Rudolf Virchow

Porträt von Rudolf Virchow, Lithographie von Georg Engelbach († 1894)

Rudolf Ludwig Carl Virchow (Aussprache seines Nachnamens: [ˈfɪrço][1]), auch Rudolph(us) Virchow (* 13. Oktober 1821 in Schivelbein, Pommern; † 5. September 1902 in Berlin)[2], war ein deutscher Arzt, Pathologe, Pathologischer Anatom, Anthropologe, Prähistoriker und Politiker. In Würzburg und Berlin erlangte er Weltruf. Er begründete mit der Zellularpathologie und seinen Forschungen zur Thrombose die moderne Pathologie und vertrat eine sowohl naturwissenschaftlich als auch sozial orientierte Medizin. Er war Geheimer Medizinalrat. Als liberaler Politiker und Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei und der Deutschen Freisinnigen Partei stand er in höchstem Ansehen. Er gilt als Begründer der modernen Sozialhygiene.

Kindheit und Jugend

Virchows Geburtshaus in Schivelbein

Rudolf (bzw. Rudolph) Ludwig Carl Virchow war das einzige Kind des gelernten Kaufmanns Carl Christian Siegfried Virchow (1785–1864), ein ab 1828 als landwirtschaftlicher Kämmerer[3] in Schivelbein tätiger und später eine 50 Morgen große Landwirtschaft betreibender Fleischermeistersohn, und dessen aus Belgard (Landkreis Belgard)[4] stammender Ehefrau Johanna Maria geb. Hesse (1785–1857), einer Schwester des Baurates Ludwig Ferdinand Hesse.

Rudolf Virchow war als Kind häufig krank. Er ging ab 1828 in die Stadtschule Schivelbein und erhielt zusätzlich bei Geistlichen fremdsprachlichen Unterricht. Ab Mai 1835 besuchte er das Gymnasium in Köslin, wo er im Frühjahr 1839 seine Reifeprüfung bestand.[5]

Studium

Vom 26. Oktober 1839 bis zum 1. April 1843[6] studierte Virchow, dessen finanzielle Verhältnisse kein Studium an einer Universität zuließen, Medizin am Medicinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelm-Institut (der militärärztlichen Akademie „Pepinière“) in Berlin. Anschließend wurde er als Unterarzt der Chirurgie an der Charité klinisch tätig und führte unter anderem chemische und mikroskopische Forschungsarbeiten durch. Mit einer pathologischen Doktorarbeit bei Johannes Müller wurde er im Oktober 1843 von der Friedrich-Wilhelms-Universität zum Dr. med. promoviert.Anm.:[7] Anschließend setzte Virchow eine begonnene militärärztliche Ausbildung fort und arbeitete danach als Assistent von Robert Froriep in der Prosektur der Charité. Am 3. Mai 1845 hielt er als ehemaliger Pfeifhahn seine erste öffentliche Rede zum 50. Gründungstag der Pépinière. In dieser Rede (Über das Bedürfnis und die Richtigkeit einer Medizin vom mechanischen Standpunkt) bezeichnete er das allgemeinen physikalischen und chemischen Gesetzen unterliegende Leben im Wesentlichen als Aktivität der Zelle und erläuterte auch seine Vorstellungen zur Entstehung von Venenentzündungen, womit er bei der Zuhörerschaft erheblichen Widerspruch bewirkte. 1845 beschrieb er Weißes Blut bei Blutkrebs, dessen Namen Leukämie er ab 1847 prägte. (Auch die Bezeichnungen Thrombose und Embolie gehen auf Virchow zurück.) Seine Staatsexamina bestand er von Herbst 1845 bis Frühjahr 1846.[8]

Erste Tätigkeit in Berlin

Gedenktafel am ehemaligen Wohnort, Schellingstraße, in Berlin-Tiergarten

Im Mai 1846 erhielt Virchow, der als 24-Jähriger bereits Privatvorlesungen hielt, die freigewordene Stelle des Prosektors an der Charité. Nachdem er auf eigenen Wunsch aus dem militärärztlichen Dienst ausgeschieden war, habilitierte sich Virchow im November 1847, wurde (statt nach den üblichen drei Jahren nach dem Staatsexamen) sofort danach Privatdozent[9] und begann, auch um seine Ansichten in Form einer Zeitschrift zu verbreiten, mit seinem Freund Benno Reinhardt das Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medicin herauszugeben, das bis heute, inzwischen als Virchows Archiv, in über 450 Bänden erschienen ist.

Im Jahr 1848 war Virchow durch Teilnahme am Barrikadenbau in die Märzrevolution verwickelt, überwarf sich aber auch durch seine Sozialanalyse der Fleckfieber-Epidemie in Oberschlesien, wo er bis zum 10. März tätig war, mit der Preußischen Regierung,[10] deren Politik er als ursächlich für die schlechten hygienischen und sozialen Verhältnisse ansah.[11] Dadurch wurde seine Stellung in Berlin unhaltbar und er verlor im März 1849 schließlich seine Wohnung sowie die Stelle als Prosektor. Mehrere Universitäten, darunter die ETH Zürich, boten ihm einen Lehrstuhl an.

