Utagawa Sadahide

Yokohama-e von Sadahide, um 1860

Utagawa Sadahide (jap. 歌川 貞秀; * 1807; † 1878 oder 1879[Anm. 1]) war ein Meister des japanischen Farb-Holzschnitts im Stil des Ukiyo-e. Bekanntheit erlangte er auch durch den Entwurf einiger hundert Yokohama-e, die das Leben und die Sitten der in Yokohama lebenden Ausländer darstellten.

Über sein Leben ist so gut wie nichts bekannt. Geboren wurde er als Hashimoto Kenjirō (橋本 兼次郎) in der Provinz Shimousa (heute Präfekturen Chiba und Ibaraki).[1] Für das Jahr 1875 ist belegt, dass er im Edoer Stadtviertel Fukagawa (heute Bezirk Kōtō in Tokio) gewohnt hat.[2] In den frühen 1820er-Jahren begann er seine Ausbildung als Holzschnittkünstler im Studio von Utagawa Kunisada I. und gilt als einer der bedeutendsten Schüler Kunisadas.[2]

1867 war er einer von elf Künstlern, deren Arbeiten auf der Pariser Weltausstellung die damalige zeitgenössische, japanische Kunst repräsentierten.[3] Im Jahr 1868 wurde er in Edo als der führende Holzschnittkünstler seiner Zeit geführt.[2] Mit dem Beginn der Meiji-Zeit geriet er schnell in Vergessenheit.[4]

Auf den von ihm entworfenen Drucken signierte er mit den Beinamen Gyokuransai (玉蘭斎), Gountei (五雲亭) oder Gyokuō (玉翁) vor seinem Künstlernamen Sadahide, gelegentlich noch ergänzt um den ursprünglichen Familiennamen Hashimoto.[2]

Sakura in der Provinz Shimousa, am Horizont die Doppelspitze des Bergs Tsukuba [Anm. 2]

Sadahides erste bekannte Arbeit waren die Illustrationen zum ersten Band von Jippensha Ikkus Misaogata tsuge no ogushi, der 1824 erschien. Der erste von ihm gezeichnete Schauspielerdruck erschien 1827. In den folgenden Jahren verlegte er sich verstärkt auf den Entwurf von Drucken, die schöne Frauen (bijin-e) darstellten. In den 1830er- und 1840er-Jahren entwarf er zahlreiche Kriegerdrucke (musha-e) und Landschaftsansichten. In den 1860er-Jahren war er vor allem als Zeichner der Yokohama-e, Drucke mit Darstellungen von Ausländern und deren Lebensgewohnheiten in der ihnen zugewiesenen Niederlassung in Yokohama, von seinen Zeitgenossen geschätzt.[2] Besondere Anerkennung brachten ihm vor allem seine Panoramadarstellungen japanischer Städte und Landschaften ein. Aus der Vogelperspektive werden auf diesen, bis zu sechs ōban-Blätter (ca. 1,5 m) breiten Panoramadrucken zahlreiche Details von Städten wie Edo, Yokohama, Kyōto, Ōsaka und Nagasaki abgebildet. Oder sie enthalten Ansichten von berühmten Pilgerstätten und Tempelanlagen mit genauen Angaben der sich in deren Umgebung befindlichen Sehenswürdigkeiten.[5]

Darüber hinaus war er im Laufe seines künstlerischen Schaffens an der Illustration von mehr als 230 Büchern, zumeist zeitgenössischen Romanen und Erzählungen, beteiligt.[6]

  1. In der älteren Literatur wird das Todesjahr mit 1873 angegeben. In der neueren japanischen Literatur, auf die sich A. Marks: Japanese woodblock prints. S. 144, bezieht, wird 1878 oder 1879 angenommen.
  2. Aus der Serie Berühmte Plätze in den Provinzen und Landkreisen Großjapans (大日本国郡名所), 1868
  1. Julia Meech-Pekarik: The World of the Meiji Print: Impressions of a New Civilization. Weatherhill, Trumbull 1987, ISBN 0-8348-0209-0, S. 40.
  2. a b c d e A. Marks, S. 144.
  3. A. R. Newland, S. 503.
  4. Inagaki, Shin’ichi: Gountei Hashimoto Sadahide. S. 116 bis 117. In: Ukiyoe Nyūmon. Kawade, 1990. ISBN 4-309-72476-0.
  5. Jun'ichi Okubo: Bird's-eye view pictures of urban centers at the end of the Early Modern period., online auf der Seite des „National Museum of Japanese History“, abgerufen am 21. Mai 2019. (englisch)
  6. Die Datenbank des National Institute of Japanese Literature nennt exakt 233 Titel, die mit seiner Beteiligung entstanden sind, Union Catalogue of Early Japanese Books. (japanisch, Eingabe in Kanji erforderlich)
  • Amy Reigle Newland (Hrsg.): The Hotei Encyclopedia of Japanese Woodblock Prints. 2 Bände. Hotei, Amsterdam 2005, ISBN 90-74822-65-7, S. 503. (englisch)
  • Andreas Marks: Japanese Woodblock Prints. Artists, Publishers, and Masterworks 1680–1900. Tuttle, Tokio u. a. 2010, ISBN 978-4-8053-1055-7, S. 144 f. (englisch)

Copyright