, um die Maastricht-Kriterien zu erfüllen und den Euro als Währung einführen zu können.

    Anfang der 1990er Jahre wurde die politische Elite des Landes vom Korruptionsskandal Tangentopoli und den Aufklärungsmaßnahmen der juristischen Untersuchungen der Mani pulite ausgetauscht.

    Von etwa 1994 bis Ende 2011 wurde die Politik Italiens von Parteienbündnissen um Silvio Berlusconi sowie wechselnden Mitte-links-Koalitionen bestimmt. 2011 wurde Mario Monti sein Nachfolger, insbesondere infolge der seit 2009 schwelenden Eurokrise und der als zu hoch kritisierten Staatsverschuldung Italiens, und bildete ein Kabinett von parteilosen Fachleuten (Kabinett Monti). Ihm folgte das Kabinett Letta (28. April 2013 bis zum 22. Februar 2014) und diesem das Kabinett Renzi unter Matteo Renzi.[88]

    Eine von Renzi angestrebte Verfassungsänderung wurde am 4. Dezember 2016 durch das Volk in einem Referendum abgelehnt, infolgedessen trat Renzi zurück. Neuer Ministerpräsident wurde Paolo Gentiloni.[89] Nach den Wahlen 2018 wurde eine Koalitionsregierung der Parteien Movimento 5 Stelle und Lega Nord unter dem parteilosen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte gebildet, die am 1. Juni 2018 ihr Amt antrat. Nachdem die Lega Nord aus der Koalition ausschied, bildete Conte sein Kabinett um, das neben dem MoVimento 5 Stelle von Partito Democratico, Liberi e Uguali, Italia Viva und dem Movimento Associativo Italiani all’Estero unterstützt wurde. Im Januar 2021 verließ Italia Viva das Regierungsbündnis und Conte erklärte seinen Rücktritt.

    Staatspräsident Sergio Mattarella sprach sich gegen Neuwahlen während der COVID-19-Pandemie aus, von der Italien seit Januar 2020 betroffen ist, und beauftragte Mario Draghi, den früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank und früheren Gouverneur der italienischen Zentralbank, eine Regierung zu bilden, die am 13. Februar 2021 vereidigt wurde. Diese Regierung der nationalen Einheit wird insbesondere von den Parteien Movimento 5 Stelle, Partito Democratico, Lega und Forza Italia getragen.

    Staatsgründung

    Alcide De Gasperi, erster Ministerpräsident der Italienischen Republik und einer der Gründerväter der Europäischen Union

    Am 2. Juni 1946 wurden die Italiener zum Referendum über die Staatsform und zu den Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung aufgerufen.

    Wahlberechtigt waren 28.005.449 italienische Bürger, von denen 24.946.878 zur Wahl gingen, was 89,1 % der Wahlberechtigten entsprach. Zum ersten Mal durften auch Frauen wählen.[90] Das amtliche Ergebnis wurde am 18. Juni 1946 vom Kassationsgerichtshof verkündet: 54,27 % der Stimmen für die Republik, 45,73 % für die Monarchie, sowie 1.509.735 ungültig Stimmen (davon 1.146.729 leere Stimmzettel).[91]

    Hinsichtlich der regionalen Mehrheitsverhältnisse war Italien praktisch in zwei Lager gespalten: Im Norden hatte die Republik mit 66,2 % gewonnen, im Süden dagegen kam die Monarchie auf 63,8 %.

    Politisches System

    Italien ist seit 1946 eine parlamentarische Republik. Die italienische Verfassung,[92] Originalbezeichnung La Costituzione della Repubblica Italiana, wurde am 22. Dezember 1947 beschlossen, trat am 1. Januar 1948 in Kraft und ist geprägt durch einen Kompromisscharakter, der aus der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte herrührt: Aus der Erfahrung des gemeinsamen Widerstandskampfes gegen den Faschismus (Resistenza) entschlossen sich die im „Nationalen Befreiungskomitee“ zusammengeschlossenen antifaschistischen (liberale, sozialistische, kommunistische und katholisch geprägte) Parteien, gemeinsam die neue Verfassung auszuarbeiten.