Professur in Würzburg

Rudolf Virchow im Kreise seiner Würzburger Kollegen 1850; stehend von links: Virchow, Albert von Koelliker; sitzend von links: Joseph von Scherer, Franz Kiwisch von Rotterau, Franz von Rinecker
Pathologisch-anatomisches Institut im Gartenpavillon des Würzburger Juliusspitals zur Zeit Virchows

Rudolf Carl Virchow nahm zum Wintersemester 1849 den Ruf der Julius-Maximilians-Universität Würzburg als Nachfolger des verstorbenen Bernhard Mohr an. Am 15. November 1849 übernahm Virchow als ordentlicher Professor dort den Lehrstuhl für Pathologische Anatomie. Dem Ministerium hatte er zuvor versichert, sich von der „politischen Arena“ zurückzuziehen, und der Medizinischen Fakultät Würzburgs erklärte er, dass er „bei sich etwa ergebender Gelegenheit nicht auch Würzburg zu dem Tummelplatz seiner früheren kundgebenden radikalen Tendenzen machen würde“.[12] Er begann seine Würzburger Tätigkeit, wo es vor Virchow noch kein wissenschaftliche Forschung betreibendes eigenständiges pathologisches Institut gab, am 30. November, und ab dem 1. Dezember 1849 las er Allgemeine Pathologie[13] und Pathologische Anatomie sowie Geschichte der Medizin.[14][15] Das neue Institut wurde im seit 1727 als Theatrum anatomicum dienenden Gartenpavillon des Juliusspitals untergebracht, wo Virchow direkt neben dem Anatomen Kölliker arbeitete.[16] Im Hinblick auf die medizinischen Publikationen war Würzburg Virchows produktivste Zeit. Er befasste sich unter anderem mit Thrombosen und Zellen.[17][18]

Rose und Rudolf Virchow, 1851

Am 14. August 1850 heiratete er in der St. Petri-Kirche zu Berlin Ferdinande Amalie Rosalie Mayer (geboren 29. Februar 1832; gestorben 21. Februar 1913), die Rose Mayer (von Virchow Röschen) genannte Tochter des Geheimen Sanitätsrats Karl Wilhelm Mayer, mit der Virchow sich noch in Berlin verlobt hatte.[19] In Würzburg entwickelte Virchow seine Lehre von der Zellularpathologie, die er zunächst in einem Aufsatz formulierte.[20] In den Jahren 1852 und 1855 erfolgte Rufe an die Universität Zürich lehnte Virchow ab. Zahlreiche Studenten aus vielen Ländern kamen an das von Virchow neugeschaffene Institut. Zu seinen Schülern gehörte etwa der Zoologe Ernst Haeckel.[21] Zur Erforschung zum seinerzeit in den Dörfern Frankens häufig anzutreffenden Phänomen des Kretinismus untersuchte er zahlreiche Schädel unterfränkischer Verstorbener und publizierte darüber ab 1851.

Professur in Berlin

Auf Antrag der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität und bestätigt vom preußischen Kulturminister Karl Otto von Raumer wurde Rudolf Virchow 1856 als Professor der Pathologie und Therapie nach Berlin berufen. Im selben Jahr übernahm er das neu geschaffene Ordinariat für Pathologie auf dem Gelände der Charité sowie seine alte Stellung als Prosektor an der Charité. Für Virchow wurde zudem ein eigenes Institutsgebäude eingerichtet, das erste Pathologische Institut Deutschlands. Am Charité-Krankenhaus war Virchow vom 15. Oktober 1856 bis zum 1. Mai 1873 auch dirigierender Arzt der Abteilung für kranke Gefangene.[22] Ebenfalls 1856 veröffentlichte er seine Erkenntnisse über die Thrombose im Rahmen seiner Gesammelten Abhandlungen zur Wissenschaftlichen Medicin.[23] Diese Arbeit beeinflusste das Denken über Bluterkrankungen und deren Entstehung. Die Faktoren bei der Entstehung einer Thrombose wurden später als Virchow-Trias bekannt.

Im Jahr 1858 erschien sein Buch Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre. Die darin in 20 Vorlesungen der Monate Februar bis April 1858 dargestellte Theorie besagt, dass Krankheiten auf Störungen der Körperzellen basieren. Dies leitete er aus seinen vor allem in Würzburg durchgeführten Untersuchungen ab, die ergaben, dass alle (pflanzlichen, tierischen und menschlichen) Zellen aus anderen Zellen und nicht, wie zuvor angenommen, aus einem unförmigen Urschleim (Blastem) entstehen.[24][25] Der bekannte Grundsatz von Virchows Zelltheorie lautet seit 1855 „Omnis cellula e cellula“, übersetzt „Jede Zelle [entsteht] aus einer Zelle“.[26]

Rudolf Virchow, porträtiert von Hanns Fechner (1891)

Das von Virchow erkannte Prinzip der Thromboseursache und die Theorie der Zellularpathologie waren entscheidend für die Ablösung der zuvor in der Medizin angewandten Krasenlehre, welche Krankheiten auf eine ungleichmäßige Mischung der Körpersäfte zurückführt, und damit der seit der Antike bestehenden Humoralpathologie, welche schädliche Mischungen der Körpersäfte als Krankheitsursache ansah, durch eine moderne, naturwissenschaftlich begründete Pathologie und Pathophysiologie.[27][28][29]

Virchow arbeitete auch als Medizinhistoriker. Zudem war er als Publizist aktiv und gab mehrere Zeitschriften heraus. Bis zu seinem Tod besuchte er regelmäßig das aufstrebende Solbad Dürkheim zur Traubenkur und war mit dem dortigen Bezirksarzt Veit Kaufmann freundschaftlich verbunden. Virchow prägte im Jahre 1870 den Begriff des Kunstfehlers als „Verstoß gegen die anerkannten Regeln der Heilkunst infolge eines Mangels an gehöriger Aufmerksamkeit oder Vorsicht“.[30] Der Begriff des Kunstfehlers betrifft in der Gerichtspraxis Verstöße gegen allgemein anerkannte Regeln der ärztlichen Wissenschaft (lateinisch Lege artis), also „solche Versehen, die in der Regel auf Nichtwissen oder mangelhafter Kenntnis, weniger auf Nichtkönnen oder gar auf bloßer Unaufmerksamkeit beruhen“.[31] Virchow blieb 46 Jahre bis zu seinem Tod in Berlin. Im Jahr 1870, während des Deutsch-Französischen Krieges, organisierte er Lazarettzüge, mit denen er selbst an die Front reiste, und ließ Barackenlazarette auf dem Tempelhofer Feld errichten.[32] Ab 1892 war er Rektor der Berliner Universität.[33] Er baute die vorhandene pathologisch-anatomische Sammlung aus, und ab dem 27. Juni 1899 konnte diese, nun mit über 20.000 Ausstellungs­stücken[34] versehen, im neu errichteten Pathologischen Museum der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin – dem heutigen Berliner Medizinhistorischen Museum an der Charité – von der interessierten Öffentlichkeit besichtigt werden.

