Zweiter Weltkrieg

Impressionen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs: Albert Speer, Adolf Hitler, Arno Breker vor dem Eiffelturm, Juni 1940; sinkende „ USS Arizona“ nach dem Angriff auf Pearl Harbor, 7. 12. 1941; von Max Alpert aufgenommenes Foto eines sowjetischen Offiziers, Juli 1942; deutscher Panzer „Tiger“, März 1944, Nordfrankreich; Landung der 1st US-Infantry-Division, 6. 6. 1944 an Omaha Beach; GIs hissen US-Flagge, 23. 2. 1945, Iwojima; Flagge der Sowjetunion auf dem Reichstag, Mai 1945; Atompilz des „ Fat Man“ über Nagasaki, 9. 8. 1945

Der Zweite Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945) war der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert. In Europa begann er am 1. September 1939 mit dem von Adolf Hitler befohlenen Überfall auf Polen. In Ostasien befand sich das Kaiserreich Großjapan bereits seit Juli 1937 im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg mit der Republik China und ab Mitte 1938 in einem Grenzkrieg mit der Sowjetunion. Der japanische Überfall auf Pearl Harbor Anfang Dezember 1941 hatte den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg und den Beginn des Pazifikkriegs zur Folge, in den auch die europäischen Kolonialmächte verwickelt wurden. Im Kriegsverlauf bildeten sich zwei militärische Allianzen, die als Achsenmächte und Alliierte (Anti-Hitler-Koalition) bezeichnet werden. Hauptgegner des nationalsozialistischen Deutschen Reiches waren in Europa das Vereinigte Königreich mit dem Kriegskabinett von Premierminister Winston Churchill an der Spitze sowie (ab Juni 1941) die unter der Diktatur Josef Stalins stehende Sowjetunion. Viele Historiker argumentieren heute, dass der Zweite Weltkrieg erst mit dem Eintritt der USA zu einem Weltkrieg wurde, da dieser im Jahr 1941 die vorher regionalen Kriege in Asien (1937) und Europa (1939) miteinander verband.[1]

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endeten die Kampfhandlungen in Europa am 8. Mai 1945; die beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki führten zur Kapitulation Japans am 2. September 1945 und damit zum Kriegsende.

Über 60 Staaten auf der ganzen Erde waren direkt oder indirekt beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen standen unter Waffen.

Die Zahlen der Opfer im Krieg lassen sich nur schätzen. Bei den Kampfhandlungen zu Lande, auf See und im Luftkrieg wurden mehr als 60 Millionen Menschen getötet.[2] Schätzungen, die Opfer von Holocaust (Shoa), Porajmos und andere Massenmorde, Zwangsarbeit sowie Kriegsverbrechen und Kriegsfolgen einbeziehen, reichen bis zu 80 Millionen.

Der Zweite Weltkrieg bestand in Europa aus Blitzkriegen, Eroberungsfeldzügen gegen die deutschen Nachbarländer mit Eingliederung besetzter Gebiete, der Einsetzung von Marionettenregierungen und Flächenbombardements. In den von den Achsenmächten eroberten Gebieten und auch in Deutschland bildete sich in den Kriegsjahren ein immer stärker werdender Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Für die deutsche Wehrmacht kann der Verlauf auf den Kriegsschauplätzen in Europa und dem Mittelmeerraum zeitlich in drei Hauptphasen unterteilt werden:

Zweiter Weltkrieg – Kriegsparteien und Frontverläufe in Europa 1939–1945
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Sechs europäische Staaten blieben offiziell neutral und beteiligten sich nicht direkt an den Kämpfen: Irland, Schweden, die Schweiz, Spanien, Portugal und die Türkei (letzterer bis Februar 1945). Die US-Regierung von Präsident Franklin D. Roosevelt hatte zu Beginn des europäischen Krieges die Neutralität der USA erklärt, aber ab November 1939 erlaubten das neue Neutralitätsgesetz und die Cash-and-carry-Klausel kriegführenden Staaten, Waffen und Munition in den Vereinigten Staaten zu kaufen und auf eigenen Schiffen abzutransportieren. Direkte Lieferungen der USA ermöglichte das im Februar 1941 verabschiedete Leih- und Pachtgesetz. Im August 1940 gab der US-Kongress seine Zustimmung für den Bau einer großen Flotte, die im Atlantik und im Pazifik einsetzbar sein sollte.

Mit dem Kriegseintritt des von Benito Mussolini regierten faschistischen Italiens, das mit dem Deutschen Reich verbündet war, wurden ab Juni 1940 Teile Ost- und Nordafrikas sowie der Mittelmeerraum ebenfalls zum Kriegsschauplatz. Italienische Truppen kämpften im Ostafrikafeldzug gegen britische Verbände um die Kolonie Britisch-Somaliland. Im parallel geführten Afrikafeldzug unterstützte ab Februar 1941 das Deutsche Afrikakorps die Italiener. Nach den zwei Schlachten bei El-Alamein im Juli 1942 und Oktober/November 1942 landeten anglo-amerikanische Truppen in Marokko und Algerien (Operation Torch) und die deutschen und italienischen Truppen mussten nach dem Tunesienfeldzug im Mai 1943 kapitulieren.

Der Krieg gegen die Sowjetunion wurde vom deutschen Heer, Waffen-SS und Luftwaffe als Vernichtungskrieg mit der Absicht geführt, Osteuropa bis zum Ural als (neuen) deutschen Siedlungsraum für ein künftiges „Großgermanisches Reich“ zu gewinnen. Die große Wende im Krieg waren die Kämpfe um Moskau (Winter 1941/1942) und der vergebliche Versuch der Eroberung von Stalingrad ab Herbst 1942. Das Westufer der Wolga in Stalingrad markierte den östlichsten Punkt des deutschen Vormarsches an der Ostfront. Nach dem Sieg in der Schlacht von Stalingrad setzte die Rote Armee zum Gegenschlag an – von 1943 bis Ende 1944 wurden die besetzten Gebiete der Sowjetunion schrittweise durch die Rote Armee zurückerobert. Mit der Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944 war die deutsche Niederlage unausweichlich. Die deutschen Heeresverbände zogen sich bis an die damaligen östlichen Reichsgrenzen zurück. Der gemeinsame Angriff der Westmächte (Großbritannien, USA und Kanada) an drei Fronten in Europa – Landung auf Sizilien (Juli 1943), Landung in der Normandie (Juni 1944) und Landung in Südfrankreich (August 1944) – bildete einen Schritt zu einem absehbaren Ende aller Kämpfe in Europa.[4]

Nach der Überschreitung der deutschen Westgrenze im Raum Aachen im Oktober 1944 durch die Westalliierten und der Ostgrenze durch die Rote Armee in Ostpreußen begannen Kämpfe auf deutschem Territorium. In ihrer Winteroffensive 1945 erreichten Truppen der Roten Armee auf breiter Front die Oder und eröffneten Mitte April die Schlacht um Berlin. Am 25. April 1945 stießen an der Elbe US-amerikanische auf sowjetische Truppen. Nachdem Hitler am 30. April 1945 im Berliner Führerbunker Selbstmord begangen hatte, kapitulierten zwei Tage später die deutschen Truppen der Stadt. Am 8. Mai 1945 unterschrieb Generalfeldmarschall Keitel die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht; der Krieg in Europa war damit beendet. Das Kriegsende wurde von den Siegermächten mit mehreren Paraden gefeiert, darunter die Moskauer Siegesparade von 1945 und die Berliner Siegesparade 1945.

Zweiter Weltkrieg – Kriegsschauplatz Ostasien und Pazifik bis 1942
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Das seit 1940 im Dreimächtepakt mit dem Deutschen Reich und Italien verbündete Kaiserreich Japan hatte am 7. Dezember 1941 bei dem Angriff auf Pearl Harbor den größten Teil der US-Pazifikflotte zerstört. Nun erklärten die USA Japan den Krieg, dem folgten Kriegserklärungen Deutschlands und Italiens an die USA. Die UdSSR blieb gemäß dem Neutralitätspakt vom 13. April 1941 gegenüber Japan vorerst neutral.

Auf der Arcadia-Konferenz in Washington (Dezember 1941/Januar 1942) beschlossen die USA und Großbritannien, zuerst Deutschland als den gefährlichsten Gegner zu besiegen („Germany first“). Aber von 1942 bis 1945 fanden auch in Ostasien (China, Burma, British Malaya, Thailand, Französisch-Indochina, Niederländisch-Indien), auf den Philippinen und vielen Inseln im Pazifik (u. a. auf Neuguinea) langwierige Kämpfe statt. Die japanischen Truppen konnten bis Mitte 1942 viele der europäischen Kolonien und weitere Länder wie Thailand und die Philippinen besetzen. Erst die Schlacht um Midway Anfang Juni 1942, in der die Kaiserlich Japanische Marine vier ihrer sechs großen Flugzeugträger verlor, bewirkte die Wende im Pazifikkrieg. Die alliierten Soldaten konnten in der Folge im „Inselspringen“ auch kleinere Pazifikinseln oft nur mit großen Verlusten besetzen. Um das Ende der Kämpfe in Ostasien zu beschleunigen, befahl der neue US-Präsident Harry S. Truman im Juli 1945, je eine Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki abwerfen zu lassen. Am 2. September 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans.

„Dieser Krieg war ein historisch beispielloser Angriff auf die Menschlichkeit, eine Zerstörung aller kulturellen Ideale, die die Aufklärung hervorgebracht hatte, ein Absturz, wie es ihn bis dahin nicht gegeben hatte. Er war Europas Armageddon.“[5] Neben der Vernichtung von Menschenleben gingen durch die Zerstörung ganzer Städte viele historische Stadtteile und Bauten unwiederbringlich verloren. Auf diesen Verlust folgte der Wiederaufbau betroffener europäischer Städte, deren Stadtbild durch Krieg und Neuerrichtung wie ausgewechselt sein würde.

Im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs änderten sich auch die politischen und sozialen Strukturen in der ganzen Welt. Die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) wurde gegründet, deren ständige Mitglieder im Sicherheitsrat die Hauptsiegermächte des Zweiten Weltkriegs wurden: USA, Sowjetunion, China, Großbritannien und Frankreich. Die europäischen Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich verloren ihre Übersee-Besitzungen, die meisten ihrer Kolonien wurden unabhängig. „Erst mit dem Fall der Mauer 1989 und dem Ende des Kalten Krieges ging die vom Zweiten Weltkrieg […] geprägte Phase der Geschichte zu Ende.“[6]

Benito Mussolini und Adolf Hitler kurz nach ihrer Ankunft in München, 28. September 1938

In den Jahren von 1920 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 erlangte in weiten Teilen Europas der Faschismus beziehungsweise Rechtsextremismus zunehmend die politische Meinungsherrschaft. In Italien bekam Benito Mussolini bereits 1922 mit dem Marsch auf Rom die Macht übertragen. In Deutschland wuchs der Nationalsozialismus nach 1930 zur Massenbewegung heran. Am 30. Januar 1933 wurde ihr und ihren rechtskonservativen Verbündeten die politische Macht übergeben, als Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Dieser bildete aus Nationalsozialisten und Deutschnationalen das Kabinett Hitler.

Die Revision der internationalen Ordnung nach dem Versailler Vertrag, bereits ein Ziel früherer deutscher Regierungen, gehörte zum Programm der Nationalsozialisten und ihrer Verbündeten. Mit der 1935 vollzogenen Vereinigung des Saargebietes mit dem Deutschen Reich und der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht (ebenfalls 1935), dem Einmarsch in das entmilitarisierte Rheinland im März 1936, dem „Anschluss Österreichs“ (März 1938) und der Abtrennung des Sudetenlandes von der Tschechoslowakei im Münchner Abkommen (30. September 1938) wurde die Versailler Friedensordnung schrittweise aufgelöst. Begünstigt wurde dies durch die britische und französische Appeasement-Politik, die auf eine friedliche Verständigung mit dem nationalsozialistischen Deutschland abzielte. Nach der „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ im März 1939 protestierten nur die britische und französische Regierung. Kurz darauf gab Litauen unter dem Druck der Verhältnisse das Memelland an Deutschland zurück. Die Slowakei wurde ein eigener Staat und durch einen „Schutzvertrag“ eng an Deutschland gebunden. Großbritannien und Frankreich wollten das deutsche Expansionsstreben eingrenzen und gaben am 31. März 1939 eine Garantieerklärung für Polen ab, die kurze Zeit später in ein förmliches Bündnis umgewandelt wurde.

Bereits im Oktober 1935 griff Italien, das enge Beziehungen zum Deutschen Reich pflegte, Äthiopien an und besetzte am 7. April 1939 Albanien.

Im Spanischen Bürgerkrieg bekämpften sich von 1936 bis 1939 eine hauptsächlich von Republikanern, Sozialisten und Kommunisten geführte Volksfrontregierung und Anhänger einer Militärrevolte des Generals Francisco Franco. Die Sowjetunion und die französische Volksfront lieferten der „Volksfront“ Waffen und Kriegsmaterial. Italien und Deutschland unterstützten die Truppen der Nationalisten Francos. Die deutsche Regierung entsandte zu diesem Zweck die Legion Condor, die italienische den Corpo Truppe Volontarie (CTV), die entscheidend zum Sieg des Franquismus beitrugen.

Am 23. August 1939 schlossen Deutschland und die Sowjetunion überraschend einen „Nichtangriffsvertrag zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“, später „Hitler-Stalin-Pakt“ genannt. In einem geheimen Zusatzprotokoll wurde die Aufteilung Europas in geographisch genau bezeichnete, aber ansonsten nicht näher definierte „Interessensphären“ beschlossen. Dies lief letztlich hinaus auf die Aufteilung Polens zwischen Deutschland und der Sowjetunion sowie die einseitige Eroberung und Besetzung weiterer Gebiete (unter anderem der baltischen Staaten sowie Teilen von Finnland und Großrumänien) durch die UdSSR.

Von links: Chamberlain, Daladier, Hitler, Mussolini und Graf Ciano, München 29. September 1938

Im Münchener Abkommen (September 1938) verständigten sich Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien auf eine friedliche Lösung der Sudetenkrise, obwohl Hitler insgeheim schon damals eine kriegerische Lösung bevorzugt hätte.

Die japanische Expansionspolitik begann in den 1930er-Jahren, als der Einfluss der militärischen Führung auf die kaiserliche Regierung stärker wurde. Japan verstand sich als Schutz- und Ordnungsmacht, die dazu auserkoren sei, die anderen ostasiatischen Völker zu beherrschen. Die Rohstoffvorkommen und das Reservoir an Arbeitskräften, das die Nachbarländer boten, sollten der japanischen Wirtschaft zugutekommen. Das Hauptinteresse galt zunächst der Republik China, deren stark industrialisierte Region Mandschurei bereits 1931 annektiert und zum Protektorat Mandschukuo erklärt wurde. Als Reaktion auf die internationalen Proteste trat Japan 1933 aus dem Völkerbund aus. Ende 1936 schlossen Deutschland und Japan den Antikominternpakt. Mitte 1937 begann Japan den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg.