    Besonderheiten der italienischen Verfassung sind die zentrale Rolle, die dem Parlament (Zweikammersystem, bicameralismo perfetto) zugestanden wird, die vergleichsweise geringen formalen Einflussmöglichkeiten des Ministerpräsidenten, die starke Betonung plebiszitärer Elemente (Verfassungsänderungen müssen eventuell durch Referendum bestätigt werden, außerdem besteht für die Bürger die Möglichkeit, von Volksabstimmungen und Gesetzesinitiative Gebrauch zu machen), der mächtige Verfassungsgerichtshof und die Dezentralisierung im Zuge von Reformen in den 1990er und Anfang der 2000er Jahre.

    Italien ist Mitglied in mehreren überstaatlichen Organisationen. Mit dem 4. April 1949 erfolgte der Beitritt zur NATO. Seit dem 14. Dezember 1955 gehört Italien den Vereinten Nationen an. Zudem ist das Land Gründungsmitglied der Europäischen Union am 1. Januar 1952.

    Im Demokratieindex 2020 der britischen Zeitschrift The Economist belegt Italien Platz 29 von 167 Ländern und gilt als eine „unvollständige Demokratie“.[93]

    Exekutive

    Palazzo Chigi in Rom, Amtssitz des Ministerpräsidenten der Italienischen Republik
    Amtierender italienischer Ministerpräsident Mario Draghi

    Offiziell heißt die Regierung Ministerrat (italienisch: consiglio dei ministri oder einfach nur consiglio), der Ministerpräsident firmiert als Präsident des Ministerrats, auf Italienisch also presidente del consiglio (dei ministri). Spricht man nur vom „Präsidenten“, kann damit also sowohl der Staatspräsident als auch der Ministerpräsident gemeint sein.

    Die Minister sind gemeinsam für die Handlungen des Ministerrates und einzeln für die Handlungen ihres Geschäftsbereiches verantwortlich. Die Minister werden auf Vorschlag des Ministerpräsidenten vom Staatspräsidenten ernannt. Der Ministerpräsident hat nicht die Befugnis, Minister selbständig zu ernennen oder zu entlassen.

    Der Ministerpräsident bestimmt die allgemeine Politik der Regierung und übernimmt dafür die Verantwortung. Er wahrt die Einheitlichkeit der Ausrichtung in Politik und Verwaltung, indem er die Tätigkeit der Minister fördert und koordiniert. Wegen der Abhängigkeit von den oft instabilen politischen Mehrheitsverhältnissen wird der Ministerpräsident als „Vorsitzender des Ministerrates“ oft nur als primus inter pares betrachtet.

    Als Kollegialorgan nimmt der Ministerrat im italienischen Verfassungssystem hingegen eine herausragende Rolle insbesondere im Gesetzgebungsprozess ein:

    • er bereitet Gesetzentwürfe vor,
    • er erlässt Gesetzesdekrete, die anschließend vom Parlament in Gesetze umgewandelt werden müssen, damit die Gesetzesdekrete ihre Wirksamkeit behalten,
    • er wird durch Ermächtigungsgesetze vom Parlament mit der Ausarbeitung von Gesetzen innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen beauftragt und kann insoweit sog. Gesetzesvertretende Dekrete erlassen.

    Der Amtssitz des italienischen Ministerpräsidenten ist der Palazzo Chigi in Rom. Dort unterstützt ihn das Ministerratspräsidium. Amtierender Ministerpräsident von Italien ist seit dem 13. Februar 2021 Mario Draghi.

    Legislative

    Abgeordnetenkammer ( Camera dei deputati) im Palazzo Montecitorio
    Palazzo Madama in Rom, Sitz des italienischen Senats

    Das italienische Parlament besteht aus zwei Kammern: dem Senat (Senato della Repubblica) und der Abgeordnetenkammer (Camera dei deputati). Beide Kammern sind im Gesetzgebungsverfahren absolut gleichberechtigt und unterscheiden sich nur hinsichtlich Anzahl, Zusammensetzung und Wahlmodus ihrer Mitglieder. Beide Kammern tagen unabhängig voneinander. In jeder Kammer gibt es ständige Ausschüsse und Sonderkommissionen, die ebenfalls unabhängig voneinander sind.

    Die Abgeordnetenkammer ist die größere Parlamentskammer, deren 630 Abgeordnete (darunter 12 Vertreter der Auslandsitaliener) alle fünf Jahre gewählt werden.