Europaweite Tätigkeiten

Virchow, eine Schädeloperation beobachtend, Paris 1900

Virchow, der auch zu Schriftstellern und Verlegern sowie Wissenschaftlern außerhalb des medizinischen Bereichs rege Kontakte[35] pflegte, blieb bis ins hohe Alter aktiv und arbeitete unermüdlich. Im Juni und Juli 1887 sowie im Januar 1888 erstellte er Gutachten über den mikroskopischen Kehlkopfbefund beim Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Am 2. August 1900 wohnte er einer Schädeloperation in Paris bei.

Glaubensbekenntnisse Virchows

Virchow war Protestant, äußerte sich in der Öffentlichkeit allerdings auch kirchenkritisch.[36] Dass jeder Einzelne allerdings an das glauben könne, was ihm beliebe, war für Virchow ein Ausdruck des Humanen. Er kann nicht als Gegner des Glaubens an einen Gott verstanden werden, denn für ihn gehörte dies zur menschlichen Existenz dazu, was zu tolerieren sei.[37] Der Ausspruch „Tausende von Leichen seziert, dabei aber keine Spur der menschlichen Seele gefunden zu haben“, wird Virchow zwar oft zugesprochen, allerdings wehrte er sich selbst am 22. Februar 1877 im preußischen Abgeordnetenhaus gegen diesen Vorwurf, so etwas gesagt zu haben.[38] Nach seinem Leichenbegängnis entbrannte in den Reihen der evangelischen Kirche ein Streit darüber, ob es statthaft war, sich des „nach gläubiger Anschauung unzweifelhaft Verdammten“ anzunehmen und ihm ein christliches Begräbnis auszurichten.[39] Zur Trauerfeier mit Trauerzug vom Rathaus zum Friedhof am 9. September hatten sich Tausende von Trauergästen eingefunden, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.[40]

Lebensende

Grabstätte von Rudolf und Rose Virchow auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof Berlin

Auf dem Weg zu einer Versammlung der Gesellschaft für Erdkunde stürzte er am Abend des 4. Januar 1902 beim Abspringen von einer noch fahrenden Straßenbahn in der Leipziger Straße und brach sich den Oberschenkelhals. Von den langwierigen Folgen dieses Unfalls erholte er sich trotz eines zunächst erfolgversprechenden Bade- und Kuraufenthalts im Mai 1902 im böhmischen Teplitz nicht mehr.[41][42][43][44] Bereits am 11. August 1902 berichtete die Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung[45] über seinen schlechten Gesundheitszustand.[46] Er starb acht Monate nach seinem Unfall am 5. September 1902 um 13 Uhr in seiner Wohnung in der Schellingstraße 10 in der Friedrichsvorstadt[2]. Der heutige Verlauf der Schellingstraße entspricht nicht dem damaligen. Heute befindet sich am Standort von Virchows ehemaligen Sterbehaus die Einfahrt zum Tiergartentunnel am Reichpietschufer.[47]

Sein Grab (Feld H, H-S-012/013, G2) befindet sich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof an der Großgörschenstraße in Berlin-Schöneberg. Es ist seit 1952 als Ehrengrab der Stadt Berlin seinem Bürger Virchow gewidmet.

Rudolf Virchows Nachfolger als Professor für pathologische Anatomie in Berlin wurde sein ehemaliger Assistent Johannes Orth, der auch einen Nachruf auf seinen Vorgänger verfasste, in dem er seinen Lehrer als „Praezeptor orbis terrarum“ würdigte.[48]

Virchow als Sozialhygieniker

Rudolf Virchow, porträtiert von Hugo Vogel 1861

Im Auftrag von Friedrich Eichhorn hatte Virchow 1848 zusammen mit dem Geheimen Obermedizinalrat Barez in Oberschlesien die dort durch eine Flecktyphus-Epidemie eingetretenen Verhältnisse untersucht und kam zu dem Schluss, dass die Politik der preußischen Regierung verantwortlich für die Leiden der hungernden und armen Bevölkerung war. Er empfahl die Versorgung der polnisch-deutschen Mischbevölkerung mit Arznei- und Lebensmitteln und forderte als Konsequenz der Seuche „volle und unumschränkte Demokratie“ sowie „vor allem Bildung mit ihren Töchtern Freiheit und Wohlstand“. Damit gilt Virchow als Begründer der modernen Sozialhygiene.[49] Virchow arbeitete auch als praktischer Hygieniker. In dieser Funktion beriet er deutsche und ausländische Regierungen in Seuchenfragen. So hatte er 1859 einen von der norwegischen Regierung erhaltenen Auftrag zur Beurteilung der dort verbreiteten Lepra[50] bekommen. Virchow sorgte für die Einführung der obligatorischen Trichinenschau in Preußen.