Die Möglichkeit, dass ein umfassender Krieg eintreten könnte, wurde von den Großmächten einkalkuliert, sodass sie entsprechende Vorbereitungen trafen. Die Kriegsvorbereitungen umfassten daher beispielsweise die Bevorratung von kriegswichtigen Ressourcen und Gütern sowie die Ausdehnung von Zivilschutzprogrammen.[7]

Achsenmächte

Im europäischen Kontext war der Zweite Weltkrieg ein vom nationalsozialistischen Deutschland ausgelöster Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg mit dem langfristigen Ziel, ein unangreifbares deutsches Großreich aus eroberten und abhängigen Gebieten zu schaffen. Ziel war von Beginn an die deutsche Weltmachtstellung und die „rassistische Neuordnung des [europäischen] Kontinents“.[8] Dabei vermischten sich klassische machtpolitische mit rassenideologischen Motiven. Hierzu zählten einerseits die Gewinnung von „Lebensraum im Osten“ mit Umsiedlung oder Vernichtung der dort lebenden, als „rassisch minderwertig“ angesehenen, vorwiegend slawischen Völker, andererseits die „Endlösung der Judenfrage“. Beides wurde durch die antisemitische Vorstellung eines „jüdischen Bolschewismus“ als Teil einer Verschwörung des „Weltjudentums“ begründet, die in Gestalt der Sowjetunion als Bedrohung der Lebensgrundlagen der „arischen Rasse“ und der durch sie repräsentierten europäischen Zivilisation gesehen wurde.

Das Konzept des Generalplans Ost, 1940 – 1943

Nach dem Willen der nationalsozialistischen Führung sollte die Volksgruppe der Slawen zunächst unterworfen und das eroberte Osteuropa von deutschen Siedlern, sogenannten Wehrbauern, nutzbar gemacht werden (vgl. Karte rechts). Nach Vernichtung ihrer Elite sollten die slawischen Völker für immer ein Reservoir von ungebildeten und unterwürfigen Land- und Hilfsarbeitern stellen. Der europäische Teil der Sowjetunion sollte in Gebiete unter der Leitung von Reichskommissaren aufgeteilt werden. Nur Weißrussen, Ukrainer und baltische Völker wurden als lebenswerte Völker eingestuft. Nach den Worten Alfred Rosenbergs würden „dem Russentum [.] sicher sehr schwere Jahre bevorstehen“.[9]

Die deutsche Strategie sah die Nutzung einer politisch und zeitlich begrenzten Gelegenheit zur strategischen Offensive vor. Sie verfolgte militärische, rassisch-hegemoniale, wirtschaftliche und diplomatische Ziele. In militärischer Hinsicht sollte der Blitzkrieg einen raschen und ausgiebigen Raumgewinn ermöglichen, um der sich abzeichnenden Überlegenheit der gegnerischen Rüstung zuvorzukommen. Damit stellte diese Strategie eine spezielle Ausprägung des Bewegungskriegs in Kombination mit der Entscheidungsschlacht[10] dar, die auf deutsche Erfahrungen im Ersten Weltkrieg zurückgriff. In wirtschaftlicher Hinsicht sollte sie Ressourcen schonen, um die Industriekapazitäten nicht zu Ungunsten der Konsumwirtschaft zu belasten. In der deutschen Bevölkerung sollte keine Unzufriedenheit wegen einer möglichen materiellen Verknappung entstehen. Zur Sicherung der „Heimatfront“ und im Sinne einer optimalen Nutzung der eroberten Kapazitäten wurde ein Zweifrontenkrieg zunächst vermieden, aber am 31. Juli 1940 verkündete Hitler auf dem Berghof bei Berchtesgaden seinen Generälen die schwerwiegendste Entscheidung, die er während des Zweiten Weltkrieges traf: „Im Zuge dieser Auseinandersetzung muss Russland erledigt werden. Frühjahr 1941.“ (Eintrag in Halders Kriegstagebuch, 31. Juli 1940).[11] Drittens sollte die Ausplünderung der besetzten Territorien, vor allem in Ostmittel- und Osteuropa, die Versklavung ihrer Bewohner zugunsten des Deutschen Reiches und seiner „arischen“ Bevölkerung die rassisch motivierten Hegemonialvorstellungen des Nationalsozialismus verwirklichen. Die diplomatische Gewinnung von europäischen und außereuropäischen Verbündeten sollte diese Hegemonialstellung absichern.

Die Empörung über den Versailler Vertrag, insbesondere die harten und als ungerecht empfundenen Reparationsforderungen sowie die einseitige Schuldzuweisung an die Mittelmächte fanden in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung Widerhall.[12] Die Revision des Versailler Vertrags und die Rückkehr des Deutschen Reiches in den Kreis der Großmächte waren stets mit besonderem Nachdruck von der deutschen Generalität, dem monarchistisch und antirepublikanisch gesinnten Teil des deutschen Bürgertums und der wirtschaftlichen Elite angestrebt worden. Für die Nationalsozialisten waren sie lediglich ein Etappenziel.

In der geheimen Denkschrift zum Vierjahresplan forderte Hitler im August 1936 die Einsatzfähigkeit der deutschen Armee und die Kriegsfähigkeit der Wirtschaft innerhalb von vier Jahren, um eine kriegerische „Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis“ für das Deutsche Reich zu erzielen.[13] Am 5. November 1937 präzisierte er vor den militärischen und außenpolitischen Führungskräften des Reiches seine Kriegsziele. Er lehnte Autarkie und Rückkehr Deutschlands zum Welthandel ab; nur der Erwerb eines größeren Lebensraumes sei ein Ausweg. Sein unabänderlicher Entschluss sei, spätestens 1943/45 die deutsche Raumfrage zu lösen.[14]

Nach dem 13. Oktober 1943, dem Tag der Kriegserklärung der Badoglio-Regierung in Italien, befand sich das Deutsche Reich im Kriegszustand mit 34 Staaten[15] und hatte nur noch das Kaiserreich Japan als nennenswerten Verbündeten. Diese beiden Staaten kämpften, unabhängig voneinander, einen aussichtslosen Krieg gegen den Rest der Welt. Weitere 18 Staaten erklärten dem Deutschen Reich bis März 1945 den Krieg. Deutschlands bisherige Verbündete in Südosteuropa, Ungarn und Rumänien, schieden 1944 aus. Finnland unterzeichnete am 19. September 1944 einen separaten Waffenstillstand mit der UdSSR. Bulgarien wurde im September von der Roten Armee besetzt, obwohl es sich nicht im Kriegszustand mit der Sowjetunion befand. In Serbien, Kroatien, Mazedonien und Montenegro wurden im Dezember 1944 „Volksregierungen“ gebildet, nachdem die Rote Armee Ende Oktober 1944 Belgrad besetzt und Tito sich in Moskau über das weitere Vorgehen verständigt hatte.[16] Nach dem Rückzug der Wehrmacht bildete sich in Tirana am 10. November 1944 eine kommunistische Regierung des Partisanen-Obersten Enver Hoxha.

Mit dem Vertrag von Saint-Germain fielen nach dem Ersten Weltkrieg Julisch Venetien, Istrien, das Trentino sowie das deutschsprachige Südtirol an Italien. Im Oktober 1935 überfiel es das Kaiserreich Abessinien (heute Äthiopien) und annektierte das Land. Diese völkerrechtswidrige Annexion war Teil von Mussolinis erklärtem Ziel, das Römische Reich wiedererstehen zu lassen. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 nahm Mussolini eindeutig Stellung zugunsten des nationalsozialistischen Deutschland. Ohne Hitler vorher in Kenntnis zu setzen, ließ er Anfang April 1939 Albanien besetzen und behauptete, diese sei das Gegenstück zur deutschen Annexion Tschechiens rund vier Wochen zuvor.[17] Im sogenannten Stahlpakt vom Mai 1939 band sich Mussolini vertraglich an Hitler und das Deutsche Reich. Mit Italiens Kriegserklärung an Frankreich und Großbritannien trat das Land am 10. Juni 1940 in den Krieg in Europa ein, weil Mussolinis Fehlspekulation diesen glauben ließ, dieser sei so gut wie beendet.[18] Der Dreimächtepakt Ende September 1940 schuf zwischen Deutschland, Italien und Japan die Achse Berlin-Rom-Tokio. Ein knappes Jahr später schloss sich Mussolini am 23. Juni 1941 auch dem deutschen Krieg gegen die Sowjetunion an. Vier Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor erfolgte die Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die USA. Nach der Landung britischer und amerikanischer Truppen auf Sizilien im Juli 1943 überstimmte die innerparteiliche Opposition im Großen Faschistischen Rat Mussolini und ließ ihn nach einem anschließenden Besuch bei König Viktor Emanuel III. verhaften. Italien schied nach dem Waffenstillstand von Cassibile aus dem Achsenbündnis aus und trat auf der Seite der Alliierten erneut in den Krieg ein.

Beginn der japanischen Besetzung Chinas, hier: der Verbotenen Stadt in Peking, 13. August 1937

Seit der Modernisierung im Zuge der Meiji-Restauration in den Jahren 1868 bis 1877 strebte das japanische Kaiserreich eine territoriale Ausdehnung auf dem asiatischen Kontinent an, die vor allem der Sicherung wichtiger Rohstoffe dienen sollte. Diese Ziele konzentrierten sich besonders auf die als schwach eingeschätzte Republik China. Von einer expansiven Dynamik ermutigt, betrachtete Japan die zunehmenden Spannungen in Europa als Gelegenheit, dem wachsenden Einfluss der USA im westlichen Pazifischen Ozean (Commonwealth der Philippinen und US-Außengebiete) entgegenzutreten. Zu den geostrategischen Überlegungen kamen die häufige Einmischung der Streitkräfte in die Angelegenheiten der zivilen Führung und eine wechselseitige kulturelle Aversion zwischen breiten Bevölkerungsschichten in Japan und den Vereinigten Staaten.

Japan sah sich, ähnlich dem Deutschen Reich in Europa, einer sich im Laufe der Jahre verschlechternden strategischen Ausgangslage in Ostasien gegenübergestellt. Ursache war vor allem seine bündnispolitische Isolation. Dem vorwiegend US-amerikanischen Unwillen, die japanische Ausdehnung in der Region hinzunehmen, schlossen sich China, die Sowjetunion und die europäischen Kolonialmächte grundsätzlich an. Konkret sah sich das japanische Kaiserreich in einem vierfachen geostrategischen Kontext bedroht.[19] Im Osten war dies die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor, im Norden die Sowjetunion, im Westen China sowie im Süden/Südwesten neben den unter US-amerikanischer Führung stehenden Philippinen auch British-Malaya und -Nordborneo, Französisch-Indochina sowie Niederländisch-Indien. Daneben war das zum britischen Commonwealth gehörende Australien mit seinem MandatsgebietTerritorium Neuguinea“ aufgrund der räumlichen Ausdehnung und Lage als Operationsbasis gegen Japan geeignet.

Diese geostrategische Ausgangslage veranlasste die japanische Führung, ähnlich wie die deutsche, zu einer Mischung diplomatischer Instrumente mit einem Bewegungskrieg. Sie schloss daher nach gescheitertem Vordringen auf sowjetisches Gebiet im Jahre 1938/39 mit der UdSSR im April 1941 einen Neutralitätspakt. Der Angriff auf Pearl Harbor der Kaiserlich Japanischen Marineluftstreitkräfte, deren Aufbau angesichts der Einschränkungen des Washingtoner Flottenabkommens qualitativ ausgerichtet war, beabsichtigte vor allem, der Marine der Vereinigten Staaten angesichts ihrer zunehmenden Rüstung einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Auch in Südostasien selbst konzentrierte sich Japan im ersten Schritt auf die Neutralisierung konzentrierter militärischer Ressourcen, beispielsweise der Ansammlung von B-17-Langstreckenbombern auf den Inseln des Philippinen-Archipels. Die folgende japanische Invasion Südostasiens diente der Beschaffung von Rohstoffen, vorrangig von Erdöl, und sollte den USA den Nachschubweg nach Australien abschneiden.

Alliierte

An der Westfront sahen die Kriegsplanungen der Westmächte, ähnlich wie im Ersten Weltkrieg, im Wesentlichen eine Abnutzung des deutschen Heeres vor. Sie sollte durch Bombardierungen der großen Städte und Blockade des deutschen Wirtschaftskreislaufes ergänzt werden.[10]

Die kommunistische Führung sah die Sowjetunion von einer prinzipiell feindlich gesinnten kapitalistischen Welt umgeben und hielt einen Krieg für unvermeidlich. Für sie galt es, den Krieg so lange hinauszuzögern, bis die Fünfjahrespläne das Potenzial geschaffen hätten, um einer Auseinandersetzung gewachsen zu sein. Aber dieses Ziel schloss eine Offensive nicht aus, um das eigene Gewicht bei günstiger Gelegenheit entscheidend in die Waagschale zu werfen. Mit dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt glaubte Stalin, ein gemeinsames Vorgehen der kapitalistischen Mächte gegen die Sowjetunion verhindert zu haben und die Rolle eines Zuschauers bei der Selbstzerstörung des Kapitalismus für längere Zeit einnehmen zu können.[20]

Die Sowjetunion eignete sich nach dem Beginn des Unternehmens Barbarossa bewusst Lehren der vorangegangenen deutschen Aufrüstung an. Zu Lande folgte sie dem deutschen Beispiel der Heeresgruppe, deren Kernstück mobile und schwer gepanzerte Divisionen bildeten, und gründete zentral koordinierte Luftflotten, die durch deutliche Verbesserung im Informationsfluss eine zielgerichtete Luftnahunterstützung ermöglichten. Stalin delegierte nach der vorangegangenen, politisch motivierten Dezimierung des Offizierskorps die operative Führung an Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow, dessen überdurchschnittliche Kompetenzen die erfolgreiche Führung von mehreren Millionen Mann ermöglichten.[21]

Vergleich der militärischen Potenziale

Größe der Streitkräfte (in Millionen):[22][23]

Jahr GB UdSSR USA D.R. Japan Italien
1939 0,48 1,60 0,60 4,52 1,60 1,74
1940 2,27 5,00 0,70 5,76 1,70 2,34
1941 3,38 7,10 1,62 7,31 1,63 3,23
1942 4,09 11,34 3,97 8,41 2,84 3,81
1943 4,76 11,86 9,02 9,48 3,70 3,82
1944 4,97 12,23 11,41 9,42 5,38 [24]

Kriegswirtschaft

US-amerikanisches Kriegsplakat: „Wir können diesen Krieg nicht gewinnen, ohne dass auch wir an der Heimatfront Opfer bringen.“

„Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg“ war der Umbau der Volkswirtschaften zu einer Zentralverwaltungswirtschaft durch totale Mobilisierung ökonomischer Ressourcen zur Sicherung der materiellen Versorgung der Armee und der Ernährung der Bevölkerung, um die Kriegsziele im Zweiten Weltkrieg um jeden Preis zu erreichen. Dabei wurden Marktmechanismen ausgehebelt. Während anfangs die jeweilige Militärtaktik entscheidend war, beeinflusste die quantitative Übermacht der Kriegsproduktion der Alliierten den Kriegsverlauf ab 1942 wesentlich.[25] NS-Deutschland und Japan verfolgten eine Blitzkriegstaktik, für die eine hohe Auslastung der vorhandenen Industrieanlagen zur Herstellung einer breiten Palette an modernen Waffensystemen (Breitenrüstung) ausreichen sollte und waren nicht auf einen längeren Krieg vorbereitet. Das Ziel der Alliierten war, den Zweiten Weltkrieg nach Art eines Abnutzungskriegs zu gewinnen. Die Sowjetunion hatte seit 1928 systematisch eine hochstandardisierte Massenproduktion von Waffen herbeigeführt (Tiefenrüstung). Großbritannien und die USA hatten nach Kriegsbeginn ebenfalls damit begonnen, die Kriegswirtschaft bei der Zuteilung knapper Ressourcen wie Material, Personal und Produktionsmitteln gegenüber der Konsumgüterindustrie vorzuziehen. Erst nach dem offenkundigen Scheitern der Blitzkriegsstrategie erfolgte seit 1942 im Deutschen Reich und in Japan eine Umorganisation der Kriegswirtschaft, die dann zu ähnlich hohen Produktionsniveaus wie bei den Alliierten führte (Rüstungswunder). 1944 umfasste die Kriegsgüterproduktion in den USA 40 % des Bruttonationaleinkommens, in Großbritannien und Japan je 50 % und im Deutschen Reich etwas über 50 %.