    Dem Senat der Republik gehören 315 Senatoren an. Sie werden ebenfalls (gleichzeitig mit den Abgeordneten) auf fünf Jahre gewählt, allerdings nicht auf nationaler Ebene, sondern auf regionaler Basis. Jede der 20 Regionen stellt eine festgelegte Anzahl an Senatoren, die je nach Bevölkerungszahl in der Region variiert.

    Hinzu kommen maximal fünf vom Staatspräsidenten ernannte Senatoren auf Lebenszeit. Zudem sind auch die Staatspräsidenten nach dem Ende ihrer Amtszeit von Rechts wegen Senatoren auf Lebenszeit. Zurzeit (Dezember 2020) sitzen im Parlament sechs Senatoren auf Lebenszeit, davon fünf vom Staatspräsidenten ernannte Senatoren und ein ehemaliger Staatspräsident.

    Infolge einer Verfassungsreform, die bei einer Volksabstimmung 2020 angenommen wurde, wird das Parlament ab der nächsten Legislaturperiode verkleinert (auf 400 Abgeordnete und 200 gewählte Senatoren).

    Staatsoberhaupt

    Quirinalspalast in Rom, Amtssitz des Präsidenten der Italienischen Republik
    Amtierender italienischer Staatspräsident Sergio Mattarella

    Staatsoberhaupt ist in Italien der Staatspräsident (eigentlich: Präsident der Republik, italienisch: Presidente della Repubblica). Laut Verfassungsnorm nimmt er vorwiegend repräsentative Funktionen wahr, beteiligt sich an der Regierungsbildung und ist Oberbefehlshaber über die Streitkräfte. In der Verfassungswirklichkeit kommt ihm nicht selten eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung von Regierungskrisen zu, die in der Italienischen Republik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich häufiger waren als in anderen europäischen Ländern.

    Seine wichtigste Befugnis ist die Auflösung des Parlaments (einer Kammer oder beider). Er darf diese aber in den letzten sechs Monaten seines Mandats nicht ausüben, es sei denn, sie stimmen mit den letzten sechs Monaten der Legislaturperiode zur Gänze oder zum Teil überein.

    Eine weitere wichtige Funktion steht ihm in Zusammenhang mit der Gesetzgebung vor. Da jedes Gesetz vor seiner Verkündung die Unterzeichnung des Staatspräsidenten benötigt, kann er zumindest vorläufig dessen Inkrafttreten verhindern. Wenn das Parlament das Gesetz nämlich erneut billigt, zwingt ihn die italienische Verfassung, dieses zu unterzeichnen. Ein echtes Veto-Recht besitzt er also nicht.

    Der Staatspräsident wird von den vereinigten Kammern des Parlaments (parlamento in seduta comune) und Vertretern der 20 Regionen gewählt: drei pro Region, mit Ausnahme des Aostatals, das nur einen Vertreter entsenden darf. Die Wahl des Präsidenten findet durch geheime Abstimmung mit Zweidrittelmehrheit der Versammlung statt. Nach dem dritten Wahlgang genügt die absolute Mehrheit. Gewählt werden kann jeder Staatsbürger, der das 50. Lebensjahr vollendet hat. Der Amtssitz des Staatspräsidenten ist der Quirinalspalast in Rom. Amtierender Präsident der Italienischen Republik ist seit dem 3. Februar 2015 Sergio Mattarella.

    Recht

    Römischer Justizpalast, Sitz des Kassationsgerichtshofs

    Das italienische Rechtssystem wird dem römisch-germanischen Rechtskreis zugeordnet und kann auf eine über das Mittelalter bis ins römische Recht zurückreichende Geschichte zurückblicken.

    Die wichtigsten Rechtsquellen neben der italienischen Verfassung (Costituzione della Repubblica Italiana, 1948) sind das Zivilgesetzbuch (Codice civile, 1942), die Zivilprozessordnung (Codice di Procedura Civile, 1940), das Strafgesetzbuch (Codice penale, 1930) und die Strafprozessordnung (Codice di Procedura Penale, 1988).[94] Daneben bestehen zahlreiche Kodifizierungen (Codici) und Einheitstexte (Testi Unici) in einzelnen Rechtsbereichen (vom Arbeitsrecht bis zum Verwaltungsrecht).[95]

    Höchstes Organ der ordentlichen Gerichtsbarkeit in Italien ist der Kassationsgerichtshof (Corte Suprema di Cassazione), für die Verfassungsgerichtsbarkeit ist der Verfassungsgerichtshof (Corte Costituzionale) zuständig.