Während seiner Würzburger Zeit veröffentlichte er 1852 eine im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung verfasste medizinisch-geographisch-historische Skizze Über die Not im Spessart, bei deren achttägiger Recherche er den Zusammenhang des chronischen Hungerzustandes der Bevölkerung mit dem Auftreten epidemischer Krankheiten untersucht hatte.[51]

Die Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte widmete sich auf der Tagung 1868 in Dresden dieser Frage. Virchow befürwortete die Schwemmkanalisation, im Gegensatz zu dem Frankfurter Arzt Georg Varrentrapp, der eine Abfuhr und Nutzung als Dünger befürwortete. Zusammen mit James Hobrecht war Virchow ab 1869 maßgeblich daran beteiligt, dass Berlin um 1870 eine Kanalisation und eine zentrale Trinkwasserversorgung erhielt. Die Entwässerung der Stadt lief über zwölf unabhängige Radialsysteme, die zu Rieselfeldern außerhalb der Stadt führten, die damals sauberste Lösung der Abwasserbeseitigung.

Virchow stand, wie viele andere Vertreter des medizinischen Establishments, den Erkenntnissen der Medizin über Krankheitsursachen sehr skeptisch gegenüber, zum Beispiel dem von Ignaz Semmelweis aufgedeckten Zusammenhang zwischen Sektionsübungen und Kindbettfieber.[52]

Rudolf Virchow setzte sich auch für eine medizinische Grundversorgung der Bevölkerung ein: „Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen“.[53] schrieb er 1848 in der von ihm mit Rudolf Leubuscher von Juli 1848 bis Juni 1849 herausgegebenen Wochenschrift „Die medicinische Reform[54] und zitierte damit seinen Freund und Kollegen Salomon Neumann[55] Im Vorwort der ersten Ausgabe ist zudem zu lesen, dass auch bei der Medizin „eine radicale Reform […] nicht mehr aufzuschieben“ sei. Im Barrenstreit wurde er um ein Gutachten gebeten und entschied sich für das Deutsche Turnen und gegen die Schwedische Gymnastik als nationale Vorsorge für Gesundheit und Wehrbereitschaft.[56] Auf Virchow geht die Einrichtung erster kommunaler Krankenhäuser in Berlin zurück, so in Friedrichshain (1874), Moabit (1875, inzwischen geschlossen) und Am Urban (1890). Auch Parks und Kinderspielplätze sollten die Lage des städtischen Proletariats verbessern. Nicht zuletzt forderte Virchow vehement die Möglichkeit einer berufsmäßigen Ausbildung zur Krankenpflege sowie die flächendeckende Einrichtung von Krankenpflegeschulen an jedem großen Krankenhaus, auch jenseits konfessioneller Anbindung, um die pflegerische Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sicherzustellen.[57] Virchow forderte ein verständiges Zusammenwirken von Arzt und Krankenpflege.[58][59]

Virchows Utopie blieb die Konstituierung von Medizin und Gesellschaft auf wissenschaftlicher Grundlage.[60]

Politiker

Zum Politiker war Virchow 1848 geworden, indem er erklärte, dass „Wohlstand, Bildung und Freiheit“ sich gegenseitig bedingen. Seine ab Juli 1848 herausgegebene Zeitschrift Medizinische Reform verbreitete seine gesellschaftspolitischen Ideen und Grundsätze.[61] Von 1859 bis zu seinem Tod war Virchow gewähltes Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, womit er seine politische Tätigkeit wieder begonnen hatte. Als Stadtverordneter setzte er sich für den Bau von Krankenhäusern, Markthallen und einem hygienischen Schlachthof (dem 1881 errichteten Zentralvieh- und Schlachthof) ein. Das wichtigste Projekt war die von ihm und Stadtrat Arnold Marggraff vorangetriebene Planung einer modernen Kanalisation für die Stadt.[62]

1861 war er Gründungsmitglied und Vorsitzender der liberalen Deutschen Fortschrittspartei. Sein Ziel war die „Freiheit mit ihren Töchtern Bildung und Wohlstand“. Er plädierte für eine liberale Gesellschaft und eine soziale Medizin, die auf dem Boden naturwissenschaftlicher Aufklärung stehen sollte. Aber er wollte eine Distanz gegenüber unbewiesenen Hypothesen in der Popularisierung der Naturwissenschaften wahren und wendete sich damit gegen den deutschen Darwinisten Ernst Haeckel.[63]

Ab 1862 war er Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus (ab 1865 war Virchow auch für den Wahlkreis Saarbrücken-Ottweiler-St. Wendel zuständig[64]), wo die Deutsche Fortschrittspartei bis 1866 die Mehrheit hatte.[65] Im Jahr 1869 stellte er dort einen Antrag auf Beschränkung der Militärausgaben des Norddeutschen Bundes und allgemeine Abrüstung, Konfliktbewältigung durch internationale Schiedsgerichte und Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa. Nach der 1871 erfolgten Gründung des deutschen Nationalstaates als Kaiserreich prägte Virchow 1873 den Begriff des Kulturkampfes als Befreiung der Kultur vom Einfluss der Kirche.

Mitglieder der Freisinnigen Partei im alten Reichstag 1889, Virchow links am Tisch. Weiterhin zu sehen: Johann Heinrich Nickel, Eugen Richter, Hugo Hermes, Friedrich Witte, Albert Hänel, Gustav Münch, Constantin Bulle, Paul Langerhans und Wilhelm von Unruhe-Bomst, nicht oder nicht deutlich zu sehen: Karl Schrader und Max von Forckenbeck