Eine verbreitete Kriegsstrategie war auch, die gegnerischen Parteien von Rohstoff- und Lebensmittelimporten abzuschneiden. Beim Ersatz von knappen Rohstoffen durch „Heimstoffe“ entwickelte das Deutsche Reich einen hohen Einfallsreichtum. Über die „Metallspende des deutschen Volkes“ wurden zusätzlich kriegswichtige Buntmetalle wie Kupfer, Messing, Zinn, Zink usw. beschafft.

Die Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg führte vor allem bei den Alliierten zu einer deutlichen Ausweitung der Frauenarbeit. Im Deutschen Reich, in Japan und der Sowjetunion kam es verbreitet zu Zwangsarbeit.

Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg:[26]

Sektor GB UdSSR USA D.R. Japan Italien
Panzer 28.500 110.000 91.270 61.250 7.200 leichte Pz(**)
Flugzeuge 133.000 162.000 329.000 126.000 90.000 k. A.
Artillerie 36.400 541.900 219.000 101.200 k. A. k. A.
Kriegsschiffe 1.340 260 8.950 1.540(*) 625 k. A.
(*) ohne U-Boote
(**) überwiegend Fiat-Pz mit 2-cm-Kanone

Flottenvergleich (1939/41):[27]

Schiffstyp GB UdSSR USA D.R. Japan Italien
Schlachtschiffe 15 1 + 2 (im B.) 17 + 15 (im B.) 4 10 + 3 (im B.) 4 + 4 (im B.)
Panzerschiffe - - - 3 - -
Flugzeugträger 7 - 7 + 11 (im B.) - 8 + 8 (im B.) -
Schwere Kreuzer 15 6 + 4 (im B.) 18 + 8 (im B.) 3 18 + 18 (im B.) 8
Leichte Kreuzer 41 - 19 + 32 (im B.) 6 20 + 17 (im B.) 14
Flakkreuzer 8 - 4 + 2 (im B.) - - -
Minenleger-Kreuzer 1 - - - - -
Zerstörer 113 81 171 + 188 (im B.) 22 108 + 108 (im B.) 128
Torpedoboote - 269 - 20 - 62
U-Boote 65 213 114 + 79 (im B.) 62 63 115

Vom Überfall auf Polen bis zur Niederlage Frankreichs, September 1939 bis Juni 1940

In der ersten Phase des Krieges eroberten und besetzten Deutschland (von Westen kommend) und die Sowjetunion (von Osten kommend) Polen (ab 1. bzw. 17. September 1939), eroberte Deutschland Dänemark und Norwegen (April–Juni 1940) sowie die Niederlande, Belgien und Frankreich (Mai–Juni 1940). Die schnelle Niederlage Frankreichs kam für die meisten Menschen unerwartet, nicht zuletzt für Josef Stalin.[28] Dennoch erreichte Hitler sein Hauptziel nicht, Großbritannien aus dem Krieg herauszuhalten, zur Aufgabe zu zwingen oder militärisch zu besiegen. Dies wurde spätestens im Oktober 1940 während der Luftschlacht über England deutlich. Großbritannien blieb der einzige Staat, der vom Beginn des Krieges an durchgehend handlungsfähiger Gegner Deutschlands war.

Hitler hatte am 23. August den Angriff für den 26. August um 4:30 Uhr festgelegt,[29] zog den Befehl aber am Vortag kurzfristig zurück, nachdem er erfahren hatte, dass Italien nicht kriegsbereit sei und England und Polen ihre gegenseitigen Zusagen vertraglich fixiert hatten.

Hitler befahl nunmehr am 31. August 1939 den Angriff der Wehrmacht auf Polen um 4:45 Uhr des folgenden Tages. Diese Weisung enthielt auch taktische Weisungen für das Verhalten der Wehrmacht im Westen und Norden (Ostsee-Eingänge Kattegat und Skagerrak) und verbot Angriffe gegen „das englische Mutterland“ mit unzureichenden Teilkräften.[30]

Deutsche Soldaten und Danziger Landespolizisten stellen die Zerstörung eines polnischen Schlagbaums an der Grenze zur Freien Stadt Danzig nach, 1. September 1939

Diesem militärischen Überfall auf das Nachbarland[31] ging keine formale Kriegserklärung voraus. Um die Invasion Polens zu rechtfertigen, fingierte die deutsche Seite mehrere Vorfälle, so zum Beispiel den vorgetäuschten Überfall auf den Sender Gleiwitz von als polnische Widerstandskämpfer verkleideten SS-Angehörigen am 31. August. Dabei verkündeten diese in polnischer Sprache über Radio wahrheitswidrig eine Kriegserklärung Polens an das Deutsche Reich. Der fadenscheinige Trick wurde von Berlin aus mit dem Kennwort „Großmutter gestorben“ ausgelöst. Fast drei Millionen deutsche Soldaten waren aufmarschiert, um Polen zu überfallen. Sie hatten rund 400.000 Pferde und 200.000 Fahrzeuge zur Verfügung. 1,5 Millionen Mann waren bis zur polnischen Grenze vorgerückt, viele mit Platzpatronen, um vorzutäuschen, sie zögen nur ins Manöver. Mit der Unklarheit war es jedoch vorbei, als sie Befehl erhielten, scharfe Munition zu laden.[32]

Wieluń nach dem Luftangriff, 1. September 1939
Links Panzer-Kampfwagen I und II beim Vormarsch nahe Bromberg im Polnischen Korridor, September 1939. Rechts, im Sd.-Kfz 251 mit Vorrichtung für einen Sonnenschutz, General Heinz Guderian

Den militärischen Angriff begannen das deutsche Linienschiff Schleswig-Holstein auf die polnische Stellung „Westerplatte“ bei Danzig und die Luftwaffe mit dem Luftangriff auf Wieluń am 1. September 1939. Die polnische Armee mit ungefähr 1,01 Millionen Soldaten stand 1,5 Millionen deutschen Soldaten gegenüber.[33] Technisch und in der Art der Kriegführung war sie unterlegen. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Ostpolen am 17. September 1939 wurde das Kräfteverhältnis nochmals dramatisch zu Gunsten der Aggressoren verschoben. Die polnische Regierung rechnete andererseits mit der Unterstützung durch Frankreich und Großbritannien, die am 2. September aufgrund der „Garantieerklärung vom 30. März 1939“ ein Ultimatum an das Deutsche Reich gestellt hatten. Es forderte den sofortigen Rückzug aller deutschen Truppen aus Polen. Die britisch-französische Garantieerklärung hätte diese Staaten verpflichtet, spätestens 15 Tage nach einem deutschen Angriff eine eigene Offensive im Westen Deutschlands zu beginnen. Hitler nahm an, dass die beiden Westmächte ihn ebenso wie beim Einmarsch in die „Rest-Tschechei“ gewähren lassen würden, und ließ den Westwall nur schwach besetzen.

Tonaufnahme: Premierminister Chamberlain informiert in einer Radioansprache vom 3. September 1939 die britische Bevölkerung über die Kriegserklärung an Deutschland

Ein Angriff der Westmächte blieb aus, jedoch erklärten Großbritannien und Frankreich am 3. September nach Ablauf des Ultimatums Deutschland den Krieg. Die Kriegsregierung Chamberlain hatte jedoch nur sieben Monate Bestand, während derer Großbritannien im Sitzkrieg weitgehend passiv blieb.

Mittels konzentrierter Angriffe im Rahmen einer „Blitzkrieg“-Strategie gelang es der Wehrmacht, große Truppenteile der polnischen Verteidiger einzuschließen und Kesselschlachten wie bei Radom (9. September) und an der Bzura (bis zum 19. September) für sich zu entscheiden.

In der Nacht zum 17. September, nach der Zerschlagung der organisierten polnischen Verteidigung durch die Wehrmacht, begann die sowjetische Besetzung Ostpolens in Übereinstimmung mit dem geheimen Zusatzprotokoll des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes. Am nächsten Tag floh die polnische Regierung von Warschau über Südostpolen nach Rumänien.[33] Am 28. September trat Präsident Ignacy Mościcki im rumänischen Exil von seinem Amt zurück.[33] Erst am 18. Dezember 1939 erklärte die neue Polnische Exilregierung den Kriegszustand mit der Sowjetunion. Großbritannien und Frankreich schlossen sich dem nicht an.

Warschau war vom 20. September bis zur Kapitulation Ziel intensiver Luftangriffe, die 25.000 Zivilisten und 6000 Soldaten das Leben kosteten.[34] Die Bombardements erfolgten mit maximaler Stärke, weil Hitler demonstrieren lassen wollte, was auch französische und britische Städte treffen könne.[35] Am 26. September kapitulierten rund 120.000 polnische Soldaten in der Hauptstadt Warschau,[36] nachdem sie am 18. September von deutschen Truppen eingeschlossen worden waren. Die Festung Modlin wurde nach 16-tägiger Belagerung am 29. September übergeben. Polens letzte Truppen kapitulierten am 6. Oktober nach der Schlacht bei Kock.

Am 8. Oktober teilten das Deutsche Reich und die Sowjetunion im Abkommen von Brest-Litowsk das eroberte Gebiet entlang einer Demarkationslinie, was als die „Vierte Teilung Polens“ in die Geschichte einging. Nicht nur die nach dem Versailler Vertrag abgetretenen Gebiete wurden wieder in das Reich eingegliedert, sondern darüber hinaus weite Bereiche Zentralpolens einschließlich der Stadt Łódź. Der Rest Polens wurde deutsches Generalgouvernement, das von Krakau aus „verwaltet“ wurde.

Die anschließende Besatzungszeit war von extremen Repressalien der Besatzer gegen die Zivilbevölkerung geprägt. Deportationen zur Zwangsarbeit waren nur die sichtbarste Ausprägung, insbesondere Juden wurden Opfer der nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungspolitik. Im östlichen Teil Polens wurden zahlreiche „Klassenfeinde“ von den sowjetischen Besatzern in den Gulag deportiert; die militärische Elite wurde bei Katyn und anderswo „liquidiert“.[37]

Die auf einen schnellen Sieg ausgelegte – und hierbei erfolgreiche – Taktik beim Angriff auf Polen förderte die Verwendung des Begriffs „Blitzkrieg“ und prägte die weitere Kriegführung Deutschlands bis Ende 1941.

Lautsprecherwagen der NSDAP an der Front am Oberrhein, 1939

Am 3. September erklärten Frankreich und Großbritannien Deutschland den Krieg. Aufgrund dessen begann am 5. September eine begrenzte und eher symbolische Offensive der Franzosen gegen das Saargebiet. Die Deutschen leisteten keinen Widerstand und zogen sich zum stark befestigten Westwall zurück. Danach blieb es ruhig an der Westfront. Diese Phase wird auch als „Sitzkrieg“ bezeichnet.[38] Bis auf vereinzelte Artilleriescharmützel erfolgten keine alliierten Angriffe. Auf deutscher Seite rollte die Propagandamaschinerie an. Mit Flugblättern und Parolen über Lautsprecher fragte man die Franzosen „Warum führt ihr Krieg?“ oder verkündete „Wir werden nicht zuerst schießen“.

Am 27. September erging eine Weisung Hitlers an das Oberkommando des Heeres zur Ausarbeitung eines Angriffsplans, des sogenannten „Fall Gelb“. Bis zum 29. Oktober waren die Planungen abgeschlossen. Sie sahen vor, dass zwei Heeresgruppen durch die Niederlande und Belgien vorstoßen sollten, um somit sämtliche alliierten Kräfte nördlich der Somme zu zerschlagen.

Letztlich fand jedoch 1939 kein Angriff statt, da aufgrund schlechter Witterungsbedingungen und viel größerer Verluste in Polen als erwartet (22 % Verluste bei Kampfflugzeugen, 25 % bei Panzern) der Angriff insgesamt neunundzwanzigmal verschoben wurde. Außerdem hatten mehrere hohe Offiziere des Oberkommandos des Heeres, das in Zossen bei Berlin stationiert war, den Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Walther von Brauchitsch, gedrängt, sich einem verfrühten Einsatz des Heeres gegen Frankreich zu widersetzen. Am 5. November warnte dieser Hitler davor, die Franzosen zu unterschätzen. Außerdem hätten sich deutsche Truppen beim Überfall auf Polen als schlecht ausgebildet erwiesen. Hitler war außer sich und wollte Beispiele dafür hören. Darauf war Brauchitsch nicht vorbereitet. Hitler warf den gedemütigten General mit der Bemerkung hinaus, er kenne „den Geist von Zossen“ und sei bereit, „ihn zu vernichten“.[39] Generalstabschef Franz Halder fürchtete eine Aufdeckung seiner Staatsstreichsondierungen, und die eigentlichen Regimegegner, im Kern die Gruppe jüngerer Offiziere im OKH, gaben ihre Staatsstreichpläne auf.[40]

Finnland hatte sich seit Beginn der 1930er-Jahre dem Entwicklungsstand der anderen nordischen Demokratien angepasst, mit denen es konfessionell durch seine protestantisch-lutherische Prägung verwandt war. Auf außenpolitischem Gebiet rückten sie näher zusammen, als sich im Herbst 1933 Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark sowie Belgien, Luxemburg und die Niederlande zu den sogenannten Oslo-Staaten zusammenschlossen, die sich zu einer engen Zollunion bekannten. 1935 legte sich die finnische Regierung Toivo Kivimäki auf eine engere Zusammenarbeit mit den drei anderen skandinavischen Staaten zwecks Sicherung der gemeinsamen Neutralität fest.[41]

Simo Häyhä, während des Winterkrieges (Dez. 1939 – März 1940) als Scharfschütze eingesetzt und von Soldaten der Roten Armee als „Weißer Tod“ bezeichnet, tötete mehr als 500 sowjetische Soldaten während der Schlacht von Kollaa
Finnische Maschinengewehr­stellung bei Pitkjaranta (heutiger russ. Name) am Nordostufer des Ladoga-Sees, etwa 100 m vor der sowjetischen Front, 21. Febr. 1940

Am 30. November 1939 überschritten sowjetische Truppen unter dem Kommando des Marschalls Kirill Merezkow im sogenannten Winterkrieg die finnische Grenze. Die Rote Armee griff mit 450.000 Mann, 2.000 Panzern und 1.000 Flugzeugen an[42] und erwartete einen schnellen Sieg. Deren Offiziere nahmen an, die Finnen würden sie als ihre Brüder und Befreier von den kapitalistischen Unterdrückern begrüßen. Die sowjetische Führung unterschätzte die Kampfkraft der Finnen, die mit nur 200.000 Soldaten, darunter vielen Reservisten und Jugendlichen, wenigen Panzern und Flugzeugen die Angreifer der Roten Armee am Durchbruch der Mannerheim-Linie nach hohen sowjetischen Verlusten hindern konnten. Finnische Soldaten nutzten einfache, aber effektive Brandsätze zur Panzerbekämpfung, die von ihnen nach dem Außenminister der Sowjetunion „Molotowcocktail“ genannt wurden.[43] Die zahlenmäßige Übermacht der sowjetischen Truppen wirkte sich nicht besonders aus, weil das Waldgelände und der tiefe Schnee Operationen der Roten Armee abseits der wenigen Straßen kaum zuließen und oft nur ein Regiment vorne an befestigten Straßen kämpfen konnte.[44] Zu diesen Widrigkeiten kamen Temperaturen von minus 35 °C hinzu.[45] Am Ende des Winterkrieges hatte die Rote Armee mehr als 85.000 Tote und Vermisste zu beklagen, die finnische Armee ca. 27.000 Mann.[46] Die finnische Armee wurde durch 12.000 Freiwillige aus Schweden unterstützt, obwohl schwedische Militärs davon abgeraten hatten. Erst nach umfassenden Umgruppierungen und Verstärkungen konnte die Rote Armee Anfang Februar 1940 auf der Karelischen Landenge westlich des Ladoga-Sees größere Durchbrüche erzielen.[47]

Finnische Gebietsverluste im Frieden von Moskau (1940) und im Frieden von Paris (1947)

Schweden unterstützte Finnland indirekt, ohne seine Neutralität aufzugeben. Großbritannien und Frankreich griffen nicht zugunsten der Finnen in den Krieg ein, da beide Staaten keinen weiteren Kriegsgegner haben wollten. Das Deutsche Reich sympathisierte zwar mit Finnland, eine militärische Unterstützung erfolgte jedoch wegen des bestehenden Nichtangriffspakts mit der Sowjetunion nicht.

