Schnitt (Darstellung)

Eine Schnittzeichnung, Schnittdarstellung oder auch kurz ein Schnitt ist eine Darstellungsform in Zeichnungen. Sie wird (vor allem im Baugewerbe) auch Risszeichnung oder kurz Riss genannt, wovon sich auch die Begriffe Grundriss und Aufriss (die Ansicht) ableiten. Je nach Schnittebene bezeichnet man die Zeichnungen als Längsschnitt oder Querschnitt (seltener auch den Grundriss als Grundrissschnitt).

Schnittzeichnung im Maschinenbau (Bohrung)

Eine Schnittzeichnung dient dazu, verdeckte innenliegende Konturen, Materialien und Strukturen eines K√∂rpers zu zeigen. Gegebenenfalls m√ľssen unterschiedliche Schnitte durch einen K√∂rper gelegt werden, um alle relevanten Einzelheiten in mehreren Schnittfl√§chen darstellen zu k√∂nnen.

Schnittdarstellungen des menschlichen Schädels durch Leonardo da Vinci

Schnittzeichnungen und -darstellungen kommen in vielen Bereichen zum Einsatz. Beim technischen Zeichnen bei der Darstellung von Bauelementen und Bauteilen im Maschinenbau oder im Bauwesen (Hochbau, Tiefbau); bei der Darstellung von Geb√§uden in der Architektur; bei der anschaulichen Darstellung von Ger√§ten und Maschinen f√ľr Laien; in der Science-Fiction-Szene, wo Fans oder Autoren fiktive Raumschiffe und Raumstationen darstellen; in der Biologie bei der Darstellung des Aufbaus von Flora und Fauna; bei der Darstellungen der Schichten im Boden in Geologie und Arch√§ologie; in der Anatomie (wie bei Leonardo da Vinci, der bereits detaillierte transversale, longitudinale und schr√§ge Schnitte als graphisches Lehrmittel einsetzte[1]); in der Medizin zur tomographischen Bildgebung des menschlichen K√∂rpers und so weiter.

Klassische Schnittdarstellung eines Gebäudes

Bei klassischen Schnittzeichnungen werden die Schnittkanten dicker dargestellt als die Konturen der Elemente, die man in der Ansicht sieht. Die Schnittfl√§chen werden oft fl√§chig oder mit Schraffuren gef√ľllt. Je nach Einsatzbereich gibt es verschiedene Regeln f√ľr Schnittzeichnungen.

Im Maschinenbau zum Beispiel gelten f√ľr die Darstellung von geschnittenen Gewinden, Bohrungen und Passungen genauso wie f√ľr deren Bema√üung besondere Regeln.

Konventionen gelten ebenso im Bauwesen. F√ľr die Darstellung der Bauzeichnungen im amtlichen Bauantragsverfahren gelten Vorschriften (Bauvorlagenverordnung)

Wenn die Schnittebene durch mehrere K√∂rper verl√§uft, sind die Schnittfl√§chen durch Schraffuren unterschiedlicher Richtung darzustellen. Zur Kennzeichnung verschiedener Materialien (Metall, Beton, Mauerwerk, Holz, Textilien, Kunststoff u. a.) werden Schraffuren unterschiedlicher Art verwendet (z. B. Linien-, Kreuzlinien-, Strichlinien-, Punktschraffur u. a. in verschiedenen Linienweiten und -abst√§nden sowie Raster und Fl√§chen in unterschiedlichen Grau- oder Farbt√∂nen).

L√§ngs (parallel zur Achse) geschnittene Rotationsk√∂rper (z. B. Drehk√∂rper, Pflanzensamen) werden vereinbarungsgem√§√ü als nicht geschnittene K√∂rper (in der Ansicht) dargestellt; deren Achse als Strichpunktlinie. Vor der Schnittebene liegende Kanten oder dahinter liegende, verdeckte Konturen k√∂nnen dargestellt werden, dann mit gestrichelten Linien. Meistens werden die neben dem geschnittenen Teil erkennbare Teile, die hinter der Schnittlinie liegen, (mit sehr d√ľnnen Linien) auch dargestellt. Dort liegende Ansichtsfl√§chen k√∂nnen naturalistisch dargestellt sein ‚Äď auch fotorealistisch (CAD, Animation).

Dagegen kann eine solche Ansichtszeichnung auch dargestellt werden mit neutral dargestellter Schnittfl√§che (als durchgehende einheitliche Schraffur, in einer fl√§chigen F√ľllung oder geschw√§rzt ‚ÄěSchwarzplan‚Äú, ‚Äěgeschw√§rzter Schnitt‚Äú). Dabei sind unterschiedliche Materialien in der Darstellung nicht erkennbar.

Neben den klassischen, zweidimensionalen Schnittzeichnungen gibt es auch perspektivische Zeichnungen, die h√§ufig aus im Computer generierten Modellen heraus erzeugt werden. Sie sind f√ľr Laien oft einfacher verst√§ndlich. Gelegentlich werden Schnittzeichnungen auch gesprengt, indem einzelne Bereiche zur besseren √úbersicht versetzt dargestellt werden und sich damit nicht verdecken. Man spricht dann von Explosionszeichnungen.

Beispiele

  1. ‚ÜĎ Sigrid Braunfels-Esche: Leonardo als Begr√ľnder der wissenschaftlichen Demonstrationszeichnung. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil (Hrsg.): Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission f√ľr Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 23‚Äď50, hier: S. 28‚Äď30.

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