Von 1880 bis 1893 war Virchow zugleich gewähltes Mitglied des Deutschen Reichstags. Er vertrat nach den Reichstagswahlen 1881, 1884, 1887 und 1890 den Berliner Wahlkreis 2 (Schöneberger Vorstadt, Friedrichsvorstadt, Tempelhofer Vorstadt, Friedrichstadt-Süd). Ab 1884 setzte er sich als Mitglied der Fraktion der Deutschen Freisinnigen Partei besonders für den Aufbau einer staatlichen medizinischen Grundversorgung ein. Politisch war er bereits 1862 ein entschiedener Gegner des preußischen Ministerpräsidenten und ab 1871 auch Reichskanzlers Otto von Bismarck. Am 2. Juni 1865 griff Virchow Bismarck verbal so stark an, dass er am folgenden Tag von diesem wegen Anzweiflung seiner Wahrheitsliebe zu einem Duell gefordert wurde, das Virchow allerdings mit den Worten ablehnte,[66] es sei keine zeitgemäße Art der Diskussion.[67][68] Virchow setzte sich für die kommunale Selbstverwaltung und für Minderheitenrechte ein, darunter für die zahlenmäßig starke polnische Volksgruppe in Preußen, und bekämpfte entschieden aufkommende antisemitische Tendenzen. Von Kolonialpolitik hielt er nichts.[69]

Landeshistoriker, Anthropologie, Ethnologie und Archäologie

Rudolf Virchow befasste sich seit etwa 1843 recht intensiv mit der älteren Geschichte seiner Geburtsstadt Schivelbein,[70][71] insbesondere auch mit der Geschichte der Kartause Schivelbein.[72][73]

Virchow war auch ein Grundlagenforscher der Anthropologie[74] und betätigte sich daneben in vielfältiger Weise auf den Gebieten der Ethnologie und Ur- und Frühgeschichte.

Als Erforscher der Urgeschichte betätigte sich Virchow ab Juni 1865, als er prähistorische Gegenstände eines Pfahlbaus an der Plöne bei Lübtow auf ihr Alter untersuchte.[75] Um 1868 befasste er sich mit Begräbnisstätten aus vorchristlicher Zeit, die in der Umgebung der Ortschaften Storkow, Mulkenthin und Groß Wachlin nördlich von Stargard in Hinterpommern gefunden worden waren.[76][77] 1870 erkundete er einen Nebenarm der Balver Höhle im Sauerland. Die Balver Höhle ist ein wichtiger Fundplatz der Mittleren Altsteinzeit. Virchow unterschied als erster zwischen slawischer Keramik (Burgwalltyp) und bronzezeitlicher Keramik (Lausitzer Typ) und förderte so die Burgwallforschung.

Zusammen mit Adolf Bastian und Robert Hartmann gründete er im November 1869 die Berliner Anthropologische Gesellschaft, aus der die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte hervorgegangen ist.[78][79] Virchow wurde zum Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt und blieb dies bis zu seinem Lebensende.[80] Als nationaler Dachverband wurde 1870 die Deutsche Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte gegründet. Zudem gab er in den 1890er Jahren die Zeitschrift für Ethnologie heraus. Im Berliner Zoo führte er 1879 im Rahmen seiner anthropologisch-ethnologischen Forschungen Körpermessungen an Samen durch.[81] Virchow, der bereits 1857 eine grundlegende anthrophologische Arbeit über Schädelformen publiziert hatte, regte auch eine anthropologische Untersuchung der deutschen Schulkinder an: Mit Zustimmung aller Bundesstaaten außer Hamburg wurden Haar-, Haut- und Augenfarbe von 6.760.000 Schulkindern erhoben sowie die Schädelform bestimmt. Für die jüdischen Schüler wurden eigene Listen geführt. Die Ergebnisse wurden 1886 veröffentlicht: Danach gab es im Deutschen Reich 31,8 % Blonde, 14,05 % Brünette und 54,15 % Mischtypen. Für die ca. 75.000 jüdischen Kinder wurden 11 % Blonde, 42 % Schwarzhaarige und 47 % Mischtypen gezählt. Virchows Erwartung hatte sich bestätigt: Es gab gar keine reinen Rassen in Deutschland.[82] Den Nationalsozialisten war Rudolf Virchow deshalb verhasst. In einem propagandistischen Spielfilm des Jahres 1939, der Robert Koch gewidmet war, und in einem Bismarck-Spielfilm des folgenden Jahres wurde Virchow gründlich diffamiert.[83] Aus dieser Zeit stammt auch der Mythos, dass Virchow und Koch persönliche Feinde waren. Dies war so allerdings nicht der Fall. Virchow schätzte Kochs Arbeit, auch wenn er als Mitglied des Abgeordnetenhause im Mai 1891 die finanzielle Ausstattung von Kochs Institut kürzen wollte[84] und dessen Erkenntnisse zum Milzbranderreger und zum Tuberkelbazillus zunächst nicht akzeptiert hatte,[85] und forderte von der Berlin Stadtverordnetenversammlung, dass ein Bakteriologe nach Kochs Schule in Berlin eingestellt werden müsse.[86]

Virchow war Freund und Förderer von Heinrich Schliemann und Franz Boas. Virchow nahm im Jahr 1879 persönlich an einer Troja-Ausgrabung teil. Auf seine Vermittlung hin überließ Heinrich Schliemann seine trojanische Sammlung, den Schatz des Priamos, der Stadt Berlin, wo er (statt wie ursprünglich geplant nach London), ins Berliner Ethnologische Museum gelangte.

Virchow war an der Gründung mehrerer Berliner Museen beteiligt, unter anderem des Märkischen Provinzialmuseums (heute Märkisches Museum) und des im Dezember 1886 eröffneten Museums für Völkerkunde (heute Ethnologisches Museum). 1889 wurde das seit 1874 von Virchow und seinen Freunden aufgebaute „Museum für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes“ in der Berliner Klosterstraße 36 eröffnet[87] (später Staatliches Museum für Deutsche Volkskunde, 1999 aufgegangen im Museum Europäischer Kulturen).