Der Friedensvertrag, der am 12. März 1940 unterzeichnet wurde, legte fest, dass Finnland große Teile West-Kareliens und die Nordhälfte des Ladoga-Sees an die Sowjetunion abtreten musste. Als direkte Reaktion auf den sowjetischen Angriff nahm Finnland 1941 im Fortsetzungskrieg am deutschen Krieg gegen die Sowjetunion teil, um die verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Eine wesentliche Folge des Winterkriegs war auch, dass Stalin mit einer Reorganisation der Roten Armee begann, in deren Verlauf Offiziere rehabilitiert wurden, die im Zuge des Großen Terrors nach Sibirien verbannt worden waren. Diese Reorganisation trug erheblich dazu bei, dass die Rote Armee 1941 mehr Kampfkraft hatte, als das Oberkommando des deutschen Heeres angenommen hatte. 1947 musste Finnland auch Petsamo an die Sowjetunion abtreten. Am Ende des Krieges hatten die Finnen knapp 27.000, die Rote Armee jedoch fast 130.000 Soldaten bei den Kämpfen verloren.[48] Nach dem Ende des Fortsetzungskrieges musste Finnland 1944 auch das Gebiet von Petsamo an der Barentssee an die Sowjetunion abtreten. Finnland verlor damit seinen einzigen ganzjährig eisfreien Hafen.[49]

Norwegen und Westfeldzug 1940

Zum Ende des Jahres 1939, nach dem Ausfall der Eisenerzeinfuhren aus Frankreich (lothringische Minette), deckten die Erzlieferungen aus dem neutralen Schweden 49 Prozent des deutschen Bedarfs. Diese wurden von den schwedischen Abbaugebieten bei Kiruna mit der Erzbahn zum ganzjährig eisfreien Verladehafen Narvik in Norwegen transportiert. Norwegen hatte daher für das Deutsche Reich eine außerordentliche wirtschaftliche und militärische Bedeutung. Ein weiterer wichtiger Rohstoff war das finnische Nickel. Die Briten wollten diese wichtigen Rohstofflieferungen stören und frühestmöglich unterbinden (→Altmark-Zwischenfall), weswegen am 5. Februar 1940 im obersten franko-britischen Kriegsrat die Landung von vier Divisionen in Narvik vereinbart worden war. Am 21. Februar erging eine Weisung Hitlers für die Planung von Unternehmen in Skandinavien. Am 1. März wurde das Unternehmen Weserübung beschlossen. Es sah vor, Dänemark einzunehmen und als „Sprungbrett“ für die Eroberung Norwegens zu benutzen. Im März kam es zu ersten Angriffen auf britische Kriegsschiffe.

Am 5. April begann die alliierte Operation Wilfred, in der die Gewässer vor Norwegen vermint und weitere Truppen ins Land gebracht werden sollten. Einen Tag später lief das deutsche Unternehmen Weserübung an. Dabei wurde fast die gesamte Kriegsmarine mobilisiert und die Hälfte der gesamten deutschen Zerstörerflottille nach Narvik geschickt. Am 9. April wurde eine Gebirgsjäger-Division in Narvik angelandet.

Panzerspähwagen der Wehrmacht in Viborg (Dänemark), April 1940

Die britische militärische Führung hielt eine Landung der Deutschen für recht unwahrscheinlich, was dazu führte, dass von alliierter Seite nur geringe Gegenmaßnahmen getroffen wurden. Die Deutschen konnten ihren Brückenkopf ohne größeren Widerstand ausweiten, sodass am 10. April bereits Stavanger, Trondheim und Narvik besetzt wurden, nachdem zuvor bereits Dänemark kampflos besetzt worden war.[50] Großbritannien besetzte am 12. April aus strategischen Gründen die dänischen Färöer im Nordatlantik.

Deutsche Soldaten im Kampf um ein brennendes Dorf in Norwegen, 40 km westlich Lillehammer, April 1940

Beim Versuch, die Hauptstadt Oslo zu besetzen, wurden schwere Einheiten der Kriegsmarine eingesetzt, die im engen Fahrwasser des Oslofjordes wenig geeignet waren. Dabei wurde das deutsche Flaggschiff, der Schwere Kreuzer Blücher, deren erster Kampfeinsatz ihr letzter war, durch norwegische Küstenbatterien versenkt. Oslo wurde, später als von den Deutschen geplant, von Luftlandetruppen eingenommen.

Am 13. April versenkten neun Zerstörer und das Schlachtschiff HMS Warspite bei einem zweiten britischen Angriff die restlichen acht noch im Ofotfjord vor Narvik befindlichen deutschen Zerstörer. Zwei Leichte Kreuzer der Kriegsmarine und zahlreiche Frachter wurden von britischen U-Booten und Flugzeugen der Royal Air Force ebenfalls versenkt.

Am 17. April landeten die Alliierten schließlich bei Narvik und setzten die Truppen der Wehrmacht bei gleichzeitigem massiven Beschuss durch Schiffe der Royal Navy unter starken Druck. Bis zum 19. April wurden große alliierte Verbände, darunter polnische Soldaten und Teile der Fremdenlegion, in Norwegen angelandet. Sie eroberten Narvik und drängten die Gebirgsjäger der Wehrmacht in die Berge zurück.

Inzwischen verbesserte sich das Wetter in Norwegen, sodass die Wehrmacht ihre Fronten festigen und bei Angriffen deutscher Flugzeuge am 3. Mai vor Namsos ein britischer und ein französischer Zerstörer versenkt werden konnten.

Noch im selben Monat beschloss Churchill wegen der deutschen Erfolge in Frankreich den Abzug der Alliierten aus Norwegen. Bevor die 24.500 Soldaten evakuiert werden konnten, gelang es ihnen jedoch noch, in Narvik einzudringen und den wichtigen Hafen zu zerstören. Am 10. Juni kapitulierten schließlich die verbliebenen Soldaten der norwegischen Streitkräfte, woraufhin das Unternehmen Weserübung abgeschlossen war.

Norwegen unter deutscher Besatzung wurde Reichskommissariat und Teil des deutschen Herrschaftsgebietes, sollte jedoch nach dem Willen Hitlers als selbständiger Staat bestehen bleiben. Im weiteren Verlauf wurde Norwegen stark befestigt, weil Hitler eine Invasion befürchtete. Im Februar 1942 wurde eine Marionettenregierung unter Vidkun Quisling eingesetzt.

Am 10. Mai 1940 begann der Angriff deutscher Verbände („Fall Gelb“) mit insgesamt sieben Armeen auf die neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg. 136 deutsche Divisionen standen rund 137 alliierten gegenüber.

Rotterdam nach Bombenangriff im Mai 1940 und anschließender Enttrümmerung (1942)

Als erste stellten die Niederlande ihren Widerstand ein. Am 13. Mai gingen Königin Wilhelmina und die Regierung ins Exil nach London. Nach dem schnellen Vorstoß der Heeresgruppe A durch das Großherzogtum und Bombardierung Rotterdams, bei der 814 Einwohner der Stadt ums Leben kamen,[51] kapitulierten die niederländischen Streitkräfte am 15. Mai 1940. Drei Tage später übernahm der ehemalige Führer der österreichischen Nationalsozialisten, Arthur Seyß-Inquart, das Amt des Reichskommissars für die Niederlande. Die niederländischen Inseln Aruba und Curaçao (Südamerika) hatten im Weltkrieg wegen ihrer weltgrößten Erdölraffinerien große strategische Bedeutung, weswegen sie 1942 von deutschen und italienischen U-Booten beschossen wurden.

Kampflose Ankunft motorisierter deutscher Truppen im Zentrum von Brüssel, 17. Mai 1940

Die belgische Armee leistete etwas länger Widerstand. Bis zum 16. Mai wurden die Festungen Lüttich, Namur und die Dyle-Stellung eingenommen, am 17. Mai Brüssel und tags darauf Antwerpen. Dadurch gelang es den deutschen Angreifern, die belgischen Truppen nördlich dieser Linie von den britischen und französischen Verbänden abzuschneiden, die inzwischen nach Belgien vorgerückt waren. Die belgische Regierung flüchtete über Frankreich nach Großbritannien. Am 28. Mai unterzeichnete der im Lande gebliebene König Leopold III. gegen den Willen des Kabinetts die Kapitulation.[52] Regierungspräsident Eggert Reeder wurde Chef der deutschen Militärverwaltung.[53]

Der sogenannte „Sichelschnitt“ (Mai 1940) von Luxemburg nach Boulogne u. Calais an der Kanalküste. Die dort operierenden britischen und frz. Truppen wurden dadurch von ihren rückwärtigen Verbindungen nach Nordfrankreich abgeschnitten

Um den nördlichen Abschnitt der Maginot-Linie zu umgehen, wurde das neutrale Luxemburg von der Wehrmacht als Durchmarschgebiet genutzt. Danach wurde das Großherzogtum ein sogenanntes „CdZ-Gebiet“, das einem Chef der Zivilverwaltung unterstand.[54]

In Frankreich hatten Regierung und Militärs auf die stark befestigte Maginot-Linie entlang der deutsch-französischen Grenze von Basel bis Luxemburg vertraut. Weil die belgischen Ardennen für Panzer als schwer passierbar galten, wurden sie von den Alliierten für eine natürliche Verlängerung der Maginotlinie gehalten. Der Feldzugplan des Generalleutnants Erich von Manstein sah dagegen einen Vormarsch durch die Ardennen mit sechs Panzer- und fünf motorisierten Divisionen vor, um die französischen und britischen Truppen bei Boulogne und Calais von Süden her zu umfassen. Die Heeresgruppen B und C sollten eher defensiv agieren. Diesem Plan kam entgegen, dass starke alliierte Kräfte, darunter die Masse der British Expeditionary Force, weit nach Norden vorrückten, um den bedrängten Belgiern und Niederländern zur Hilfe zu kommen, und auf diese Weise Raum für deutsche Truppen der Heeresgruppe A in ihrem Rücken ließen. Am 19. Mai erreichten deutsche Einheiten die Kanalküste, ungefähr 100 km südlich von Calais. Der Vormarsch weiter nördlich an der Kanalküste erfolgte so schnell, dass die britischen und französischen Einheiten bei Calais und Dünkirchen eingekesselt wurden. Dieser schnelle und unerwartete Vormarsch wurde später von Churchill als „Sichelschnitt“ bezeichnet.[55] Hitler entschied in Übereinstimmung mit von Rundstedt und im Widerspruch zur Meinung anderer Generäle, die angeschlagene Panzertruppe zu schonen, ihren Vormarsch anzuhalten und die Einschließung von Dünkirchen der Luftwaffe und den Artillerieregimentern zu überlassen.[56]

Britische Soldaten in Rettungsbooten am Strand bei Dünkirchen, 1940. (Filmszene aus „Divide and Conquer“ (1943) von Frank Capra)

Dadurch gewannen die Briten drei Tage Zeit für die Vorbereitung der Operation Dynamo, die am 27. Mai begann. Etwa 1200 Schiffe und (auch private) Boote konnten insgesamt 338.000 Soldaten evakuieren, darunter 145.000 Soldaten der französischen Armee. Etwa 80.000 Soldaten, vor allem französische, blieben zurück. Die Briten hatten bei den Kämpfen 68.000 Mann verloren. Fast alle verbliebenen Panzer und Fahrzeuge, der größte Teil der Artillerie und der vorhandenen Vorräte mussten vernichtet werden.[57] Aus militärischer Sicht stellte Hitlers Haltebefehl, der die Evakuierung fast des gesamten britischen Expeditionskorps ermöglichte, einen schweren taktischen und vor allem in der Rückschau folgenreichen Fehler dar. Die Fähigkeit zur Fortsetzung des Krieges wäre nach dem Verlust des Expeditionskorps für Großbritannien deutlich schwieriger geworden, da es sich um erfahrene Berufssoldaten handelte. So ging den Alliierten nur das am Strand zurückgelassene Kriegsmaterial verloren, das leichter ersetzt werden konnte. Aber auch Churchills mitreißende Reden haben im Mai und Juni 1940 den Mut der Briten belebt und stärkten den Sinn dafür, welche Bedeutung der Krieg für das Überleben von Freiheit und Demokratie hatte.[58]

von Ribbentrop, Hitler, Göring, Raeder (hinter Göring), von Brauchitsch und Heß vor dem Wagen von Compiègne, 21. Juni 1940

Als sich die Briten zurückzogen, bereitete sich Frankreich auf die Verteidigung vor. Der „Fall Rot“, die eigentliche Schlacht um Frankreich, begann am 5. Juni mit einer deutschen Offensive an der Aisne und der Somme. Am 9. Juni überschritten deutsche Soldaten die Seine. Am 10. Juni trat Italien auf Seiten Deutschlands in den Krieg ein und begann am 21. Juni eine Offensive in den Westalpen, obwohl die Regierung Pétain am 20. Juni Italien um Waffenstillstand gebeten hatte. Am 14. Juni besetzten Teile der 18. Armee die französische Hauptstadt Paris. Um ihre Zerstörung zu verhindern, war sie zur offenen Stadt erklärt und kampflos von den französischen Truppen geräumt worden. Am selben Tag durchbrachen deutsche Truppen südlich von Saarbrücken die Maginot-Linie[59], und die symbolträchtige Festung Verdun konnte ebenfalls eingenommen werden.

Hitler und Entourage vor dem Eiffelturm, 23. Juni 1940

Nachdem deutsche Truppen am 17. Juni Orléans und Nevers an der Loire (260 km südlich von Paris) sowie Dijon erreicht hatten, traf ein Waffenstillstandsgesuch von Philippe Pétain, dem Ministerpräsidenten der neu gebildeten französischen Regierung, in Hitlers Hauptquartier ein. Der Führer wurde daraufhin von Keitel[60] als „der größte Feldherr aller Zeiten“ gelobt.[61] Hitler traf sich am 18. Juni mit Mussolini in München, um die Waffenstillstandsbedingungen mit ihm abzustimmen. Die weitreichenden Forderungen des Duce, unter anderen Nizza, Korsika und Savoyen sowie die Nutzung von Häfen und Eisenbahnen in Afrika für militärische Zwecke, wies Hitler zurück. Ihm lag daran, eine Fortsetzung des Krieges durch die französische Flotte und in den Kolonien zu verhindern. Dennoch begann Italien noch am 21. Juni eine Offensive in den Alpen, die nur geringfügige Geländegewinne erbrachte, unter anderen Mentone.[62] Die Waffenstillstandsbedingungen wurden am 21. Juni 1940 im Wagen von Compiègne von Keitel dem französischen General Charles Huntziger überreicht.[63] Am 22. Juni unterzeichnete die französische Delegation, nachdem fast alle ihre Gegenvorstellungen zurückgewiesen worden waren, den Waffenstillstandsvertrag.[62] Er trat am 25. Juni um 01:35 Uhr in Kraft, nachdem am Tag zuvor auch der italienisch-französische Waffenstillstand unterzeichnet worden war.[64] Frankreich durfte nur noch 100.000 Soldaten mit leichten Waffen unterhalten; Artillerie und Panzer waren nicht erlaubt. Am 1. Juli 1940 demonstrierte die Wehrmacht mit einer großen Parade auf den Champs-Elysees in Paris ihren Sieg über Frankreich.[65]

Besetzte und unbesetzte Zone in Frankreich bis November 1942

Nur sechs Wochen und drei Tage hatte der sogenannte „Blitzkrieg“ im Westen gedauert, in dem etwa 100.000 französische, 35.000 britische und etwa 46.000 deutsche Soldaten ihr Leben verloren.[62] Französische Jagdflieger schossen mehrere Hundert deutsche Kampfflugzeuge ab, und fast 1000 deutsche Kampfpiloten gerieten in Gefangenschaft.[66] Frankreich wurde in zwei Zonen geteilt: Der Norden und Westen Frankreichs waren deutsch besetzt; hier befanden sich wichtige Flugfelder und Marinebasen (unter anderen Brest, Lorient, St. Nazaire, La Rochelle und Bordeaux) für den Krieg gegen Großbritannien.

