Kunrei-System

Das Kunrei-System (jap. 訓令式, kunrei-shiki, deutsch „Verordnungssystem“) ist ein Transkriptionssystem für die japanische Schrift, das 1937 durch die japanische Regierung angeordnet wurde. Ein anderer Name ist Mombushō-System (文部省式, Mombushō-shiki, von Mombu-shō, dt. Bildungsministerium), weil es in den Grundschulbüchern des Bildungsministeriums angewandt wird. Eine revidierte Fassung wurde im Jahr 1954 erlassen. Das Kunrei-System ist eine modifizierte Version des Nippon-Systems und sollte dazu beitragen, die Schreibung mit lateinischen Zeichen zu standardisieren. Das System unterlegt teilweise einigen Buchstaben (s, t, d, h, z) Lautwerte, die sich aus der japanischen Systematik ergeben, die sie aber sonst nirgendwo haben. Es wurde 1989 von der Internationalen Organisation für Normung als ISO 3602 standardisiert.

Japanische Schulkinder lernen zuerst das Kunrei-System und dann das Hepburn-System.


Die alternative Schreibung darf (gemäß der Order) dort angewendet werden, wo sich diese Schreibung im Ausland eingebürgert hat, also i. d. R. nach dem Hepburn-System.

  • shi
    • しゃ, しゅ, しょsha, shu, sho
  • tsu
  • chi
    • ちゃ, ちゅ, ちょcha, chu, cho
  • fu
  • ji
    • じゃ, じゅ, じょja, ju, jo
  • , di, du
    • ぢゃ, ぢゅ, ぢょdya, dyu, dyo
  • kwa
  • gwa
  • wo

Lange Vokale werden mit einem Makron (¯) gekennzeichnet. Aufgrund des fehlenden Makrons in manchen Tastaturbelegungen, in denen es auch nicht mit bestimmten Tastenkombinationen erzeugt werden kann, wird oft ein Zirkumflex (^) verwendet. (Die deutsche Standard-Tastaturbelegung T2 enthält das Makron als Tottaste AltGr+T und ermöglicht somit die korrekte Anwendung des Kunrei-Systems.)

Mit folgenden Vokalkombinationen werden innerhalb eines Wortes lange Vokale dargestellt:

A + A

  • お婆さん おばあさん: o + ba + a + sa + n = obāsan – Oma

I + I

  • 新潟 にいがた: ni + i + ga + ta = NīgataNiigata
  • 美味しい おいしい: o + i + si + i = oisī – wohlschmeckend
  • お爺さん おじいさん: o + zi + i + sa + n = ozīsan – Opa

U + U

  • 数学 すうがく: su + u + ga + ku = sūgakuMathematik
  • 注意 ちゅうい: tyu + u + i = tyūi – Vorsicht

E + I

Bei sinojapanischen Wörtern (onyomi) wird e + i zu einem langen ē:

  • 学生 がくせい: ga + ku + se + i = gakusēSchüler
  • 経験 けいけん ke + i + ke + n = kēken – Erfahrung
  • 制服 せいふく: se + i + hu + ku = sēhukuUniform

Bei Wörtern japanischen Ursprungs erfolgt keine Zusammenziehung:

  • めい: me + i = mei – Nichte
  • 招いて まねいて: ma + ne + i + te = maneite – rufen und dann

E + E

  • お姉さん おねえさん: o + ne + e + sa + n = onēsan – (ältere) Schwester

O + U

  • 学校 がっこう: ga + (t) + ko + u = gakkōSchule
  • 東京 とうきょう: to + u + kyo + u = TōkyōTokio
  • 勉強 べんきょう: be + n + kyo + u = benkyō – lernen
  • 電報 でんぽう: de + n + po + u = denpōTelegramm
  • 金曜日 きんようび: ki + n + yo + u + bi = kin'yōbi – (Wochentag der Venus) Freitag

O + O

  • 大船 おおふな: o + o + hu + na = ŌhunaŌfuna
  • 遠回り とおまわり: to + o + ma + wa + ri = tōmawari – Umweg

Bei Großbuchstaben dürfen auch die Vokale aneinandergereiht werden:

  • 大阪 おおさか: o + o + sa + ka = Ōsaka oder OosakaOsaka

End-n (ん)

Das End-n ん (Katakana: ン) wird immer als n geschrieben.

  • 音楽 おんがく: ongakuMusik
  • 勉強 べんきょう: benkyô – lernen
  • 新聞 しんぶん: sinbunZeitung
  • 電報 でんぽう: denpôTelegramm

Kommt ein Vokal oder y-Laut nach einem n, wird ein Apostroph gesetzt, um Doppeldeutigkeiten zu vermeiden.

  • 金曜日 きんようび: kin'yôbiFreitag
  • 慎一 しんいち: Sin'iti – Shin’ichi (Name)
  • 四日 しにち: siniti – vier Tage

Kleines tsu (っ)

Der Stopflaut, der durch das kleine tsu っ (Katakana: ッ) angezeigt wird, wird mit einer Konsonantenverdopplung geschrieben:

  • 学校 がっこう: gakkôSchule
  • 日本 にっぽん: NipponJapan (altertümliche Aussprache; 日本 wird in der Regel にほん (Nihon) gelesen)
  • 仰る おっしゃる: ossyaru – sagen (höflich)
  • 一致 いっち: itti – Übereinstimmung

Großschreibung

Am Satzanfang und bei Eigennamen wird großgeschrieben. Substantive dürfen großgeschrieben werden.

  • 私は学校に行きます わたしはがっこうにいきます: Watasi wa gakkō/Gakkō ni ikimasu. – Ich gehe (jetzt) zur Schule.
  • ここは横浜です ここはよこはまです: Koko wa Yokohama desu. – Hier ist Yokohama.

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