Virchow in seinem Arbeitszimmer[88] in der Königlichen Charité in Berlin, 1895

Die Evolutionstheorie Charles Darwins sah er als interessantes Denkmodell an, insgesamt konnte er sich aber nicht dafür erwärmen. Ab 1873 beschäftigte sich Virchow zunehmend mit prähistorischen Studien und besuchte in ganz Europa entsprechende Orte, Museen und Sammlungen.[89] 1874 schrieb er, dass die Prähistorie kein Fach sei und wahrscheinlich auch keines werden würde. Ein anderer Irrtum, bei dem der Prähistoriker[90] Virchow bis zu seinem Tod blieb, war seine Fehlinterpretation des Neandertaler-Skeletts von Homo neanderthalensis. Er sprach am 27. April 1872 vor der Gesellschaft für Anthropologie über seine Untersuchung des Neanderthal-Schädels und hielt den 1856 von Fuhlrott gesicherten Fund Neandertal 1 aus der Kleinen Feldhofer Grotte im Neandertal für ein pathologisch verändertes Exemplar des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens). Zwar waren einige von Virchow beschriebene Pathologien tatsächlich vorhanden, mit der Meinung, dass es sich um einen Vertreter von Homo sapiens handelte, lag Virchow jedoch (wie Otto Walkhoff 1903 radiologisch zeigen konnte) falsch.[91][92]

Rudolf Carl Virchow mit seinen Kindern Ernst und Adele (um 1860)

Aus der Ehe von Rose und Rudolf Virchow gingen sechs Kinder hervor:

  • Carl (1851–1912),[93] geboren in Würzburg
  • Hans (1852–1940), Anatom,[94] geboren in Würzburg
  • Adele verh. Henning,[95] geboren in Würzburg
  • Hanna oder Johanna (* 1852)[95] geboren in Berlin
  • Ernst (1858–1942), Hofgärtner am Schloss Wilhelmshöhe, verheiratet mit Sophie Niepraschk (1865–1941), geboren in Berlin
  • Marie, geboren in Berlin, 1891 verheiratet mit dem Anatomen Carl Rabl. Sie übermittelte der Öffentlichkeit Rudolf Virchows Briefe[96] an sein Elternhaus.[97]

Der Pathologe Carl Ruge war ein Neffe Virchows.

Briefmarke von 1952 (Ausgabetag 24. Januar 1953) aus der Serie Männer aus der Geschichte Berlins

Orden und Medaillen

Mitgliedschaften in Akademien und Vereinen

Denkmäler

Denkmal nahe der Charité von Fritz Klimsch (1910)
Bronzebüste Virchows vor dem von ihm weltberühmt gemachten Pathologischen Institut der Charité Berlin
Skulptur im Eingangsbereich des Museums Europäischer Kulturen

Der Bildhauer Fritz Klimsch schuf 1906–1910 das Virchow-Denkmal vor der Charité auf dem Karlplatz in Berlin-Mitte.

Eine Bronzebüste steht vor dem 1856 erbauten und 1873 erstmals erweiterten[104] Pathologischen Institut der Charité. Sie ist eine Kopie der Marmorbüste im Dekanat, die 1882 von Bernhard Afinger gefertigt wurde.

Eine weitere Skulptur des Potsdamer Bildhauers Marcus Golter befindet sich am Langenbeck-Virchow-Haus. Sie wurde gestiftet von Veronika Hahn von der Berliner Medizinischen Gesellschaft, anlässlich der Restaurierung des Gebäudes im Jahre 2004.

Erinnerungsstein für Rudolf Virchow in Schivelbein, jetzt Świdwin, Polen

In Virchows Heimatstadt Schivelbein wurde am 25. September 2013 auf einem Platz im Zentrum ein Gedenkstein gesetzt und der Platz nach ihm benannt. Davor war der Gedenkstein an der Drawskaer Straße aufgestellt.[105][106]

Sonstiges

Die Rudolf-Virchow-Medaille ist die höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie. Zudem wurden der Rudolf-Virchow-Preis der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik sowie der Virchow-Preis des Aktionsbündnis Thrombose nach ihm benannt.[107]

Medaille zu Virchows 70. Geburtstag

Bis 1902 war Virchow Vorstand der Rudolf-Virchow-Stiftung (der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte), deren Grundstock aus den Spenden für eine anlässlich seines 70. Geburtstages 1891 geprägte goldene Medaille (gefertigt von Anton Scharff)[108] stammte.[109]

Das Rudolf-Virchow-Krankenhaus gehört seit 1995 zur Humboldt-Universität zu Berlin und bildet seit 1998 den Campus Virchow-Klinikum (CVK) der Charité.

Das Klinikum Glauchau und das Forschungszentrum für Experimentelle Biomedizin in Würzburg erhielten den Namenszusatz „Rudolf Virchow“.

Die Rudolf-Virchow-Vorlesung ist eine bedeutende Auszeichnung für Urgeschichtler. Sie wird seit 1987 vom Forschungsbereich Altsteinzeit des Römisch-Germanischen Zentralmuseums vergeben. Damit werden Virchows Verdienste um die Urgeschichte gewürdigt, insbesondere seine wegweisende interdisziplinäre Herangehensweise.

Viele Straßen in Deutschland sind nach Virchow benannt. Mehrere Briefmarken mit seinem Konterfei wurden herausgegeben sowie Gedenkmedaillen für Rudolf Virchow.[110] Im Jahr 1902 erhielt eine Salzquelle in Kiedrich im Rheingau den Namen Virchow-Quelle.[111]

Seit 1960 heißt ein Hügel in der Antarktis auf der Brabant-Insel Virchow Hill.