Der Angriff der Wehrmacht verhinderte die Ausführung der in Vorbereitung befindlichen Operation Pike, mit der England und Frankreich die Erdölquellen der Sowjetunion vernichten wollten, um so einen „völligen Zusammenbruch“ der Sowjetunion herbeizuführen.[67]

Politisch-strategisch befand sich das Deutsche Reich nach dem Sieg im Westen in einer Situation, die ihm grundlegend neue Optionen zur Fortsetzung des Krieges eröffnete: für den Krieg gegen Großbritannien im Westen, es hatte die Gleichgewichte im Mittelmeerraum verschoben, und es konnte auf die Wirtschaftsressourcen Westeuropas, Mitteleuropas und Ostmitteleuropas zurückgreifen und damit den Krieg auf lange Zeit durchhalten,[68] u. a. Industriegüter aus dem Protektorat Böhmen und Mähren, Eisenerze aus Schweden, die über den norwegischen Hafen Narvik nach Deutschland verschifft wurden, landwirtschaftliche Produkte aus Polen, Dänemark, den Niederlanden und Griechenland, Industriegüter aus Belgien und Frankreich, Wolfram aus Portugal sowie Erdöl aus Rumänien. Für internationale Geldtransaktionen und Devisengeschäfte konnte die neutrale Schweiz genutzt werden.

Drei Schlachtschiffe der französischen Flotte, die in Mers-el-Kébir vor Anker lag, wurden am 3. Juli 1940 nach einem britischen Ultimatum, das unbeantwortet blieb, auf Befehl Churchills durch Schiffe der Royal Navy versenkt oder schwer beschädigt, damit sie nicht in deutsche Hände fallen konnten (Operation Catapult). Dabei kamen 1297 französische Matrosen ums Leben.[69] Der östliche und südliche Teil Frankreichs blieb unter französischer Kontrolle. Marschall Philippe Pétain regierte von Vichy aus den sogenannten „État français“ als Marionettenstaat des Deutschen Reichs.

Brennende frz. Kriegsschiffe „Strasbourg“, „Colbert“, „Algérie“ und „Marseillaise“ im Hafen von Toulon, 23. November 1942

Im November 1942 wurde die bisher unbesetzte Zone von deutschen und italienischen Truppen besetzt, nachdem anglo-amerikanische Truppen in Nordafrika gelandet waren. Die 50.000 Soldaten der Vichy-Regierung leisteten keinen Widerstand gegen Deutsche und Italiener. Der Rest der demobilisierten französischen Kriegsmarine wurde im Hafen von Toulon von den Besatzungen versenkt.[70]

Von der Kapitulation Frankreichs bis zum Angriff auf die Sowjetunion, Juni 1940 bis Juni 1941

Trotz der Kapitulation Frankreichs ging der Krieg weiter, da Großbritannien Hitlers sogenanntes Friedensangebot vom 19. Juli 1940 nicht annahm.[71] Obwohl der Ausgang des Krieges mit Großbritannien noch völlig offen war, verkündete Hitler schon am 31. Juli den Generälen seine grundsätzliche Absicht, für 1941 einen Angriff auf die Sowjetunion vorbereiten zu lassen. Kurz darauf, am 17. September, verschob er das Unternehmen Seelöwe auf eine unbestimmte Zeit.[72]

Hitler bemühte sich, seine Herrschaft über das „Neue Europa“ zu konsolidieren und durch weitere Bündnisse mit Spanien, Frankreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien abzusichern. Franco und Pétain widersetzten sich einem formellen Bündnis mit Deutschland.

Charles de Gaulle (1890–1970), bisher Militär-Staatssekretär, wurde Organisator des Widerstandes als „Führer des freien Frankreich“ vom Exil in London aus. Von der Propaganda des Vichy-Regimes als Le Général micro und Fourrier (Verpflegungsunteroffizier) der Juden verspottet,[73] rief er seine Landsleute zum Widerstand auf. Bereits am 18. Juni 1940 hatte er sich in einer Rundfunkrede an alle Franzosen gewandt: „Frankreich hat eine Schlacht verloren. Aber den Krieg hat Frankreich nicht verloren!“[74] Er sagte voraus, dass das Industriepotential der Vereinigten Staaten in diesem Krieg das Blatt wenden werde. Damit wies er die Meinung von Defätisten zurück, Großbritannien werde binnen drei Wochen geschlagen sein.[75]

Die Schweiz konnte ihre Unabhängigkeit wahren und wurde nie Ziel einer deutschen Offensive. Dennoch wappnete sie sich intensiv gegen eine mögliche deutsche Invasion. Die Rheinebene konnte geflutet werden, um sie – nach den militärischen Erkenntnissen aufgrund des erfolgreichen deutschen Westfeldzugs durch die Ardennen (s. o.) – für Panzer unpassierbar zu machen. Im Réduit wurden 26.000 lokal passend getarnte Bunker und Artilleriestellungen angelegt. Sie sollten bis zu sechs Monate autonom (unabhängig) in Bereitschaft bleiben können.

General Henri Guisan verlegte Heereseinheiten in das Alpenréduit um den Gotthard als Zentrum. Das Konzept des Réduit national sah langwierige Gebirgskämpfe sowie die Zerstörung der Alpentranversale vor. Die schweizerische Bevölkerung akzeptierte mehrheitlich diese Verteidigungskonzeption. Kritiker bemängelten dagegen, dass die Achsenmächte das ressourcenreiche Mittelland mit wenig Aufwand erobern und die Armee im Réduit aushungern könnten. 1942 hatte das Réduit dank abnehmender Bedrohung seitens der Achsenmächte und Fertigstellung der Befestigungen seine volle Wirkung erreicht. Es schien, dass diesen Mächten eine unabhängige Schweiz mit funktionierendem Gütertransport durch die Alpen und wegen des Transfers von Devisen mehr nützen würde als ein erobertes Land mit zerstörten Produktionsanlagen. Nach der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 verlegte der Oberbefehlshaber Guisan aufgrund der entspannteren Bedrohungslage wieder Truppen aus dem Réduit ins Mittelland zurück.[76]

Im August 1942 kam es vorübergehend zu einer vollständigen Grenzschließung für Flüchtlinge als Höhepunkt einer allgemein sehr restriktiven Zulassung von jüdischen Flüchtlingen in die Schweiz. 1939–1945 wurden insgesamt rund 300.000 Menschen aufgenommen (davon etwa ein Drittel internierte Soldaten) und rund 20.000 Menschen an der Grenze zurück- oder ausgewiesen.[77]

Die Entschlossenheit der Schweiz, ihre Neutralität oder die Verletzung ihres Luftraums gegen jeden Angreifer zu verteidigen, stand international außer Zweifel. Nach den Luftkämpfen im Pruntruter Zipfel im Jahr 1940 war zwar vom General Zurückhaltung angeordnet worden, aber auch britische Bomber auf dem Weg nach Italien wurden am 12. Juli 1943 beschossen und zwei davon zum Absturz gebracht.[78] Bei versehentlichen Bombardierungen Schweizer Grenzorte durch US-Piloten wurden diese, falls abgeschossen, für den Rest des Krieges interniert.[79]

In der Schweiz wurden in den Jahren 1939 bis 1945 insgesamt 84 Menschen durch britische und US-amerikanische Bombenabwürfe getötet. (→ Alliierte Bombenabwürfe auf die Schweiz)

In den Konzentrationslagern der Nazis litten zwischen 1933 und 1945 auch rund 1000 Schweizer Bürger, mindestens 200 davon starben. Keine gewalttätige Auseinandersetzung hat in den letzten 200 Jahren mehr Schweizer Todesopfer gefordert.(→ Schweizer in Nazi-Konzentrationslagern)[80][81][82]

Geographische Lage der heutigen türkischen Provinz Hatay (rot markiert)

Im Zweiten Weltkrieg bewahrte die Türkei ihre Neutralität, nachdem sie sich 1939 mit der Mandatsmacht Frankreich über die Annexion der syrischen Provinz Hatay, eines Mandats des Völkerbunds, verständigt hatte. Frankreich war den türkischen Forderungen nach einer Beendigung seines syrischen Mandats entgegengekommen, um die Türkei von einem Kriegseintritt auf Seiten des Deutschen Reiches abzuhalten. Am 23. Februar 1945, als Deutschlands Niederlage offensichtlich war, erklärte sie auf der Seite der Alliierten Deutschland und Japan den Krieg, um auf diese Weise ihren Anspruch auf die bis 1939 völkerrechtlich zu Syrien gehörende Provinz auch nach dem Krieg zu unterstreichen. Die offizielle Haltung Syriens dagegen ist bis in die Gegenwart (Stand Februar 2011), dass die Abstimmung in Hatays Parlament 1939 über den Beitritt zur Türkei völkerrechtswidrig gewesen sei und diese Provinz ein Teil Syriens ist.

Als „Luftschlacht um England“ bezeichnete die nationalsozialistische Propaganda die Vorbereitung einer Invasion Großbritanniens durch Ausschaltung der Royal Air Force. Hitler glaubte nicht an einen Erfolg und zog einen Friedensschluss mit Großbritannien vor, freilich nur, wenn es die ehemals deutschen Kolonien zurückgeben und auf Einfluss in Europa verzichten würde.[83]

Bordkamera einer Spitfire zeigt Leuchtspurmunition, die eine He 111 trifft, über England am 25. September 1940

In den zwei Jahren zwischen dem Münchner Abkommen und der „Luftschlacht um England“ hatten die Briten ihre Luftverteidigung verbessert. An der Süd- und Ostküste der Britischen Insel wurden „Chain Home“-Radarstationen installiert. Die britische Industrie konnte in den drei Monaten vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges mehr als 1400 Jagdflugzeuge produzieren. Die Royal Air Force (RAF) warb erfolgreich Piloten aus dem Commonwealth, Frankreich, den USA, Polen und der Tschechoslowakei an, denn auf einen Piloten der RAF kamen sechs deutsche.[84] Bei den Flugzeugen sah es ähnlich aus: Im Westfeldzug kamen auf ein britisches Kampfflugzeug etwa vier deutsche Jäger und Bomber.[85] Deshalb setzte Dowding auch ausländische Freiwillige als Jagdflieger ein, zunächst aus den Commonwealth-Staaten Kanada, Australien und Neuseeland, dann aber auch aus Polen, Tschechien und Frankreich. Ein Fünftel der insgesamt in der Luftschlacht um England eingesetzten knapp 3000 „Spitfire“- oder „Hurricane“-Piloten stammte nicht aus Großbritannien.

London nach dem „Blitz“, 28. Dezember 1940

Am 2. Juli begann Göring die Luftschlacht mit einer begrenzten Offensive gegen die Schifffahrt im Ärmelkanal. Hugh Dowding, Kommandeur der britischen Luftverteidigung, nahm die Herausforderung nicht an. Die nächste Phase begann Mitte August. Die RAF sollte durch die Vernichtung ihrer Flugzeuge in der Luft zerschlagen werden, während die Bekämpfung der Schifffahrt weiterging. Im August und September schossen britische Jäger 341 deutsche Flugzeuge ab und verloren selbst 108. Die RAF hatte den Vorteil, dass die Piloten der abgeschossenen Maschinen nicht jedes Mal für sie verloren waren, sofern sie sich mit dem Fallschirm retten konnten. In der nächsten Phase konzentrierte die Luftwaffe ihre Angriffe auf London. Hitler sprach von Vergeltung und völliger Vernichtung, nachdem in der Nacht zum 26. August auf Befehl Churchills 60 Bomber der RAF einen Angriff auf Berlin geflogen hatten, der kaum Schäden verursacht hatte. Am 7. September griff die Luftwaffe die Londoner Docks mit 300 Bombern und 600 Jägern an, aber sie verlor wieder mehr Flugzeuge als die britischen Jagdstaffeln. Am 15. September erreichten die deutschen Angriffe, von den Briten „The Blitz“ genannt, ihren Höhepunkt mit zwei Tagesangriffen. Die deutschen Bomber wurden dezimiert und die Jäger abgewiesen. Die Entscheidung, London anzugreifen, gilt als ein großer strategischer Fehler mit weitreichenden Folgen, denn weitere Angriffe auf London bis zum Jahresende mit durchschnittlich 160 Bombern bewirkten, militärisch gesehen, wenig, waren aber für die Luftwaffe äußerst verlustreich. Am 17. September 1940 verschob Hitler das „Unternehmen Seelöwe“ auf unbestimmte Zeit.

Die Luftwaffe setzte im Winter und Frühjahr ihre Nachtangriffe fort, nicht um die Invasion vorzubereiten, sondern um die Industrie zu treffen und die Bevölkerung zu demoralisieren. Bei dem Angriff der Luftwaffe am Abend des 14. November 1940 auf Coventry waren zwar Fabriken wie das Flugmotorenwerk von Armstrong Siddeley das Ziel, jedoch wurden von den Brand- und Sprengbomben auch drei Viertel der Wohngebiete getroffen und 568 Bewohner getötet.[86] Der Begriff „coventrieren“, eine Wortprägung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, fand daraufhin Eingang in den deutschen Militärjargon.[87]

Insgesamt verloren bei Luftangriffen auf London, Coventry[88] und weitere britische Städte 1940/41 etwa 43.000 Zivilisten das Leben. Allein in London wurden bei 57 Nachtangriffen zwischen dem 9. September 1940 und dem Neujahrstag 1941 14.000 Menschen getötet. Im Oktober 1940 hatte die Luftwaffe 1733 Kampfflugzeuge verloren, die RAF 915.[89]

„Die Luftschlacht endete als militärisches Patt, war aber eine politische und strategische Niederlage ersten Ranges für Hitler, dem es zum ersten Mal nicht gelungen war, einem Land seinen Willen aufzuzwingen.“[90] Mitentscheidend für den Misserfolg der Luftwaffe waren die Fehleinschätzung der Effektivität der britischen Radaranlagen und des Leitsystems sowie die mangelnde Reichweite der deutschen Jagdflugzeuge. Die britischen Flugzeugwerke fertigten außerdem mehr Maschinen als die deutschen.

Mit dem Ende der Luftschlacht „war auch die Invasion geplatzt.“[89] Am 18. Dezember 1940 gab Hitler seine formelle Weisung für das Unternehmen Barbarossa heraus, „auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen.“[91] Hitlers Entschluss war auch dadurch geprägt, „den endgültigen Sieg im Krieg zu erringen, indem man London via Moskau schlug“.[92] Ab Mai 1941 gingen die deutschen Luftangriffe auf Großbritannien deutlich zurück, weil Bomber und Jagdflugzeuge für den bevorstehenden Angriff auf die Sowjetunion gebraucht wurden.

Insgesamt verloren 61.000 Briten durch deutsche Luftangriffe ihr Leben, davon 8.800 bei Angriffen mit den „VergeltungswaffenV1 und V2.[93]

Nachdem der Kriegsgegner Großbritannien nicht besiegt werden konnte, suchte Hitler nach einem Ausweg. In seiner Vorstellung boten sich zwei Möglichkeiten an: ein Angriff auf britische Positionen im Mittelmeer oder ein Angriff auf die Sowjetunion, deren Ausbeutung als „Lebensraum im Osten“ seit langer Zeit fester Bestandteil seiner Ideologie war.[94]

Zunächst wandte er sich der Mittelmeeroption zu. Spaniens Diktator Franco war im Juni 1940 noch bereit gewesen, an deutscher Seite in den Krieg einzutreten. Er forderte dafür Gibraltar, Französisch-Marokko, Oran und Vergrößerung der Kolonien Spanisch-Sahara und Spanisch-Guinea sowie vorherige umfangreiche Lieferungen von Waffen, Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Hitler hielt Spaniens Unterstützung damals nicht für nötig und ließ ausweichend antworten. Als er sich am 23. Oktober in Hendaye mit Franco traf, zeigte Hitler aber ein viel größeres Interesse am Kriegseintritt Spaniens, den er für Januar 1941 vorschlug. Spanische und deutsche Truppen könnten Gibraltar erobern und so das Mittelmeer nach Westen absperren. Außenminister Ribbentrop ging sogar gedanklich einen Schritt weiter und ventilierte die Vorstellung eines antibritischen Kontinentalblocks von Spanien bis Japan.[95] Franco und Súñer, dessen Schwiegersohn und späterer Außenminister, waren jedoch nicht mehr von der baldigen Niederlage Großbritanniens überzeugt. Sie ließen sich nicht zu unbedachten Schritten verleiten und wiederholten absichtlich überzogene Forderungen nach der Lieferung von Waffen. Hitler wiederum musste hinsichtlich der spanischen Kolonialwünsche in Nordafrika Rücksicht auf Vichy-Frankreich nehmen. Franco war daher lediglich mit der Unterzeichnung eines Protokolls einverstanden, in dem Spanien seine Bereitschaft erklärte, Mitglied des Dreimächtepakts zu werden und in den Krieg einzutreten – unter dem Vorbehalt, dass der Zeitpunkt noch gemeinsam vereinbart werden sollte. Damit war die Abmachung für Hitler praktisch wertlos.[96] Im internen Kreis „wütete“ er später über das „Jesuitenschwein“ und den „falsche[n] Stolz des Spaniers“.[97]

Philippe Pétain und Adolf Hitler am 24. Oktober 1940 in Montoire-sur-le-Loir (→ Le Loir ist ein linker Nebenfluss der Loire)

Wie in Hendaye hinsichtlich Spaniens, so blieb auch in Montoire-sur-le-Loir bei zwei Treffen mit Pétain und Laval am 22. und 24. Oktober 1940 offen, ob es zu einer konkreten Zusammenarbeit mit Frankreich kommen werde. Hitler wollte, wenn schon nicht eine Kriegserklärung an England, so wenigstens die Verteidigung der französischen Kolonien in Nordafrika und Nahost gegen Angriffe der FFL und der Briten erreichen sowie die Überlassung von Stützpunkten an der afrikanischen Mittelmeer- und Atlantikküste für den Seekrieg gegen Großbritannien. Marschall Pétain stimmte im Prinzip einer Zusammenarbeit mit Deutschland zu, lehnte aber indirekt einen Kriegseintritt Frankreichs ab, indem er darauf hinweisen ließ, dass eine Kriegserklärung nur durch Parlamentsbeschluss ausgesprochen werden könne. Ein solcher Beschluss sei fraglich.[98] Das Ergebnis des Treffens war daher für den Krieg gegen Großbritannien bedeutungslos.[99] Dennoch gab Pétain ein paar Tage später in einer Radiorede zu verstehen, er werde den Pfad der Zusammenarbeit (collaboration) mit Deutschland einschlagen.

Italien war im Juni 1940, kurz vor der französischen Kapitulation, Deutschlands Kriegsverbündeter geworden. Der japanische Botschafter Saburō Kurusu und die Außenminister Galeazzo Ciano (Italien) sowie Joachim von Ribbentrop (Deutschland) unterzeichneten am 27. September 1940 in Berlin den Dreimächtepakt, der gegenseitigen Beistand für den Gewinn der Hegemonie über Europa beziehungsweise Ostasien vorsah. Die Bestimmungen richteten sich nicht gegen die Sowjetunion; vielmehr sollten die USA von einem Kriegseintritt abgehalten werden. Obwohl der Pakt ein großer propagandistischer Erfolg war, blieb er für die Bildung einer aktiven Front gegen Großbritannien ohne sofortige Wirkung.[100]

In Osteuropa gewann Hitler Rumänien als Verbündeten hinzu, das für ihn wegen der strategischen Lage und der Erdölfelder bei Ploiești äußerst wertvoll war. Zwar ließ er die Sowjetunion das nach dem Ersten Weltkrieg verlorene Bessarabien einfordern, wie im Hitler-Stalin-Pakt vorgesehen. Doch Hitler garantierte im Sommer 1940 Rumäniens Bestand, das seinerseits aus dem Völkerbund austrat.

Das faschistische Italien mit seinen Kolonien in Europa und Afrika (1939)

Mussolini hoffte, dass nach dem deutschen Achsenpartner auch Italien militärische Erfolge erringen könne, obwohl König Viktor Emanuel III. noch 1939 die realistische Einschätzung vertreten hatte, das Heer befinde sich in einem erbärmlichen Zustand und die Offiziere würden nichts taugen. Nachdem Italien am 10. Juni 1940 in den Krieg eingetreten war, ließ Mussolini britische Positionen im Mittelmeer sowie in Nord- und Ostafrika angreifen.[101] Nach geringen italienischen Anfangserfolgen in Ägypten und in Ostafrika ging im Spätsommer und Herbst 1940 die Initiative verloren. Die Gegenoffensiven von britischen und Commonwealth-Truppen (Operation Compass) führten Anfang 1941 zu italienischen Niederlagen in Ägypten, im östlichen Teil Libyens (Cyrenaika) und in Ostafrika.

Italienische Kriegsgefangene während der Operation Compass, nach der Schlacht um Bardia an der libysch-ägyptischen Grenze, 6. Januar 1941

130.000 italienische Soldaten gerieten in britische Gefangenschaft. Im Februar 1941 reagierte Hitler mit der Entsendung des Deutschen Afrikakorps (Unternehmen Sonnenblume), um wenigstens zu verhindern, dass Italien die Kolonie Libyen verliere. In Ostafrika verlor Italien bis Ende November 1941 30.000 Soldaten (24.000 Kriegsgefangene und 6000 Gefallene) und seine dortigen Kolonien.

Die Großmachtambitionen Mussolinis waren bereits seit den 1930er-Jahren auf den Balkan gerichtet. Am 28. Oktober 1940 griffen italienische Verbände Griechenland an (Griechisch-Italienischer Krieg). Mussolini glaubte an einen raschen Sieg; stattdessen entwickelte sich der Krieg zu einem Fiasko. Die griechischen Truppen waren gut organisiert und kannten sich in dem schwierigen Gelände des Pindos-Gebirges aus. „Binnen vierzehn Tagen hatte sich der erwartete Triumph in eine Demütigung für Mussolinis Regime verwandelt“,[102] als die Angreifer bis über die Grenzen Albaniens zurückgedrängt worden waren.

Noch bedeutsamer war, dass die Position der Achse in Nordafrika ernstlich geschwächt wurde, weil angesichts des sich anbahnenden Debakels dringend benötigte italienische Truppen von dort nach Griechenland verlegt wurden. Dabei war Nordafrika von größter Bedeutung: Wären die schwachen britischen Truppen aus Ägypten und vom Suezkanal vertrieben worden, hätte der Weltkrieg einen anderen Verlauf genommen.[103]

Balkanfeldzug, April – Mai 1941

Anfang des Jahres 1941 versuchte das Deutsche Reich im Balkankonflikt zu vermitteln. So unterbreitete Hitler dem Königreich Jugoslawien den Vorschlag, dem Dreimächtepakt beizutreten, was jedoch abgelehnt wurde. Griechenland verzichtete ebenfalls auf jeden Vermittlungsversuch, da seine Armee die italienischen Soldaten an der Front zum Rückzug zwingen konnte. Eine italienische Großoffensive am 9. März wurde zum Desaster. Am 27. März trat Jugoslawien schließlich dem Dreimächtepakt bei. Die Folge waren antideutsche Demonstrationen und ein Staatsstreich des serbischen Offizierskorps gegen die Regierung des Prinzregenten Paul, woraufhin der Beitritt wieder rückgängig gemacht wurde.

Diese unerwartete Wendung führte zu Hitlers Entscheidung, Jugoslawien anzugreifen. Er rechtfertigte den Angriff als Vergeltung gegen eine serbische „Verbrecherclique“ in Belgrad.[104] Am 6. April überschritten Verbände der Wehrmacht die Grenze nach Jugoslawien, und die Luftwaffe begann, Belgrad in Schutt und Asche zu legen (→ Unternehmen Strafgericht), obwohl die Hauptstadt zur „offenen Stadt“ erklärt worden war.[105] Der weitere Vormarsch erfolgte wie in einem geplanten Manöver. Am 10. April wurde Zagreb besetzt, wo am selben Tag der Unabhängige Staat Kroatien ausgerufen wurde. Belgrad wurde am 13. April von deutschen Truppen besetzt. Am 17. April unterschrieben die jugoslawischen Befehlshaber die Kapitulation der jugoslawischen Armee.

Zerstörungen in Belgrad nach Luftangriff, April 1941

Ebenfalls am 6. April begann der deutsche Feldzug gegen Griechenland. Anders als in Jugoslawien war der griechische Widerstand stellenweise ausgesprochen hart. Besonders in den Gebirgslagen und im Gebiet der stark verteidigten Metaxas-Linie kamen deutsche Soldaten nur langsam und unter hohen Verlusten voran. Am 9. April fiel Saloniki. Gleichzeitig wurde die griechische Armee in Ostmazedonien abgeschnitten und die Metaxas-Linie stärker bedrängt. Die griechischen Verstärkungen von der albanischen Front wurden bei ihrem Vormarsch durch die gebirgige Landschaft von deutschen und italienischen Panzereinheiten sowie Luftangriffen aufgehalten. Am 21. April mussten 223.000 griechische Soldaten kapitulieren.

Die in Griechenland stationierten britischen Verbände bauten unterdessen eine Verteidigung an den Thermopylen auf. Diese wurde am 24. April überrannt, woraufhin die Alliierten eine amphibische Evakuierungsoperation einleiten mussten, in der 50.000 Soldaten nach Kreta und Ägypten verschifft wurden. Am 27. April rückte die Wehrmacht in Athen ein.

Einmarsch deutscher Truppen in Athen, Mai 1941

Hitler befahl am 25. April, Kreta mit Luftlandetruppen, Fallschirmjägerverbänden und der 5. Gebirgs-Division Mitte Mai 1941 zu erobern. Am 20. Mai 1941 landeten deutsche Fallschirmspringer auf Kreta. Dabei hatten sie hohe Verluste. Die gelandeten Einheiten konnten zunächst keine Flugplätze für Nachschub und Verstärkungen erobern. Erst durch verstärkten Einsatz der Luftwaffe und nach erfolgreichen Landungen auf umkämpften Flugplätzen stabilisierte sich die Lage für die Angreifer. Die Alliierten, darunter Neuseeländer und Australier, verteidigten Kreta eine Woche lang, bis sie sich mit etwa 17.000 Mann nach Ägypten absetzen mussten. Aufgrund der hohen deutschen Verluste beschloss Hitler, in Zukunft keine Luftlandungen mehr durchzuführen. Der Versuch, die strategisch wichtige Insel Malta zu erobern, unterblieb daher.[106]

Vom Entstehen der Ostfront bis zur Westfront, Juni 1941 bis Juni 1944

Die Absicht, die Sowjetunion zu überfallen, erörterte Hitler am 31. Juli 1940 – parallel zu den Invasionsplänen gegen Großbritannien – in einem Kreis der höchsten Generale.[107] Zu dieser Zeit hoffte Hitler noch, dass Großbritannien über kurz oder lang aufgeben würde und er auf der Basis einer „Verständigung mit England“ alle Kraft nach Osten werfen könne, um sein großes Ziel anzugehen, „Lebensraum im Osten“ zu erobern.[108] Wenn Russland geschlagen sei, dann sei Englands letzte Hoffnung getilgt.[109] Am 18. Dezember 1940 erfolgte die Weisung, im Mai 1941 die Sowjetunion anzugreifen. Hintergrund dieser Entscheidung war auch die Erkenntnis der Unmöglichkeit einer Landung auf der britischen Insel, solange Luftwaffe und Marine dazu zu schwach waren. Wenn auch nicht alleiniges Motiv, so stand doch der Wunsch dahinter, London via Moskau zum Ausscheiden aus dem Krieg zu zwingen. Ein Angriff auf die Sowjetunion wurde von Hitler als wenig riskant angesehen, weil er die politische Stabilität der Sowjetunion und deren militärisches Potential völlig unterschätzte.[110] Gegenüber Mannerheim gab er am 4. Juni 1942 in Finnland in einem vertraulichen Gespräch, das ohne Hitlers Wissen aufgezeichnet wurde, diese Unterschätzung unumwunden zu.[111] Mit seiner Fehleinschätzung des sowjetischen Militärpotentials stand Hitler nicht alleine da; fast alle seine Befehlshaber teilten sie ebenfalls.[112] Am 30. März 1941 verkündete er vor über 200 höheren Offizieren in der Reichskanzlei, der bevorstehende Krieg sei ein rassenideologischer Vernichtungskrieg und ohne Rücksicht auf kriegsvölkerrechtliche Normen zu führen. Die Befehlshaber müssten jegliche persönlichen Gewissensbisse überwinden. Im Osten sei „Härte mild für die Zukunft.“[113] Keiner der Anwesenden nahm den Anlass wahr, Hitlers Forderungen nachher noch einmal zur Erörterung zu stellen.[114]

Mit dem Angriff auf die Sowjetunion, dem Unternehmen Barbarossa, entstand am 22. Juni 1941 eine neue Front im Osten Deutschlands. Sie wurde (neben der japanisch-chinesischen) die am längsten bestehende Front im Zweiten Weltkrieg, die die meisten Opfer forderte. Die deutschen Truppen eroberten riesige Gebiete des europäischen Teils der Sowjetunion; zusammen mit unmittelbar nachrückenden Einheiten der SS und Einsatzgruppen hatten sie den Auftrag, die Gebiete rücksichtslos auszubeuten, einen Teil ihrer Einwohner zu töten und die anderen zur Zwangsarbeit zu zwingen. Dabei wurden systematisch viele Zehntausende Juden umgebracht.

Ein halbes Jahr später wurden die USA, die bereits zuvor Großbritannien indirekt unterstützt hatten, durch Hitlers Kriegserklärung offizieller Kriegsgegner Deutschlands. Amerika brauchte Zeit, seine Wirtschaft auf den Krieg umzustellen. Eine Konfrontation der Wehrmacht mit angloamerikanischen Landstreitkräften fand erstmals im November 1942 in Nordafrika statt (Operation Torch).