Seit 1979 trägt ein Mondkrater Virchows Namen, siehe Virchow (Mondkrater). 2000 wurde der Asteroid (13084) Virchow nach ihm benannt.[112]

Nach ihm benannt ist die Pflanzengattung Virchowia Schenk aus der Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae).[113]

In dem biographischen Film Robert Koch, der Bekämpfer des Todes von 1939, der auf einem Roman von Hellmuth Unger basiert,[114] wird Rudolf Virchow von Werner Krauß gespielt.[115][116]

In der 2017 veröffentlichten Fernsehserie Charité wird Virchow von Ernst Stötzner dargestellt.

Cellularpathologie, Zweite Auflage, 1859
  • De rheumate praesertim corneae. Medizinische Dissertation Berlin 1843.
  • Weißes Blut. In: (Frorieps) Neue Notizen aus dem Gebiete der Natur- und Heilkunde. Band 36 (Landes-Industrie-Comptoir, Weimar) 1845, Sp. 145–160, hier: S. 151–156.
  • Über die Verstopfung der Lungenarterie. In: Frorieps Neue Notizen. Nr. 794, (Januar) 1846.
  • Rokitansky, Handbuch der allgemeinen pathologischen Anatomie. In: Medicinische Zeitung. Band 15, 1846, S. 237–238 und 243–244.
  • Die öffentliche Gesundheitspflege. In: Die Medicinische Reform. Band 1, Nr. 5, 1848, S. 21–22; Nr. 7, S. 37–40; Nr. 8, S. 45–47; Nr. 9, S. 53–56.
  • Die Einheitsbestrebungen in der wissenschaftlichen Medicin. Berlin 1849.
  • Ueber Kretinismus namentlich in Franken und über pathologische Schädelformen. In: Verhandlungen der physikalisch-medicinischen Gesellschaft in Würzburg. Band 2, Nr. 15–17, 1851, S. 230–271.
  • Über die Not im Spessart. Eine medizinisch-geographisch-historische Skizze. Würzburg 1852; Nachdruck Olms, Hildesheim 1968.
  • als Hrsg.: Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie. Enke, Erlangen 1854 ff.
  • Untersuchungen über die Entwicklung des Schädelgrundes im gesunden und kranken Zustande und über den Einfluß desselben auf die Schädelform, Gesichtsbildung und Gehirnbau. Berlin 1857.
  • Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre. Berlin 1858. (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Goethe als Naturforscher und in besonderer Beziehung auf Schiller. Eine Rede von Rudolf Virchow. Berlin 1861.
  • Canalisation oder Abfuhr? 1869.
  • Menschen- und Affenschädel. Vortrag, gehalten am 18. Februar 1869 im Saale des Berliner Handwerker-Vereins. Berlin 1870.
  • Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre. Verlag von August Hirschwald, 1871 (online digital, dort auch weitere digitalisierte Schriften).
  • Die Urbevölkerung Europas. Berlin 1874.
  • Gesammelte Abhandlungen auf dem Gebiete der öffentlichen Medicin und der Seuchenlehre. 2 Bände. Berlin 1879.
  • Gegen den Antisemitismus. 1880.
  • Über den Unterricht in der pathologischen Anatomie. In: Klinisches Jahrbuch. Band 2, 1890, S. 75–100.
  • Die Gründung der Berliner Universität und der Uebergang aus dem philosophischen in das naturwissenschaftliche Zeitalter. Rede am 3. August 1893 in der Aula der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, gehalten von dem zeitigen Rector Rudolf Virchow. Verlag August Hirschwald, Berlin 1893.
  • Nekrolog (Digitalisat) Internationales Archiv für Ethnographie, Band XVI, Redaktion Dr. J.D.E. Schmeltz, Verlag E.J. Brill, Leiden, Niederlande, 1904, abgerufen am 14. Februar 2012.
  • Erwin Heinz Ackerknecht: Rudolf Virchow. Arzt, Politiker, Anthropologe. Stuttgart 1957.
  • Christian Andree: Rudolf Virchow. Leben und Ethos eines großen Arztes. Langen Müller, 2002, ISBN 3-7844-2891-6.
  • Christian Andree: Rudolf Virchow als Prähistoriker. 3 Bände. Böhlau, Köln / Wien 1976–1986.
  • Christian Andree (Hrsg.): Rudolf Virchow – Sämtliche Werke. Beiträge zur wissenschaftlichen Medizin aus den Jahren 1846–1850. Abteilung I. Medizin. Band 4. Peter Lang, Bern 1992, ISBN 3-261-03665-6.
  • Christian Andree: Virchow, Rudolf. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1445–1447.
  • Christian Andree (Hrsg.): Rudolf Virchow – Vielseitigkeit, Genialität und Menschlichkeit. Ein Lesebuch. Olms Verlag, Hildesheim / Zürich / New York 2009, ISBN 3-487-08822-3.
  • Arnold Bauer: Rudolf Virchow – der politische Arzt. Stapp Verlag, Berlin 1982.
  • W. Becher: Rudolf Virchow. Eine biographische Studie. S. Karger, Berlin 1894.
  • Rudolf Beneke: Rudolf Virchow. In: Pommersche Lebensbilder. II, S. 198–236.
  • Hilmar Conrad: Die berufsmäßige Ausbildung der Krankenpflege, auch außerhalb der bestehenden kirchlichen Organisationen. Rede von Rudolf Virchow am 6. November 1869. In: Geschichte der Pflege. Nr. 2-2017. hpsmedia, Nidda 2017, S. 103–113.
  • Ludwig Aschoff: Rudolf Virchow. Wissenschaft und Weltgeltung. Hoffmann & Campe, Hamburg 1940.