Russlandfeldzug, 1941–1942

Der Balkanfeldzug hatte den Angriffszeitpunkt für einen Überfall auf die Sowjetunion um vier Wochen verschoben. Der Angriff fand erst am 22. Juni 1941 statt. Obwohl Berechnungen auf deutscher Seite zeigten, dass die Versorgung der Wehrmacht nur bis zu einer Linie entlang Pskow, Kiew und der Krim möglich war, verlangte Hitler die Eroberung Moskaus im Rahmen eines einzigen, ununterbrochenen Feldzuges. Hier zeigte sich dessen gefährliche Unterschätzung der Sowjetunion, die schon nach der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 zum Ausdruck gekommen war (s. o.). Für den Überfall standen drei Heeresgruppen (Nord, Mitte, Süd) bereit. Die Heeresgruppe Nord (von Leeb) sollte die baltischen Staaten erobern und dann nach Leningrad vorstoßen. Auf der Heeresgruppe Mitte (von Bock) lag die Hauptlast. Sie sollte nach Moskau vorrücken und war entsprechend stark gerüstet. Die Heeresgruppe Süd (von Rundstedt) sollte die Ukraine erobern. Vom besetzten Norwegen aus wurden ebenfalls Angriffe gegen die Sowjetunion unternommen. Sie zielten auf Murmansk, den Hafen und die dortige Eisenbahnverbindung, die „Murmanbahn“. An dem Feldzug waren auch 600.000 Soldaten aus verbündeten, neutralen und besetzten Staaten beteiligt.[115] Später kamen 30.000 Freiwillige aus neutralen und besetzten Gebieten (unter anderen Polen, Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland, Ukraine, Russland, Kaukasus) hinzu, meist Repräsentanten rechtsradikaler oder faschistischer Strömungen in ihren Heimatländern.[116]

Am frühen Morgen des 22. Juni 1941, zwischen 3:00 Uhr und 3:30 Uhr, begann der Angriff gegen die Sowjetunion.[117] Obwohl ihm mehrere ernst zu nehmende Hinweise, unter anderen von Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack und Richard Sorge, zugegangen waren,[118] blieb Stalin davon überzeugt, dass Hitler die Sowjetunion nicht vor einem Sieg über Großbritannien angreifen werde.[119] Der Angriff wurde von 153 deutschen Divisionen, darunter 19 Panzer- und 12 motorisierte Divisionen, auf einer Frontlänge von 1600 km zwischen der Ostsee und den Karpaten geführt. Zwei Divisionen operierten von Finnland aus. Die Heeresgruppe Nord besetzte die drei baltischen Staaten Litauen, Lettland, Estland und erreichte Anfang September Nowgorod. Die Heeresgruppe Mitte erreichte in derselben Zeit Smolensk, das auf dem direkten Weg nach Moskau liegt. Die Heeresgruppe Süd hatte die Aufgabe, die Ukraine zu erobern, und stand zur selben Zeit kurz vor Saporoschje im Südosten der Ukraine. Die militärischen Befehlshaber der Roten Armee waren nicht auf diese bisher größte militärische Offensive der Weltgeschichte mit etwas über drei Millionen Heeressoldaten eingestellt. Innerhalb einer Woche kamen Soldaten aus den verbündeten Staaten Rumänien, Italien, Slowakei und Ungarn[120] sowie Finnland hinzu, das kein Bündnis mit Deutschland hatte[121] und Wert auf die Feststellung legte, dass es gegen die Sowjetunion einen „Fortsetzungskrieg“ zur Rückeroberung der 1940 abgetretenen Gebiete führe.[122] Die Rote Armee hatte an der Westgrenze annähernd drei Millionen Soldaten stationiert, die mit Panzern, Artillerie und Flugzeugen den Angreifern zwar weit überlegen, jedoch nicht kampfbereit waren.[123] Viele der sowjetischen Soldaten an der Grenze ergaben sich ohne Widerstand, während die motorisierten deutschen Truppen zunächst zügig vorankommen konnten. Die damalige Fähigkeit der sowjetischen Streitkräfte, einen Angriff oder einen Krieg gegen Deutschland zu führen, muss auch nach neueren Erkenntnissen stark bezweifelt werden. Der erste Wehrmachtbericht am Morgen des 22. Juni 1941 erweckte dagegen den Eindruck, sowjetische Truppen seien nach Ostpreußen eingedrungen. Er unterstützte damit die Präventivkriegslegende der NS-Propaganda, die den Angriff als Verteidigungskrieg darstellte. Tatsächlich war der Überfall auf die Sowjetunion im Wesentlichen ein ideologisch verbrämter Eroberungs- und Vernichtungskrieg mit dem von Hitler bereits Jahre zuvor formulierten Ziel der Gewinnung von „Lebensraum im Osten“. Damit war „ein blockadefestes Großimperium“ bis zum Ural und über den Kaukasus hinaus gemeint.[124]

Sowjetische Soldaten bergen einen Verwundeten bei Leningrad, Oktober 1941

Am 22. Juni mittags verlas der sowjetische Außenminister Molotow im Rundfunk eine Rede, in der er den Ausbruch des Krieges bekannt gab. Erst elf Tage später richtete sich Josef Stalin am 3. Juli mit einer Rundfunkansprache an das Volk.[125] Davor war Minsk eingeschlossen und wenig später besetzt worden. Hitler beharrte gegenüber dem OKH lange Zeit auf dem Vorrang der Eroberung der Ukraine anstelle Moskaus. Das Hauptziel der NS-Führung bestand darin, sich die Ölvorräte des Kaukasus und das Getreide in der Ukraine zu sichern. Dies würde sie nach Hitlers Überzeugung unbesiegbar machen.[126] Trotz siegreicher Kesselschlachten scheiterte der Plan Barbarossa bereits im August 1941 und löste die sogenannte „Augustkrise“ aus, weil aus diesen Schlachten große Teile des Gegners entkamen und sich neu formierten, der Überraschungseffekt des Überfalls abflaute, die deutschen Verluste zunahmen und Hitlers „Zickzack der Anordnungen“ zur Schwerpunktbildung bei der Heeresgruppe Mitte oder der Heeresgruppe Süd sich häuften.[127]

Deutscher „Einmarsch“ in Charkow am 1. November 1941, Aufnahme einer Propagandakompanie.

Erst nach der Einnahme Kiews und Charkows wurde am 2. Oktober der Vorstoß auf Moskau wieder aufgenommen. Doch schon im Oktober begann es zu regnen, im November setzte Frost mit minus 22 Grad Celsius ein. Daraufhin verlangsamte sich die deutsche Offensive, sie blieb immer häufiger in Schlamm oder Schnee stecken, und der Angriff auf Moskau kam am 5. Dezember wegen arktischer Temperaturen von bis zu minus 50 °C und der sich versteifenden sowjetischen Gegenwehr zum Erliegen. Am Tag darauf setzte eine sowjetische Gegenoffensive mit gut für den Winterkrieg ausgerüsteten Einheiten aus Fernost unter dem Befehl von Schukow ein, wodurch eine Eroberung der Hauptstadt Moskau durch deutsche Truppen verhindert wurde. Die Flucht der Heeresgruppe konnte zwar durch einen unbedingten Haltebefehl Hitlers gestoppt werden, aber sein Ziel, „die Sowjetunion in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen“,[128] war misslungen, „Barbarossa“ gescheitert.[129] Die verlorene Schlacht um Moskau war der geopolitische Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges, „die eigentliche Zäsur“,[130] weil die Serie der deutschen Blitzsiege abriss. Die Wehrmacht verlor bis Ende Januar 1942 rund ein Drittel ihrer Soldaten. Eine Million Gefallene, Vermisste oder Verwundete konnten nur zur Hälfte ersetzt werden. Noch weit stärkere Verluste hatte die Rote Armee mit bis zu diesem Zeitpunkt rund 3,3 Millionen Gefangenen, einer nicht näher bekannten Zahl von Toten sowie 2,2 Millionen Verwundeten und Kranken.[131]

Zwei berittene deutsche Soldaten in einem brennenden Dorf bei Mahiljou (Weißrussland), 16. Juli 1941

Finnland versuchte im Fortsetzungskrieg, mit deutscher Unterstützung die im Winterkrieg an die Sowjetunion verlorenen Gebiete in Karelien zurückzuerobern. Nachdem es dieses Ziel im Sommer 1941 erreicht hatte, blieb Finnland jedoch nicht defensiv, sondern besetzte bis Dezember 1941 umstrittene, nie zuvor finnisch gewesene karelische Gebiete.

Als Reaktion auf den deutschen Angriff marschierten britische und sowjetische Truppen am 25. August 1941 im Rahmen der Anglo-Sowjetischen Invasion in den Iran ein. Ziel des Angriffs waren zum einen die Sicherung der Ölförderung der Anglo-Iranian Oil Company und zum anderen die Übernahme der Transiranischen Eisenbahn, um die sowjetischen Truppen auch auf dem Weg über den Iran mit britischem und US-amerikanischem Nachschub versorgen zu können.

Die Rote Armee hatte sich neu organisiert. Die Großbetriebe der Rüstungsproduktion wurden, unerreichbar für die deutsche Luftwaffe, an den Ural verlegt. Am 16. Dezember gab Hitler den Befehl zum Halten. Bis zum Ende des Jahres wurde die Wehrmacht jedoch weiter zurückgedrängt. Auch die ökonomische Zwischenbilanz fiel Ende 1941 nüchtern aus: Der Verlust des Donezbeckens hatte nicht, wie von Hitler erwartet, zum Zusammenbruch der sowjetischen Wirtschaft geführt. Das „Reichskommissariat Ukraine“, schrieb zum Beispiel ein im Zivilberuf als Professor für Volkswirtschaft tätiger Beamter an den Chef der Wehrmachtrüstung, „erweise sich als völliger Fehlschlag“. Junge, schlecht ausgebildete, „inkompetente“ Beamte, die mit Reitpeitschen umherliefen, würden ein brutales „Herrentum“ praktizieren. Es sei zu befürchten, dass „sich die Gesamtstimmung des ukrainischen Volkes gegen uns wendet.“ Die Ausschaltung der Juden in Handel und Handwerk habe das „Rückgrat der Wirtschaft“ zerstört. Dadurch, dass man die russischen Kriegsgefangenen verhungern lasse, werde „Raubbau“ an „verfügbarer menschlicher Arbeitskraft“ getrieben.[132]

Hitlers „Weisung Nr. 41“ vom 5. April 1942 („Fall Blau“) legte für die Sommeroffensive fest, dass zunächst Stalingrad an der Wolga, danach der Kaukasusraum bis zur türkischen und iranischen Grenze erobert werden sollte, um die dortigen Erdölzentren in die Hand zu bekommen. Zunächst trat im Südabschnitt der Front die Rote Armee zum Gegenangriff an. In der Schlacht bei Charkow wurden im Mai 1942 die angreifenden sowjetischen Verbände vollständig eingeschlossen. Erneut gerieten fast 250.000 sowjetische Soldaten in Gefangenschaft. Von Mai bis Juli wurden Sewastopol und die Halbinsel Kertsch auf der Krim[133] erobert, die als Sprungbrett für eine Offensive bis zum Kaukasus dienen sollten. Dabei gerieten 150.000 Rotarmisten in Gefangenschaft. Weil im Juni 1942 Tobruk in Nordafrika fiel (→ Unternehmen Theseus), weckte die NS-Propaganda nach der Krise im Winter wieder große Hoffnungen auf einen baldigen Gesamtsieg.[134]

Lagebesprechung im Hauptquartier der Heeresgruppe Süd in Poltawa, 1. Juni 1942

Ende Juni 1942 begann die Sommeroffensive im Süden der Ostfront zwischen Kursk und Taganrog am Asowschen Meer, deren Bedeutung Hitler noch einmal am 1. Juni 1942 auf einer Oberbefehlshaber-Besprechung in Poltawa der Heeresgruppe Süd herausgestellt hatte: „Wenn ich das Öl von Maikop und Grosny nicht bekomme, dann muß ich diesen Krieg liquidieren.“[135] Stalin sah ähnliche Folgen für die Sowjetunion voraus, falls „unsere wichtigste Wasserstraße und bald auch unser Erdöl verloren gehen“.[136] Am 3. Juli überschritten deutsche Kräfte den Don bei Woronesch. Zwanzig Tage später konnte Rostow am unteren Don erobert werden, doch blieb die Gefangenenzahl gering, da die Rote Armee – im Gegensatz zu 1941 – einen strategischen Rückzug hinter den Don, die Wolga bei Stalingrad und zum westlichen und mittleren Kaukasus einleitete.[137] Am selben Tag, dem 23. Juli, wurde die „Weisung Nr. 41“ (s. o.) so abgeändert, dass statt des vorgesehenen Nacheinanders nunmehr zwei gleichzeitige Vorstöße ins Kaukasusgebiet und gegen Stalingrad vorgesehen waren. Im Unterschied zur Weisung vom April, bei der Halders Handschrift zu erkennen war, ging diese Weisung direkt auf eine Entscheidung Hitlers zurück. Der Generalstab hatte sie verhindern wollen. „Von da an war eine Niederlage voraussehbar.“[138] Hitler weigerte sich auch, realistische Schätzungen der sowjetischen Panzerproduktion zur Kenntnis zu nehmen, die tatsächlich mehr als das Vierfache der deutschen erreicht hatte.[139]

Frauen betrachten am „Persischen Korridor“ einen Nachschubkonvoi der Alliierten für die UdSSR, irgendwo zwischen Teheran und Bandar Pahlawi, Juni 1943 (heutiger Name: Bandar Anzali)

Die Heeresgruppe Süd wurde in die Heeresgruppe A (→ Kaukasus) und Heeresgruppe B (→ Stalingrad) geteilt. Die schwächere Heeresgruppe B bekam den Auftrag, Stalingrad zu erobern und danach die Wolga hinunter bis Astrachan, 75 km nördlich vom Kaspischen Meer entfernt, vorzudringen, um so die Fortsetzung des sogenannten Persischen Korridors zu sperren. Die Heeresgruppe A sollte die Ostküste des Schwarzen Meeres besetzen, die Ölquellen von Maikop und Grosny im westlichen Kaukasus in Besitz nehmen und schließlich, weit südlich am Kaspischen Meer, Baku und dessen Ölquellen erobern. Diese Strategie lässt sich „nur als glatter Wahnsinn bezeichnen“.[140] Tatsächlich kam sie nur bis in den Westkaukasus und eroberte das nördlich davon gelegene Maikop, dessen Ölanlagen aber systematisch zerstört worden waren. Das nächstgelegene und wichtige Erdölgebiet von Grosny, dessen Besitz Hitler als wesentlich für die Weiterführung des Krieges ansah, wurde nicht erreicht. Damit wurde schon Mitte August deutlich, dass das operative Ziel der Heeresgruppe A nicht erreicht werden würde; der Angriff auf die Passhöhen des Kaukasus musste Ende August 1942 eingestellt werden. Auch die Heeresgruppe B konnte ihr strategisches Ziel nicht erreichen, obwohl Hitler am 8. November 1942 im Münchener Löwenbräukeller noch von einem Erfolg gesprochen hatte: „Ich wollte zur Wolga kommen, und zwar an einer bestimmten Stelle, an einer bestimmten Stadt. […] Dort schneidet man nämlich 30 Millionen Tonnen Verkehr ab. […] Es kommt kein Schiff mehr die Wolga hoch. Das ist das Entscheidende.“[141] Zwar eroberte sie fast ganz Stalingrad, wurde dort aber Ende November 1942 von sowjetischen Truppen eingekesselt und musste am 31. Januar 1943 kapitulieren.