  • Axel W. Bauer: „… unmöglich, darin etwas Specifisches zu finden“. Rudolf Virchow und die Tumorpathologie. In: Medizinhistorisches Journal. Band 39, Stuttgart 2004, S. 3–26. ISSN 0025-8431
  • Axel W. Bauer: „Die Medicin ist eine sociale Wissenschaft.“ Rudolf Virchow (1821–1902) als Pathologe, Politiker und Publizist. In: medizin – bibliothek – information (mbi). Band 5, Mannheim 2005, Heft 1, S. 16–20. ISSN 1616-9026 (PDF, online; 129 kB)
  • Andreas W. Daum: Wissenschaftspopularisierung im 19. Jahrhundert. Bürgerliche Kultur, naturwissenschaftliche Bildung und die deutsche Öffentlichkeit, 1848–1914. 2., erg. Aufl., Oldenbourg, München 2002, ISBN 978-3-486-56551-5
  • Wolfgang U. Eckart: Rudolf Virchows „Zellenstaat“ zwischen Biologie und Soziallehre. In: Peter Kemper (Hrsg.): Die Geheimnisse der Gesundheit. Insel-Verlag, Frankfurt 1994, ISBN 3-458-16617-3, S. 239–255.
  • Constantin Goschler: Rudolf Virchow: Mediziner – Anthropologe – Politiker. Böhlau Verlag, Köln [u. a.] 2002, ISBN 3-412-09102-2. Zugleich: Berlin, Humboldt-Universität, Habilitationsschrift (Rezension sehepunkte)
  • Karl-Heinz Hense: Vom ‚mühseligen Weg des ordnungsgemäßen Denkens‘ – Rudolf Virchow: Lebensbild eines Gelehrten zwischen Wissenschaft und Politik. In: Mut – Forum für Kultur, Politik und Geschichte Nr. 551. Asendorf Dezember 2013. Seite 6–19.
  • Wolfgang Jacob: Medizinische Anthropologie im 19. Jahrhundert. Mensch, Natur, Gesellschaft. Beitrag zu einer theoretischen Pathologie. Zur Geistesgeschichte der sozialen Medizin und allgemeinen Krankheitslehre Virchows. Enke, Stuttgart 1967.
  • Christian Jenssen: Rudolf Virchow. In: Manfred Asendorf und Rolf von Bockel (Hrsg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten. Ein Lexikon. J. B. Metzler, Stuttgart / Weimar 1997, S. 859–661, ISBN 3-476-01244-1.
  • Christian Jenssen: „Die Aufrüstung ist die Mikrobe des Krieges …“ – Rudolf Virchow (1821–1902), schillernder „Apostel des Friedens und der Versöhnung“. In: Thomas Ruprecht und Christian Jenssen (Hrsg.): Askulap oder Mars? Ärzte gegen den Krieg. Donat, Bremen 1991, ISBN 3-924444-51-X.
  • Eva Johach: Krebszelle und Zellenstaat – Zur medizinischen und politischen Metaphorik in Rudolf Virchows Zellularpathologie. Rombach, Freiburg / Berlin / Wien 2008, ISBN 978-3-7930-9511-8.
  • Werner Köhler und Hanspeter Mochmann: Meilensteine der Bakteriologie. Von Entdeckungen und Entdeckern aus den Gründerjahren der Medizinischen Mikrobiologie. Minerva – Edition Wissen, 1997, ISBN 978-3-936611-16-8.
  • Ernst Meyer: Rudolf Virchow. Limes, Wiesbaden 1956.
  • Shahrooz Mohajeri: 100 Jahre Berliner Wasserversorgung und Abwasserentsorgung 1840–1940. Franz Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08541-6 (Rezension von Charlotte Bühl-Gramer in: sehepunkte. Band 6, 2006, Nr. 5 vom 15. Mai 2006)
  • Nikolaus Muschong: Hans Virchow (1852–1940). Leben und Werk. Med. Diss., Bonn 2011.
  • Heinz Otremba: Rudolf Virchow. Begründer der Zellularpathologie. Eine Dokumentation. Echter-Verlag, Würzburg 1991.
  • Thomas Sauer, Ralf Vollmuth: Briefe von Mitgliedern der Würzburger Medizinischen Fakultät im Nachlaß Anton Rulands. Quellen zur Geschichte der Medizin im 19. Jahrhundert mit Kurzbiographien. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 9, 1991, S. 135–206, hier: S. 197–201.
  • Heinrich Schipperges: Rudolf Virchow. Rowohlt, Reinbek 1994, ISBN 3-499-50501-0.
  • Hermann Schlüter: Virchow als Biologe. Eine Zusammenstellung. Hippokrates, Stuttgart / Leipzig 1938.
  • Hellmuth Unger: Virchow. Ein Leben für die Forschung. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1953.
  • Manfred Vasold: Rudolf Virchow. Der große Arzt und Politiker. DVA, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06387-7.
  • Gerhard Jaeckel: Die Charité. Ullstein Verlag, 2006, ISBN 3-548-33235-8.
  • Wolfgang U. Eckart (Hrsg.): Rudolf Virchow und Gustav Adolph Spiess. Cellular-Pathologie versus Humoral- und Solidarpathologie. Springer Spektrum, Berlin / Heidelberg 2016, ISBN 978-3-642-41680-4. (Kommentierte Ausgabe der Originalpublikationen)
  • Kurt Winter: Rudolf Virchow. BSB B. G. Teubner, Leipzig 1976.
  • Ingo Wirth (Hrsg.): Virchow-Forschung als Lebensaufgabe. Festschrift zum 80. Geburtstag von Christian Andree. Georg Olms Verlag, Hildesheim / Zürich / New York 2018, ISBN 978-3-487-15703-0.
  • Rudolf Virchow. Ein Gedenkblatt zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages. Sonderdruck aus: Deutsche Medizinische Wochenschrift. Gustav Fischer, Jena 1921.

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