Einfluss- und Herrschaftsbereich der Achsenmächte im September 1942

Als Hitler mit Goebbels im Führerhauptquartier Werwolf bei Winniza (Ukraine) am 19. August unter vier Augen sprach, war er dagegen noch übertrieben optimistisch gewesen: Man werde nach den Ölquellen von Maikop, Grosny und Baku Kleinasien erobern und danach den Iran, den Irak sowie Palästina, um derart die Briten von ihrer Ölversorgung abzuschneiden. Beim baldigen Angriff auf Stalingrad erwarte er die Eroberung der Stadt innerhalb von acht Tagen.[142] Zur selben Zeit wuchs in der Sowjetunion die Enttäuschung über die ausbleibende Eröffnung einer „zweiten Front“ durch die Alliierten in Westeuropa.[143] Gleichwohl trugen die auf der Basis des Leih- und Pachtgesetzes erfolgten Hilfslieferungen der Amerikaner wesentlich dazu bei, dass die Rote Armee die Kriegführung durchhalten konnte. Dabei waren neben den gelieferten Militärgütern die Nahrungsmittel von Bedeutung. Bei den sowjetischen Soldaten hießen die Konservenbüchsen mit festem, rosa Pressfleisch „Zweite Front“. Mehr als die Hälfte der in die UdSSR gelieferten Güter waren, an Gewicht gemessen, Lebensmittel: „Sie reichten aus, um jeden sowjetischen Soldaten während des gesamten Krieges täglich mit schätzungsweise einem halben Pfund Nahrungskonzentrat zu versorgen.“[144]

Die bisherigen Verluste (mehr als 1 Million Soldaten seit Beginn des Russlandfeldzuges),[145] gigantische Überdehnung der Front, unzureichender Nachschub und massiver sowjetischer Widerstand ließen indes den Vormarsch der Heeresgruppen A und B Anfang September 1942 zum Stillstand kommen. Deswegen kam es zu einer Führungskrise im deutschen Oberkommando, in deren Verlauf der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A, Feldmarschall Wilhelm List, und der Generalstabschef des Heeres, Generaloberst Halder, von Hitler entlassen wurden. Hitler übernahm selbst (bis zum 22. November 1942) den Oberbefehl der Heeresgruppe, Nachfolger Halders wurde General Kurt Zeitzler.[146]

Am 4. Oktober 1942 besprachen die Vertreter des sowjetischen Oberkommandos, Georgi Schukow und Alexander Wassilewski, mit den Befehlshabern der um Stalingrad eingesetzten Fronten (sowj. Armeen) die geplanten Umfassungsoperationen, durch die die 6. Armee im Raum zwischen Wolga und Don eingeschlossen und vernichtet werden sollte: Im November 1942 wurde durch die Operation Uranus die Verbindung zwischen Stalingrad und der deutschen Front westlich der Wolga unterbrochen. Die Operation Kolzo (russ.: Ring) vollendete die sowjetische Einschließung Stalingrads.

Verhaftete Mitglieder der Résistance in Frankreich

Mit dem Einmarsch deutscher Truppen wurde in besetzten Staaten Europas eine Umgestaltung entsprechend den nationalsozialistischen besatzungspolitischen, rassenideologischen und bevölkerungspolitischen Vorstellungen eingeleitet, die die Besatzer mit den Mitteln der Repression durchzusetzen versuchten. Sie betraf vor allem den politischen und militärisch-politischen Widerstand und die jüdische Minderheit, die im gesamten deutschen Machtbereich zum Objekt von Verfolgung und Vernichtung wurde.

Mit dem Generalplan Ost (s. o.) entstand unter Heinrich Himmler, dem Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, ein umfassendes bevölkerungs- und siedlungspolitisches Konzept zur kolonialistischen „Germanisierung“ der besetzten und noch zu erobernden Ostgebiete. Besonders die Bevölkerungen Polens, Serbiens, der Ukraine, Weißrusslands und Russlands sollten „durchaus niedergehalten werden“. Aus der rücksichtslosen Ausplünderung dieser Gebiete ergab sich, dass Millionen der Hungertod drohte, was von den Planern hingenommen, wenn nicht begrüßt wurde. Nach der Entscheidung für den „Arbeitseinsatz“ als dem ökonomisch ergiebigeren Umgang mit der Bevölkerung vor allem der Sowjetunion wurden Millionen Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Repression und Ausbeutung stießen bald auf Widerstand.

Vertreibung polnischer Bevölkerung aus dem deutsch besetzten Wartheland, Herbst 1939

In den Niederlanden streikten zum Beispiel die Polizei und die Eisenbahner. In Frankreich kam es zu bewaffneten Angriffen. In den Balkanstaaten und in Osteuropa war der Widerstand besonders stark und verteilte sich oft auf verschiedene Gruppierungen. Jugoslawische Partisanen unter der Führung von Tito konnten einzelne zusammenhängende Gebiete befreien, und in Griechenland kontrollierten Partisanen der ELAS, EDES und EKKA die gebirgigen Landesteile. In der Sowjetunion bekämpften kommunistische und anarchistische Gruppen das deutsche Besatzungsregime. Der Partisanenkrieg in der Sowjetunion war von der Roten Armee schon vor dem Krieg geplant worden; entsprechende Einheiten wurden aufgestellt, die nach der Eroberung eines Gebietes den Widerstand gegen die Besatzer im Hinterland der Front weiterführen sollten.

Hingerichtete Partisanen in der Sowjetunion, Januar 1943

Im Allgemeinen war der Partisanenkrieg durch zahlreiche Verstöße gegen das Kriegsrecht gekennzeichnet. Die Partisanen machten meistens keine Gefangenen oder zwangen sie zur Desertation. Auf deutscher Seite enthielt der Kommissarbefehl die Anweisung, Politkommissare der Roten Armee nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern sie „nach durchgeführter Absonderung zu erledigen“.[147] So nahm der Partisanenkrieg in Osteuropa seinen Anfang als systematischer Ausrottungskrieg. In Griechenland (Kefalonia, Chortiatis), Frankreich (Oradour, Maillé) und Italien (Marzabotto, Caiazzo) kam es zu vereinzelten Massakern an feindlich gesinnter Zivilbevölkerung.

Zerstörte Flugzeuge nach dem Angriff auf Pearl Harbor, 7. Dezember 1941

Die Vereinigten Staaten hatten in dem Konflikt zunächst formal Neutralität gewahrt. Die isolationistische Grundstimmung in der US-Bevölkerung hinderte Präsident Roosevelt daran, direkt an der Seite Großbritanniens und der Sowjetunion in den Krieg einzugreifen.

Japan nutzte den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Europa zur Besetzung des nördlichen Teils von Französisch-Indochina, zwang Großbritannien zur Schließung der Burmastraße und schloss im September 1940 in Berlin den Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien, der dazu dienen sollte, die USA von einem Kriegseintritt abzuhalten. Der Kongress der USA schuf mit dem Leih- und Pachtgesetz vom 11. März 1941 die legale Grundlage für die vorher bereits praktizierte Unterstützung Großbritanniens. Am 31. Juli 1941 froren die USA, Großbritannien und die Niederlande die finanziellen Mittel Japans ein, was praktisch einem Embargo gleichkam, sodass die Führung des japanischen Kaiserreichs in einem Krieg gegen die USA, Großbritannien und die Niederlande die einzige Möglichkeit sah, ihre imperialistischen Ambitionen in Südostasien abzusichern.

Nach dem Angriff Japans auf die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 und den am 11. Dezember erfolgten Kriegserklärungen Deutschlands und Italiens befanden sich die USA offiziell im Kriegszustand mit den Achsenmächten. Trotz des japanischen Angriffs und unmittelbar nach der Beantragung der Kriegserklärung an Japan im Kongress erinnerte Roosevelt seine Berater daran, dass Deutschland das Hauptziel bleibe.[148] Die militärische Weisung „Germany first“ wurde während der Arcadia-Konferenz (s. o.) mit dem Entschluss, Deutschland als den gefährlichsten und von Großbritannien und der UdSSR einzigen direkt erreichbaren Gegner zuerst zu besiegen, bestätigt. Außerdem würde die Niederringung Deutschlands den Zusammenbruch Japans über kurz oder lang herbeiführen.[149]

Nach Hitlers Kriegserklärung an die USA und dem Rückschlag vor Moskau wurde der Dezember 1941 zum Wendepunkt der Weltpolitik. Von nun an war Deutschland nicht mehr in der Lage, den Zweiten Weltkrieg eindeutig zu gewinnen.[150]

Italienische Panzer M13/40 in Nordafrika, ca. 70 km südlich von Tobruk, Mai 1941

Ähnlich wie auf dem europäischen Kriegsschauplatz mussten die Italiener in Nordafrika schwere Rückschläge gegen die Briten hinnehmen. Die italienische Offensive gegen Ägypten im September 1940 kam bereits nach 100 Kilometern infolge der Zerstörung der Nachschubbasen in Libyen und Ägypten zum Erliegen. In der folgenden britischen Gegenoffensive gerieten gegen Ende des Jahres 1940 130.000 Italiener in britische Gefangenschaft.

Der deutsche Generalleutnant Erwin Rommel bekam deshalb im Februar 1941 den Auftrag, mit zwei Infanteriedivisionen und einer Panzerdivision des neu aufgestellten Deutschen Afrikakorps den erfolglosen Bündnispartner bei dessen Verteidigung zu unterstützen. Er hielt eine defensive Haltung für unangebracht, stattdessen wollte er angreifen. Am 31. März befahl er den Vormarsch. Schon am 10. April standen deutsche Panzer vor der ostlibyschen Hafenstadt und Festung Tobruk, die kurz zuvor noch von den Italienern ausgebaut und beinahe kampflos geräumt worden war. Nach drei erfolglosen Angriffen musste Rommel vorerst die Eroberung Tobruks zurückstellen. Auch weitere Vorstöße konnten auf Grund von Versorgungsengpässen nicht durchgeführt werden, sodass beide Seiten zu einem Stellungskrieg übergingen. Im November 1941 griffen die Briten wieder an, wobei es der Besatzung der Stadt endlich gelang, den Belagerungsring zu sprengen. Am 7. Dezember zog sich das Afrikakorps zur Gazala-Linie (60 km weiter westlich) zurück. Nachdem Tobruk einer Eroberung durch das Afrikakorps zweimal widerstanden hatte, griff Rommel erst im Mai des nächsten Jahres wieder an (s. Unternehmen Theseus).

Erwin Rommel ca. 100 km westlich der Grenze zu Ägypten, 16. Juni 1942

Nach schweren Panzergefechten gelang es den Achsenmächten, am 10. Juni 1942 Bir Hacheim einzunehmen. Danach wurden Stadt und Festung Tobruk am 20. Juni besetzt, wofür Rommel als jüngster Offizier der Wehrmacht die Beförderung zum Generalfeldmarschall erhielt. Die deutschen und italienischen Erfolge wurden durch die Verlegung großer Teile der britischen Mittelmeerflotte in den Indischen Ozean für den Krieg gegen Japan begünstigt.[151] Ziele des weiteren Vormarsches durch die Libysche Wüste waren Alexandria und der Sueskanal. Kurz vor der ägyptischen Bahnstation von El-Alamein hatten die Briten einen 7 Kilometer breiten Verteidigungsgürtel zwischen Mittelmeer und Qattara-Senke aufgebaut, in dem bei der ersten Schlacht von El-Alamein die Offensive der Achsenmächte steckenblieb (Juli 1942). Am 23. Oktober 1942 befahl der neue britische Befehlshaber Bernard Montgomery den Gegenangriff zur zweiten Schlacht von El-Alamein. Das zahlenmäßig unterlegene Afrikakorps musste den Rückzug antreten.

Italienische Soldaten nördlich der Mareth-Linie auf dem Marsch in die Kriegsgefangenschaft, März 1943

Die Lage der deutschen und italienischen Truppen in Nordafrika wurde aussichtslos, nachdem am 8. November 1942 in der Operation Torch alliierte Truppen in Casablanca und Algier gelandet und somit die Truppen der Achsenmächte in Nordafrika von zwei Seiten in die Zange genommen waren. Am 13. November fiel Tobruk wieder in britische Hand, am 23. Januar 1943 Tripolis.

Deutsche und italienische Truppen waren bereits im November 1942 in das französische Protektorat Tunesien eingerückt, um die in Marokko und Algerien angelandeten Briten und US-Amerikaner aufzuhalten. Im Februar 1943 konnte Rommel den US-Amerikanern in der Schlacht am Kasserinpass nahe der tunesisch-algerischen Grenze noch eine schwere Niederlage zufügen, deren weiteres Vordringen dennoch nicht aufhalten.[152] Im März und April wurden die Truppen der Achsenmächte im Tunesienfeldzug eingekesselt. Lediglich an der Mareth-Linie in Südtunesien wurde noch erbitterter Widerstand geleistet. Am 12. Mai 1943 – Rommel war inzwischen aus Nordafrika abberufen worden – kapitulierte dessen Nachfolger, General Hans-Jürgen von Arnim, in Hammamet auf der Halbinsel Kap Bon. Am 13. Mai ergab sich auch die italienische 1. Armee. Etwa 100.000 deutsche und 150.000 italienische Soldaten gerieten in Gefangenschaft.[153] Die deutsche Bevölkerung reagierte entsetzt auf die hohen deutschen Verluste in Nordafrika, die als endgültige Kriegswende gedeutet wurden. Hinter vorgehaltener Hand wurde von einem „zweiten Stalingrad“ oder von „Tunisgrad“ gesprochen. Auch die Gesamtbilanz des Krieges in Nordafrika wies eindeutige Sieger aus: US-Amerikaner, Briten und Franzosen hatten insgesamt etwa 220.000 Mann an Gefallenen, Verwundeten und Vermissten einschließlich Gefangenen zu beklagen. Bei Deutschen und Italienern summierten sich die Verluste auf 620.000 Mann.[154]

Nach dem Erfolg in Tunesien entschieden sich Großbritannien und die USA zunächst für eine Landung auf Sizilien, um dadurch den Seeweg zwischen Ägypten und Gibraltar zu öffnen – was zu einer Verkürzung der bisherigen Schifffahrtsrouten um Afrika herum führen würde.[155] Die sowjetische Führung hätte bevorzugt, wenn Briten und Amerikaner die zweite Front in Frankreich eröffnet hätten, weil sie sich davon eine stärkere Entlastung für die eigene Front erhoffte. Churchill lehnte ab, weil es für eine Invasion im Westen im Jahre 1943 aus seiner Sicht noch zu früh sei. Aber auch nach einer Landung im Süden Europas wäre dem Deutschen Reich eine Verstärkung der Ostfront im Sommer 1943 nicht mehr möglich gewesen.[156] Am 10. Juli 1943 landeten Amerikaner und Briten unter dem Oberbefehl Dwight D. Eisenhowers im Südosten Siziliens (Operation Husky). Daraufhin brach Hitler am 13. Juli das Unternehmen Zitadelle ab und verlegte am 17. Juli gegen den Willen Mansteins das II. SS-Panzerkorps aus Russland nach Italien.[157] So zeigte die Landung auf Sizilien Wirkung, wenn sie auch nicht die von Stalin gewünschte zweite Front war.[158] Der Große Faschistische Rat beschloss auf einer Sitzung am 24. Juli 1943 mit 28:19 Stimmen die Rückkehr Italiens zu verfassungsmäßigen Zuständen. Die Mehrheit versprach sich davon bessere Bedingungen der Alliierten im Falle einer Kapitulation Italiens. Am folgenden Tag ließ König Viktor Emanuel III., in Absprache mit Dino Grandi und dessen Verbündeten, Mussolini nach einem Besuch im Königspalast von Carabinieri verhaften. Als neuer Ministerpräsident wurde Pietro Badoglio ernannt.[157] Im Unternehmen Lehrgang verließen am 17. August 39.000 deutsche und 62.000 italienische Soldaten Sizilien und setzten über die Straße von Messina auf das italienische Festland über.